Franziskusjahr
5 Regeln für ein franziskanisches Leben

Der gebürtige Euratsfelder Hans Pruckner ist Leiter des Kapuzinerklosters in Salzburg. | Foto: Patricia Harant-Schagerl
2Bilder
  • Der gebürtige Euratsfelder Hans Pruckner ist Leiter des Kapuzinerklosters in Salzburg.
  • Foto: Patricia Harant-Schagerl
  • hochgeladen von Patricia Harant-Schagerl

Franziskus für Einsteiger: Der gebürtige Euratsfelder Hans Pruckner, Leiter des Kapuzinerklosters Salzburg, beschreibt fünf Eigenheiten (s)eines franziskanischen Alltags heute.

1. Das Evangelium beobachten

Der heilige Franziskus beginnt seine Regel mit diesen Worten. Roger Schutz, der Gründer der Gemeinschaft von Taizé, formulierte es in unserer Zeit ähnlich: „Lebe das, was du vom Evangelium verstanden hast. Und wenn es noch so wenig ist. Aber lebe es.“
Wir hören aktuell bedrohliche Nachrichten: die dramatische Veränderung des Klimas verbunden mit noch nie da gewesenen Dürre- und Trockenheitsphasen, Kriegsdrohungen usw. Diese Realitäten machen uns Angst und fordern uns heraus. Das regelmäßige Lesen des Evangeliums eröffnet uns Wege der Zuversicht und der Freude in unserem Alltag. Roger Schutz ist für mich ein prophetischer und demütiger Zeuge dieser Wirklichkeit.

2. Die Stille entdecken

Franziskus hat die Stille gesucht. Faszinierende, einsame Orte wie der Berg La Verna, das Eremo delle Carceri am Monte Subasio und das Kapuzinerklösterlein in Montecasale geben noch heute Zeugnis davon. In unserer lauten Welt ist es schwierig, Zeiten der Stille zu finden. Für mich ist der frühe Morgen eine besondere Zeit. Ich laufe nach Maria Plain und bin rechtzeitig zum Gebet der Laudes im Chor des Klosters.

3. Mit den Händen arbeiten

In seinem Testament betont Franziskus die Wichtigkeit der Handarbeit für die Brüder. Gestern haben junge Studenten unserem Bruder Konrad, dem 90-jährigen Gärtner, in der Lernpause geholfen, die Kartoffeln für die Klosterküche zu ernten. Für alle eine Premiere. Der Spaß und die Freude waren groß – eine kostbare Abwechslung zum Studium. Dankbar und verbunden mit Gottes Schöpfung können wir im Alltag mit unseren Händen mitwirken am Kommen des Reiches Gottes. In den Kapuzinerklöstern ist der Garten seit jeher ein wichtiger Ort: Mit der Erde verbunden freuen wir uns über die kleinen Dinge des Lebens. Auch das gemeinsame Abwaschen nach den Mahlzeiten ist ein wichtiges Ritual im Tagesablauf: Eine nicht besonders beliebte Tätigkeit verbindet Alte und Junge. Es entstehen gute Gespräche im Dienst füreinander.

4. Der Armut begegnen

Gestern hatte ich die Möglichkeit, die Oper „Saint François d’Assise“ von Olivier Messiaen im Rahmen der Salzburger Festspiele zu sehen. Beeindruckend wurde die Begegnung des Heiligen mit dem Aussätzigen dargestellt. Wir Kapuziner sind mit den Menschen am Rand der Gesellschaft verbunden; die Option für die Armen ist wesentlich für unsere Sendung. Ich werde diesem Anspruch oft nicht gerecht, doch er bleibt. Ein Mann in der Obdachlosigkeit hat mir letztes Jahr mehrere E-Mails mit der Bitte um eine vorübergehende Unterkunft im Kapuzinerkloster geschrieben. Wir haben ihn schließlich in unsere Klostergemeinschaft aufgenommen und ich kann mich gut an sein strahlendes Gesicht erinnern, als wir ihn mehrmals zum Essen eingeladen haben.

5. Dialog statt Ausgrenzung

Franziskus ist friedlich auf die Menschen zugegangen. Berühmt ist der Bericht über die Begegnung mit Sultan al-Malik al-Kāmil in Damiette im Jahr 1219. Er hat die Rhetorik des Krieges überwunden. Menschen guten Willens bauen Brücken zueinander. Vor einigen Jahren durfte ich mit Brüdern in der ostthüringischen Stadt Gera in einem Sozialprojekt der Kapuziner tätig sein. Ich kann es gut nachvollziehen, wenn der Kleine Bruder und Buchautor Andreas Knapp von seiner Geburtstagsfeier in einer Plattenbausiedlung in Leipzig erzählt: „Ich versuche, wo immer es möglich ist, die Menschen zusammenzubringen. Bei der Feier meines 60. Geburtstages etwa saß ein AfD-Wähler neben einem jungen Mann aus Syrien, der erzählte, dass er seine Familie jahrelang nicht gesehen habe und voller Sorge um sie sei. Der AfD-Wähler hörte zu und war betroffen. Das sagte er mir später.“

Bruder Hans Pruckner

Der gebürtige Euratsfelder Hans Pruckner ist Leiter des Kapuzinerklosters in Salzburg. | Foto: Patricia Harant-Schagerl
Brüder des Kapuzinerklosters Salzburg im Gespräch. | Foto: Kapuzinerkloster Salzburg / Ledersberger
Autor:

Patricia Harant-Schagerl aus Niederösterreich | Kirche bunt

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Karte einbetten

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Code einbetten

Funktionalität des eingebetteten Codes ohne Gewähr. Bitte Einbettungen für Video, Social, Link und Maps mit dem vom System vorgesehenen Einbettungsfuntkionen vornehmen.
Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Powered by PEIQ