Jahr der Bibel
Bibel & Kunst

Abendmahl, um 1600, Öl auf Leinwand, Graz, Diözesanmuseum.
4Bilder

Gemälde, die Geschichte(n) erzählen

Mit Jesus zu Tische sitzen
Ein Herzstück der Schausammlung im Diözesanmuseum in Graz ist dieses Bild. Ein Gemälde mit einer bekannten Szenerie. Ein großer Tisch, umgeben von einigen Männern. Vielen ist die Szene geläufig. Wer sie nachlesen will, schlägt die Bibel auf (Mk 14,12–24; Mt 26,17–28; Lk 22,7–22). Als dieses Gemälde entstand (um 1600), konnte ein Großteil der Bevölkerung aber nicht lesen, daher war es an der Malerei, Geschichten sichtbar und anschaulich zu machen.
Der Maler Jacopo Palma Giovanni erzählt die Geschichte vom letzten Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern. Dreizehn Männer sind rund um den Tisch zu sehen. Ihre Körperhaltungen, die Farben ihrer Kleidung, die Gesichter – alles ist Teil der Geschichte und spricht zum Betrachtenden. Wir müssen nur lernen, das Bild zu lesen.
Drei Personen rund um Jesus werden hier näher in den Blick genommen. In drei Kreisen konzentrieren wir uns auf Gesichter, Handhaltungen und das, was daraus zu lesen ist.
Was die Tiere auf dem Bild bedeuten könnten, wird in der Spalte (siehe Seite 5) ergründet.

Jesus und der Jünger, den er liebte
Rot ist die Farbe der Liebe. Das Herz sitzt auf der linken Seite des Brustkorbs. Links von Jesus sitzt sein Lieblingsjünger. Er ist der Einzige, der ohne Bart dargestellt ist, um jung auszusehen. Seine Hände hält der Jünger am Brustkorb über dem Herzen verkreuzt, den Kopf hat er Jesus zugeneigt. Jesus, erkennbar am Strahlenkranz, reicht ihm das Brot – seinen Leib. Alles an dieser Szene soll Liebe und Zuwendung darstellen.
In der Tradition wird „der Jünger, den Jesus liebte“ (Joh 21,7) mit dem Apostel Johannes identifiziert. Er ist der einzige Jünger, der von den biblischen Erzählern unter dem Kreuz erwähnt wird. In den letzten Worten Jesu im Johannes-Evangelium richtet sich Jesus an seinen Lieblingsjünger mit der Bitte, sich um seine Mutter zu kümmern.

Der Fels, auf den Jesus baut
„Du bist Petrus, und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen“ (Mt 16,18) So spricht Jesus zu Simon, der von da an Simon Petrus oder auch nur Petrus genannt wird. In der katholischen Kirche sind diese überlieferten Worte Jesu an Petrus u. a. die Grundlage für das Papstamt.
Petrus ist also verlässlich und stark. Er ist bestimmt auch weise. Also ist er alt. So könnten sich Kinder über Petrus Gedanken machen. Der Maler dieses Kunstwerkes hat sich an solchen Überlegungen orientiert. Petrus ist der mit Abstand am ältesten wirkende Mann auf diesem Bild – das erkennt jedes Kind: grau-weiße Haare und ein ebenso gefärbter Bart. Außerdem sitzt Petrus an prominenter Stelle gleich neben Jesus.
Sein Blick ist der Tischmitte und Jesus zugewandt. Er scheint alles ganz genau zu beobachten. Seine Hände hält er gefaltet – ein Fels im Glauben und in der Liebe –, denn auch er trägt rot. Dreimal fragt Jesus ihn nach seiner Liebe. Dreimal antwortet er: „Du weißt, dass ich dich liebe!“ (Joh 21,15 ff) Trotzdem wird er Jesus (dreimal) verleugnen und später bitterlich darüber weinen. Petrus, Fels und Mensch.

Wer hat Jesus verraten?
Gelb steht für Neid, Missgunst und Verrat. Drei Personen am Tisch tragen gelb. Wer von ihnen ist Judas, der Jesus verrät?
Der im großen Bild auf der linken Seite sitzende Mann in Gelb beugt sich zu einem kleinen Buben hinab und gibt ihm zu essen. Der Mann auf der rechten Seite mit gelbem Gewand ist im Gespräch mit einem der Diener. Vom Mann in der Mitte sieht man nur den Rücken. Mit der rechten Hand fasst er in die Schüssel mit dem Brot. Er bedient sich selbst. Auch das Wort Jesu „Der die Hand mit mir in die Schüssel eintunkt, wird mich ausliefern“ (Mt 26,23) klingt in der Geste an.
Mit der linken Hand verbirgt der Mann etwas unter dem Tisch. Mit ein wenig Fantasie lässt sich ein Beutel ausmachen. Der Beutel mit den
30 Silberstücken, die Judas für die Auslieferung Jesu versprochen waren? (Mt 26,15)

