Synode
Synodalität ist lernbar

Studierende aus der Steiermark waren beim Ökumenischen Abendgebet in Rom dabei.
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Stimmen am Beginn des ersten Teils der Weltbischofssynode „Eine synodale Kirche: Gemeinschaft – Teilhabe – Sendung“.

Kollektive Wahrheitsfindung, wie sie seit 4. Oktober bei der Bischofssynode in Rom auf der Agenda der Weltkirche steht, „ist, wie schon auf dem letzten Konzil, ein mühsames Geschäft.“ Dennoch sollte man dieser Synode und den Synodalen etwas zutrauen, zeigte sich der Jesuit und Publizist Andreas R. Batlogg in der „Furche“ zuversichtlich. „Der Weg mag steinig sein. Aber Synodalität ist zu lernen.“ Laut der Linzer Moraltheologin Sigrid Rettenbacher hängt der Erfolg der Kirchenversammlung auch von der Bereitschaft der Verantwortlichen ab, offen darüber zu reden, „wie Macht im System Kirche funktioniert und wirkt“. Gerade bei „heißen Eisen“ wie der Frauenweihe oder „LGTBQ+-Themen“ gebe es hier Defizite, sagte sie ebenfalls in der „Furche“ vom 28. September.

Batlogg gestand zu, dass es im Vorfeld der Synode neben Optimismus auch einige Skepsis gebe: Fachleute würden eine „Beteiligungssimulation“ oder gar „pseudodemokratische Illusion“ sehen oder einen „weiteren Debattierclub ohne rechtliche Vollmachten“ befürchten. Entscheidungen seien „bisher meist top-down getroffen“ worden, so der Jesuit dazu: „Der Papst, der Bischof, der Pfarrer entscheidet, basta! Das soll, das muss, das wird anders werden!“ Die Kirche müsse neu lernen, zu hören. „Ihre Amtsträger vor allem. Aber nicht nur auf ihresgleichen. Und ohne ideologische Scheuklappen“, befand Batlogg.

„Die Zeiten sind vorbei, in denen Bischöfe nur untereinander beraten.“ Und dass der Papst völlig frei sei, was er mit den Ergebnissen der Synode macht, stimme zwar: Aber Franziskus werde Mehrheitsvoten wie im Nachsynodalen Schreiben „Querida Amazonia“ (2020) „nicht noch einmal … übergehen können“, erinnerte Batlogg an die im Papstschreiben „mit keiner einzigen Silbe erwähnte“ Zwei-Drittel-Mehrheit der bei der Amazonien-Synode stimmberechtigten Bischöfe, wenigstens örtlich begrenzt „bewährte
Männer“ (viri probati) zum Priesteramt zuzulassen.

Mehr Vorbehalte äußerte die Linzer Moraltheologin Sigrid Rettenbacher im „Furche“-Interview. Der Verweis auf die Weltkirche diene gerne als Argument, um „unbequeme Themen“ wie die Frauenfrage oder „LGBTQ+-Themen“ vom Tisch zu wischen. Dabei finde sich auch in der Kirche des globalen Südens eine Vielfalt an Positionen, wies Rettenbacher hin. Sie stellte die Frage, wer diese Regionen repräsentiert. „Oft waren und sind es Priester, die für andere sprechen. Wo sind die Stimmen von Frauen und anderen Randgruppen?“

Eine Wandlung der Kirche von innen her erhofft sich von der Synode die Katholische Aktion Österreich. Es gehe um eine Reform der Strukturen, die die Teilhabe aller Gläubigen an kirchlichen Entscheidungsprozessen gewährleistet.
Eine Dezentralisierung und eine gelingende Inkulturation wünscht der Wiener Pastoraltheologe Paul Zulehner. Die Bischofskonferenzen sollten in wichtigen Fragen eigene Wege gehen können.

Quelle: Kathpress

IM GESPRÄCH

Erzbischof Franz Lackner nimmt mit Kardinal Schönborn und der Theologin Klara-Antonia Csiszar an der Synode teil.

Es geht nicht um Gewinnen oder Verlieren
Bei der am 4. Oktober in Rom gestarteten Bischofssynode geht es nicht darum, zu gewinnen oder zu verlieren. Davon zeigte sich der Salzburger Erzbischof Franz Lackner im Interview mit dem „Kurier“ im Vorfeld überzeugt. Die Kirche müsse vielmehr als Ganze „andockfähig und ergänzungsbedürftig“ bleiben. Einmal mehr warnte der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz davor, die Synode als Kirchenparlament misszuverstehen. Das sei nicht im Sinne der Idee von Papst Franziskus.

