Glaube
Ostern muss sich in uns ereignen
- Am Ostermorgen begegnet der Auferstandene in der Lesart des Films „Maria Magdalena“ allein der Jüngerin aus Magdala und sendet sie als Apostelin zu den Aposteln.
- Foto: Universal Pictures / Filmstill
- hochgeladen von SONNTAGSBLATT Redaktion
Wesensverwandt mit Christus. Wer die Botschaft Jesu verinnerlicht hat, erwacht zur Wirklichkeit der Auferstehung und wird zum Senfkorn einer neuen Schöpfung.
Wie wird die Auferstehung dargestellt? Das ist für mich stets die spannendste Frage, wenn ich einen Film über das Leben Jesu anschaue. Die Auferstehung ist der springende Punkt im christlichen Glauben, das Ereignis, von dem alles abhängt. Schon der Apostel Paulus hält unmissverständlich fest: Ist Christus nicht auferweckt worden, dann ist unsere Verkündigung leer und unser Glaube nutzlos, dann sind wir erbärmlicher dran als alle anderen (vgl. 1 Kor 15,14–20).
Andererseits entzieht sich die Auferstehung aber ganz und gar unseren menschlichen Sinnen. Wir können sie nicht empirisch wahrnehmen. Am Versuch, sie sichtbar zu machen, sind schon viele Filme grandios gescheitert, indem sie dem Pathos verfallen oder eine Bildsprache aus dem Genre der Sciencefiction bemühen. Eine durchaus gelungene, sehr zurückhaltende Form findet da der Film „Maria Magdalena“ von Garth Davis aus dem Jahr 2018. Er stellt die Apostelin der Apostel – wie Papst Franziskus sie 2016 anlässlich des Upgrades ihres Gedenktages zum Fest bezeichnet hat – ins Zentrum der Handlung, beweist aber vor allem in der ungewohnt kantigen, düsteren Jesus-Verkörperung durch Joaquin Phoenix Mut.
Von Anfang an erscheint Jesus hier als Leidender, fast Besessener, der, wenn er vom Reich Gottes spricht, beinahe daran verzweifelt, dass seine Jünger nichts begreifen. Die Einzige unter ihnen, die ihn wirklich versteht, ist Maria aus Magdala. Sie erscheint wie eine Seelenverwandte zu Jesus, beide haben durch ihre tiefe Gottesbeziehung die Gabe, heilsame Kräfte in den Menschen zu wecken und Leben zu ermöglichen. Doch als Frau im Kreis der Jünger hat sie keinen leichten Stand.
Kommunizierende Gefäße
Immer mehr aber wird Maria zum „alter ego“ Jesu, die beiden erscheinen wie kommunizierende Gefäße. Zum Abendmahl treten sie gemeinsam an den Tisch und während der Passion sucht sie die größtmögliche Nähe zu ihm. Die Szene des Kreuzwegs ist so geschnitten, dass sie eine Parallelität zwischen beiden herstellt. Als Jesus unter dem Kreuz zusammenbricht, stürzt auch Maria in der Menge zu Boden. Diese Montage lässt die Jüngerin ganz unmittelbar mitleiden, aber sie teilt auch die Liebe und Hingabe Jesu. Durch ihre Kompassion stärkt sie ihn auf seinem Weg. Und als Jesus am Kreuz stirbt, tut er es mit einem Blick in ihre Augen. Dann ist Maria Magdalena diejenige, die die Felsenhöhle verschließt und allein beim Grab bleibt.
Am anderen Morgen erwacht sie durch das Zurufen ihres Namens, um zur Apostelin der Apostel, zur Zeugin des Auferstandenen zu werden. Die Frau aus Magdala ist in der Lesart dieses Films nicht nur die erste, sondern überhaupt die einzige Person, der Jesus nach der Auferstehung begegnet. Sie eilt zu den Jüngern, die verängstigt und resigniert hinter verschlossenen Türen beisammen sind. Man könnte die Interpretation so deuten, dass der auferstandene Herr den Jüngern in der Gestalt Maria Magdalenas erscheint, dass er in ihr lebt und durch ihren Mund zu ihnen spricht.
Als neue Schöpfung leben
Sie wäre demnach der erste Mensch, der von der Wirklichkeit der Auferstehung erfasst worden und dadurch in den mystischen Leib Christi eingegliedert ist, der sich allmählich auf alle Menschen ausdehnt, die in dem Bewusstsein leben, eine neue Schöpfung zu sein und das Werk Jesu in ihrem eigenen Leben weiterzuführen.
Nach und nach beginnen die Jünger zu verstehen und ihr zuzustimmen. Petrus ist misstrauisch, eifersüchtig und gekränkt, dass Jesus sie ihm vorgezogen habe. Maria Magdalena beansprucht jedoch keine Führungsrolle, sie will nur wahrgenommen werden und das, was sie mit unanfechtbarer Gewissheit in ihrem Herzen empfindet, mit anderen teilen. Sie ist überzeugt: „Das Reich Gottes ist in uns. Die Welt ändert sich nur, wenn wir uns ändern.“
Petrus kann die Erfahrungen und die Sichtweise der Jüngerin nicht als Bereicherung, als notwendige Ergänzung zur eigenen Wahrnehmung sehen. Die Figur verkörpert eine männerzentrierte Amtskirche, die den Schatz weiblicher Spiritualität nicht zu integrieren vermag, die unbeweglich in alten Mustern verharrt, anstatt der alles verwandelnden Kraft der göttlichen Gegenwart in jedem Menschen zu trauen.
So kehrt Maria – überzeugt: „Ich werde gehört werden!“ – zurück zu Jesus, der sie mit den Worten empfängt: „Du lässt dich nicht entmutigen.“ Dann lachen beide gemeinsam. Es ist ein erlöstes Lachen, das Lachen der Auferstehung, das Maria mutig losgehen lässt als einzelnes Senfkorn – dieses Gleichnis, aus weiblicher Perspektive erzählt, bildet die deutende Klammer um den Film –, das ausgesät ist, um reiche Frucht zu bringen.
Alfred Jokesch
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.