Bilder lesen lernen
Die Kunst hatte lange auch die Aufgabe, jenen Geschichten zu erzählen, die nicht lesen konnten. Farben, Tiere, Gesichter, Handhaltungen – jedes Detail eines Bildes konnte etwas erzählen – man musste es nur zu „lesen“ verstehen. Im Abendmahlsbild von Jacopo Palma tauchen zwei Tiere auf – nicht ohne Grund:
» Katze
Die Katze ist vielen als Haus- und Kuscheltier heute sehr nahe. Die Anschmiegsamkeit mit gleichzeitigem Drang zum eigenen Willen und zur Freiheit prägen ihr facettenreiches Wesen. In der Antike galt sie vielen als heiliges Tier. Die Bibel erwähnt sie nur in einem Nebensatz.
Die Symbolik der Katze in der Kunst ist genauso vieldeutig – sie kann für Negatives wie Verrat, Zwist und Feindschaft stehen ebenso wie für Freiheit. Besonders weil Katzen zuerst mit Mäusen spielen und sie dann erst töten, wurden sie als Verräter gesehen – so kam bisweilen die Zuordnung zur biblischen Figur des Judas zustande.
In Jacopos Gemälde vom Abendmahl liegt die Katze parallel zum Hund, zusammengerollt am anderen Ende des Tisches. Ihre Züge erscheinen überaus scharfkantig, so dass sie ihr ein durchaus böses Aussehen verleihen. Ihr Platz auf diesem Gemälde, nahe bei Judas, ist wohl nicht zufällig gewählt.
» Hund
Der Hund war auch schon zu biblischen Zeiten bekannt und kommt in der Bibel am Rande vor. Auch einige Heilige haben einen Hund als Attribut – sei es Rochus, den ein Hund in der Legende mit Brot versorgt, oder der arme Lazarus, dessen Geschwüre ein Hund leckt.
Grundsätzlich steht der Hund für positive Eigenschaften wie Treue, Hingabe und Wachsamkeit. So ist er dem Menschen schon seit Jahrtausenden in mehrerer Hinsicht dienlich: als Bewacher von Haus und Hof und Verteidiger von Mensch und Tier.
Hier im Gemälde scheint er auf den ersten Blick einfach nur das Bild zu verschönern. Es tafelt eine Mahlgemeinschaft – rund um den Tisch sitzen viele Menschen, da kann realistisch gesehen auch ein Hund dabei gewesen sein. Er liegt entspannt und freundlich dreinblickend an einem Ende des Tisches und fällt nicht weiter auf. Aber er hat in diesem Gemälde nicht nur illustrierende Funktion. Er steht stellvertretend für die Treue und Hingabe der Jünger zu Jesus.

Näheres in: Heimo Kaindl (Hg.): Tiere in der Bibel, Verlag Diözesanmuseum Graz, 2019.

Meine Lieblings-BIBELSTELLE

Meine Bibel ist bunt. Überall kleben vom Lernen kleine Marker, die mich auf eine wichtige Bibelstelle hinweisen. Oder auf die Lesung bei unserer Hochzeit. Doch die mir liebste Stelle ist der Psalm 23: „Der Herr ist mein Hirte, nichts wird mir fehlen.“
Ich persönlich verbinde ein Bild von Sieger Köder mit dieser Bibelstelle: Jesus, der ein kleines Lamm auf seinen Schultern trägt. Der gute Hirte. Jesus ist es, der dem Lamm Heimat, Nähe, Geborgenheit und Zuflucht gibt. So auch mir.
Doch wenn ich ganz genau hinsehe, sehe ich andere Gesichter. Das Lamm trägt ganz klar meine Züge, und anstelle von Jesus sehe ich meinen Mann, der mir den Rücken freihält, damit ich lernen kann, und meine Töchter, die mir im Haushalt helfen, während ich bei der Arbeit bin. Einen lieben Freund, der mir hilft, wenn ich beim Lernen nicht weiterkomme und meine Kollegin, die mir geduldig all meine Fragen beantwortet. Oder meine Freundinnen, zu denen meine Kinder gehen dürfen, wenn ich auf einer Fortbildung bin.
Diese lieben Menschen sind meine Hirten und Hirtinnen. Sie sind für mich da, lassen mich spüren, dass sie mich mögen, und tragen mich auf ihren Schultern, wenn ich Hilfe brauche. Das Lamm im Bild hat in meiner Fantasie genau dasselbe wohlige Bauchgefühl wie ich, wenn es von seinem Hirten beschützt wird. Jeder Hirte, jede Hirtin, da bin ich mir ganz sicher, ist von Gott zu mir gesandt. Genau in dem Moment, in dem ich bewacht und beschützt werden muss. Ich kann nur hoffen, dass jeder Mensch einen solchen Hirten oder eine solche Hirtin in seinem Leben hat – und dass auch ich diesen tollen „Beruf“ hin und wieder ausüben darf.

Sarah Knolly, Pastorale Mitarbeiterin in der Pfarre Zeltweg, Mutter von drei Töchter, Pastoralassistentin und Dipl. Erwachsenenbildnerin in Ausbildung.

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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