Stichwort: Heiliger Dismas
Heute noch im Paradies

Ein versöhnlicher Wortwechsel und ein vertraulicher Blickkontakt verbindet Jesus und Dismas im Angesicht des Todes. Das Tafelbild von Lucas Cranach d. Ä. (ca. 1515) hängt heute in der Alten Pinakothek in München. | Foto: Archiv
  • Ein versöhnlicher Wortwechsel und ein vertraulicher Blickkontakt verbindet Jesus und Dismas im Angesicht des Todes. Das Tafelbild von Lucas Cranach d. Ä. (ca. 1515) hängt heute in der Alten Pinakothek in München.
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Der „reumütige Schächer“ hat in der Heilsgeschichte einen besonderen Platz. Zu seinen Verehrern zählt auch der scheidende Generalvikar Erich Linhardt.

Santo subito!“ Beim Begräbnis des Papstes Johannes Paul II. am 8. April 2005, zu dem 3,5 Millionen Menschen nach Rom gekommen waren, forderten dies Sprechchöre und Transparente: „Sofort heilig!“ Keine zehn Jahre später erfolgte dann die offizielle Heiligsprechung durch dessen Nach-Nachfolger Franziskus.
Noch schneller ging es beim heiligen Dismas, einem der beiden Schächer, die neben Christus gekreuzigt wurden. Ihm wurde die besondere Gnade zuteil, dass er gleichsam von Jesus selbst heiliggesprochen wurde. Denn dieser versicherte ihm – zumindest nach den Angaben des Lukas­evangeliums – angesichts ihres unmittelbar bevorstehenden Todes: „Heute noch wirst du mit mir im Paradies sein.“ (Lk 23,43)
Während in den Evangelien nach Matthäus und Markus beide Räuber Jesus verspotten, und Johannes lediglich die Zerschlagung der Beine der Mitgekreuzigten erwähnt, unterscheidet Lukas, der feinsinnige Geschichtenerzähler, zwischen dem einen, der mit Hohn und Bitterkeit seinem qualvollen Ende entgegenblickt, und dem anderen, den der Anblick des unschuldig Verurteilten, der so ergeben und im inneren Frieden sein Leid trägt, tief im Herzen berührt. So, wie er Jesus sterben sieht, das ist für ihn wie ein Gottesbeweis, es heilt seine gequälte Seele, lässt ihn Versöhnung erfahren, führt ihn zum Glauben und rettet ihn.

Lukas zeigt zwei Möglichkeiten auf, mit dem Ereignis der Kreuzigung Jesu umzugehen. Die eine bewirkt, dass sich die Spirale von Gewalt, Verbitterung und Vergeltung weiterdeht, die andere das demütige Annehmen des rettenden Auswegs einer sich ganz verschenkenden Liebe. Die eine verschlimmert Qual und Leid, die andere kann daraus erlösen und ermöglicht Heilung.

Der hl. Augustinus folgert: „Verzweifle nicht, denn einer der Schächer wurde gerettet! Frohlocke nicht, denn einer der Schächer wurde verdammt!“ Die Erlösung steht jedem Menschen offen, selbst einem todgeweihten Verbrecher. Sie kann sich in jeder Begegnung mit Christus ereignen, selbst wenn beide ans Kreuz geheftet sind. Aber sie kann auch ausbleiben, wenn jemand sich vor der Liebe Jesu verschließt und sich von ihm abwendet. So stellt die Begegnung mit dem Kreuz, wie es der Apostel Paulus sagt, für die einen ein Ärgernis oder eine Torheit dar, während anderen darin Gottes Kraft, Weisheit und Liebe aufleuchtet (vgl. 1 Kor 1,23).

Der Patron der Verurteilten
Wer aber waren die beiden Männer, die mit Jesus gekreuzigt wurden? Von Räubern oder Verbrechern sprechen die Evangelien. Tatsächlich dürften es wohl Partisanen, Widerstandskämpfer gegen die römische Besatzungsmacht gewesen sein, denn die Hinrichtungsart der Kreuzigung wurde in der Regel bei Aufrührern oder entflohenen Sklaven angewandt. Ihre Namen sind in biblischen Quellen nicht erwähnt, erstmals werden im apokryphen Nikodemusevangelium des 4. Jahrhunderts der eine Dismas und der andere Gesmas (auch Gestas) genannt. Auch die Legenden vom Schweißtuch der Veronika und der Lanze des Soldaten Longinus gehen auf diese Quelle zurück.

Einem noch späteren Kindheitsevangelium zufolge sind Dismas und Jesus einander schon viel früher begegnet, denn der Räuber habe die Heilige Familie bei deren Flucht nach Ägypten in seinem Haus beherbergt. Sein Kreuz soll nach Zypern gelangt sein, wo der Heilige besonders geehrt wird. Manche ostkirchlichen Auferstehungsikonen zeigen Dismas, wie er als erster an die Tür des Paradieses klopft. Er gilt als Patron der zum Tod Verurteilten, der Gefangenen, der Totengräber und der Fuhrleute, als Fürsprecher für eine gute Beichte und für schwer Bekehrbare sowie als Stadtpatron von Gallipolo in Apulien. Auch in Bologna und im Franziskanerorden wird er verehrt. Sein Gedenktag ist der 25. März.

Dismas-Verehrer
Dem promovierten Historiker und Volkskundler Generalvikar Erich Linhardt ist schon vor vielen Jahren die Verehrung des hl. Dismas ans Herz gewachsen. Als Student im Priesterseminar gründete er mit einigen seiner Kommilitonen die „Dismas-Bruderschaft“, die es sich zur Aufgabe gesetzt hat, das Andenken des geretteten Schächers hochzuhalten.

Ein gewisser Georg Lienhardt, im 18. Jahrhundert der bedeutendste Abt des schwäbischen Prämonstratenserklosters Roggenburg, war ebenfalls ein großer Dismas-Verehrer. Er schrieb: „Erwählt euch im heiligen Dismas einen Beschützer und Helfer bei Gott, wenn Furcht vor drohenden Gefahren euer Herz befällt. Sucht seine Freundschaft! Fördert seine Verehrung! Betet zu ihm um die Gnade aufrichtiger Reue und eines großen Vertrauens zur Barmherzigkeit Gottes. St. Dismas wird euch vor allem einen lebendigen Glauben an die unbegrenzte erlösende Macht des heiligen Messopfers vermitteln.“

Alfred Jokesch

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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