Lackner ist neben Kardinal Christoph Schönborn und der Linzer Pastoraltheologin Klara-Antonia Csiszar einer von drei österreichischen Teilnehmenden an der Synode, zu der mehr als 400 Delegierte aus der ganzen Weltkirche nach Rom gekommen sind.

Für den Salzburger Erzbischof geht es darum, die Synode hörend und betend unter dem Beistand des Heiligen Geistes abzuhalten, „dann wird es am Ende keine Verlierer geben“, ist er überzeugt. Papst Franziskus habe, entgegen mancher Kritik, eine genaue Vorstellung dessen, wie die Versammlung ablaufen solle, so Lackner: „Der Papst hat stets die Bedürfnisse und die Fragen der Menschen von heute im Blick, er überlässt sie nicht dem Zufall.“ Eine synodale Kirche, wie der Papst sie sehe, stehe „in doppelter Treue zu Gott und den Menschen, sie ist auf Augenhöhe mit allen unterwegs“.

Bei dem Synodalen Prozess von einem „Experiment“ zu sprechen, greift für Lackner zu kurz. Im Rahmen der Synodalität gelte es, hinzuhören und Maß zu nehmen „an den anderen und von Gott her“, so der Erzbischof. „Wir dürfen nicht mit 100-Prozent-Antworten und vorgefassten Meinungen in das Gespräch gehen. Die Synodalität selbst ist für mich das sicherste Mittel, um Spaltungen zu vermeiden.“
Erzbischof Lackner ist überzeugt, dass die Kirche sich ändern werde, zugleich aber ihrem Wesen nach „dieselbe bleibe, wie auch Christus derselbe bleibt“.

Befürchtungen wegen der Synode

Papst Franziskus antwortet auf „Dubia“-Fragen von Kardinälen.

Fünf besorgte Anfragen haben einige Kardinäle im Vorfeld der Synode an Papst Franziskus gerichtet: Sie wollen vom Papst wissen, ob Segnungen homosexueller Paare und Priesterweihen für Frauen in der Kirche verboten bleiben. Sie fragen zudem, ob es künftig Lehren in der Kirche geben könne, die bisherigen Glaubens- und Morallehren widersprächen, und ob die Bischofssynode im Vatikan eine Autorität ausüben könne, die eigentlich dem Papst oder dem gesamten Bischofskollegium vorbehalten sei. Zudem fragen sie, ob es in der Beichte eine Lossprechung ohne Umkehr und Reue geben könne.

Bei den Fragestellern handelt es sich um die Kardinäle Walter Brandmüller aus Deutschland, Raymond Burke aus den USA, Juan Sandoval aus Mexiko, Robert Sarah aus Guinea sowie den früheren Erzbischof von Hongkong, Joseph Zen.
Der Papst beantwortete die sogenannten „Dubia-Fragen“ (Zweifel) nicht mit Ja oder Nein, aber postwendend. Er verweist die Kardinäle an ihre eigene Anfrage. Sie drückten damit ihr Bedürfnis aus, sich zu beteiligen, ihre Meinung frei zu äußern und mitzuarbeiten, und verlangten damit eine Form von Synodalität bei der Ausübung des päpstlichen, seines Amtes. Nicht nur die Hierarchie, sondern das ganze „Volk Gottes“ sollte an der Mission der Kirche teilnehmen. Die Auslegung der Heiligen Schrift geschehe im jeweiligen kulturellen und historischen Kontext. Dazu nennt er etwa Texte zu Sklaverei oder Frauen als Beispiele. Kulturelle Veränderungen würden das Wort Gottes nicht ändern, böten jedoch die Möglichkeit, es noch deut-licher zu machen.

Segnungen homosexueller Partnerschaften lehnt der Papst nicht gänzlich ab, er appelliert an Feingefühl und Klugheit in der Seelsorge. Wer um einen Segen bitte, drücke damit eine Bitte um Hilfe von Gott aus, eine Bitte um eine bessere Lebensweise, ein Vertrauen in einen Vater, der helfen könne, besser zu leben, so Franziskus. Möglichkeiten solcher Segnungen durch Diözesen oder Bischofskonferenzen lehnt der Papst aber ab. Ebenso wie eine Gleichsetzung homosexueller Partnerschaften mit der katholischen Auffassung einer Ehe.

Bei der Frage nach einem möglichen Frauenpriestertum in der Zukunft bleibt der Papst schwammig. Franziskus betont das gemeinsame Priestertum der Gläubigen und das Amtspriestertum als gleichwertig, spricht sich also nicht für ein Frauenpriestertum aus. Zugleich stellt er die Endgültigkeit der Absage zu dem Thema durch Papst Johannes Paul II. zur Diskussion.

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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