Franziskusjahr
Der Franziskusweg - in den Fußspuren des Heiligen
- Dietrich Vesecky mit der Statue des heiligen Franziskus, der vom Kloster Montecasale in den Appenin, auf Sansepolcro und das gesamte weite Tal schaut.
- Foto: Dietrich Vesecky
- hochgeladen von Patricia Harant-Schagerl
Dietrich Vesecky aus Gars am Kamp ist auf dem Franziskusweg von Florenz nach Assisi gegangen – in den Fußspuren des heiligen Franziskus, der im Jahr 1209 nach Rom ging, um vom Papst die Bestätigung seiner Gemeinschaft zu erbitten.
Buongiorno, buona gente!“ – „Guten Tag, ihr guten Menschen!“ Mit diesem Gruß auf den Lippen durchschritt Franz von Assisi im Jahr 1209 das Rietital. Auf seinen Spuren führt heute die Pilgerroute „Franziskusweg“ von Florenz über Assisi nach Rom durch die herrlichen Landschaften der Toskana, Umbriens und Latiums. Immer wieder kommt der Pilger an Orte, an denen der Heilige gewirkt hat. Dietrich Vesecky aus Gars am Kamp ist den Abschnitt Florenz nach Assisi ebenfalls zu Fuß gegangen: Auf 261 Kilometern waren rund 11.000 Höhenmeter zu bewältigen.
Dabei hatte es schon bei der Planung Probleme gegeben: „Seit kurzem habe ich Knieprobleme“, schrieb Dietrich Vesecky in sein Pilger-Tagebuch. Doch auf dem Franziskusweg müssen viele Höhenmeter überwunden werden, damit man sich an einer schönen Aussicht erfreuen kann. Nachdem der Arzt schmerzstillende Injektionen verabreicht hatte, konnte es losgehen: „Ich fühlte mich gut vorbereitet und auch meine Knie spielten mit.“
Hier soll Franziskus drei Räuber bekehrt haben.
Der Pilgerweg beginnt mit einer Übernachtung in Florenz und einer Besichtigung der Stadt, dann geht es auf der ersten Etappe durch den Naturpark des Casentino: „Es ist ein ziemlich raues und waldreiches Gebiet mit stattlichen Bergen (höchster Punkt: 1.255 m).“ Beim berühmten Felsenkloster La Verna, einem wichtigen Wallfahrtsort der Franziskaner, wo der Ordensgründer seine Stigmata empfangen hat, wird der Nationalpark verlassen.
Weiter geht es zur historischen Stadt Sansepolcro und danach zum oberhalb an einem Berghang gelegenen Kloster Montecasale. Hier soll Franziskus drei Räuber bekehrt haben. Die Wanderung führt weiter durch Umbrien, das grüne Herz Italiens, und folgt dann mehr oder weniger den Linien des Apennin zur gut erhaltenen mittelalterlichen Stadt Gubbio, wo an die bekannte Legende von Franziskus und dem Wolf erinnert wird. Danach pilgert man auf dem Sentiero Francescano della Pace („Franziskuspfad des Friedens“) nach Assisi, dem Ziel des Pilgerweges. In der schönen mittelalterlichen Stadt Assisi wurde Franziskus 1181 oder 1182 geboren und hier ist er auch in unmittelbarer Nähe am 3. Oktober 1226 44-jährig gestorben.
Die Infrastruktur des Franziskusweges kann mit jener des Jakobsweges nicht mithalten. Manche Wegweiser sind leicht zu übersehen, nicht immer sind die Wege geräumt. „Manchmal sind die Wegweiser ein wenig zu viel und auch öfters verwirrend. Durch mein GPS finde ich dennoch immer wieder den Weg“, notiert Vesecky.
In seinem Pilger-Tagebuch treten einige Höhepunkte hervor, zu denen er folgende Eindrücke festhält:
Die Höhepunkte des Weges
La Verna: Das Kloster La Verna ist ein Höhepunkt des Franziskusweges. Es ist nicht nur ein mystischer Ort, sondern auch ein wichtiger Wallfahrtsort der Franziskaner. Franz von Assisi liebte diesen Ort. Abgeschieden und ruhig, geeignet für das Leben in der Einsamkeit, Meditation und Gebet. Hier soll Franziskus 1224 die Stigmata, die Wundmale Jesu erhalten haben.
Eremo di Montecasale: Über eine alte Steintreppe erreiche ich um 11 Uhr das Kloster. Eremo di Montecasale wurde von den Mönchen von Camaldoli erbaut und im Jahre 1213 Franziskus übergeben. Seit 1531 leben hier Kapuziner – heute sind es drei. Die Einsiedelei ist einer der Mittelpunkte der Spiritualität von Franziskus. Die einfache Einsiedelei liegt auf 700 m Höhe eingebettet im Grün des Apennins, umgeben von Wäldern und kleinen Bächen.
Der heilige Franziskus hielt sich öfters hier auf. Am Eingang zum Kloster werde ich von einem alten Mönch empfangen. Er begrüßt mich und redet auf mich unaufhörlich, aber freundlich ein, natürlich nur auf italienisch und wie in Italien üblich sehr schnell. Ich verstehe fast nichts, nur das eine Wort Chiesa (Kirche). Wahrscheinlich meint er, ich soll die Kirche beziehungsweise das Kloster besichtigen. Ich höre höflich zu, bedanke mich und gehe in die Klosteranlage.
Gubbio: Die mittelalterliche Stadt blieb im Laufe der Jahrhunderte außerordentlich gut erhalten und ist wohl die schönste in dieser Region. Einige Meter nach dem Tor steht die Bronzestatue des Franziskus mit dem Wolf. Eine besondere Attraktion ist die Seilbahn, die zur Basilika SantʼUbaldo hinaufführt: Man fährt in einer Art Vogelkäfig stehend hinauf. „Das Ein- und Aussteigen ist etwas gewöhnungsbedürftig.“ Am Stadttor von Gubbio begann Franziskus seine Fußwanderung nach Assisi. In seinen Fußspuren gelange ich von dort in 10 Minuten zum kleinen Kirchlein Chiesa della Vittorina. An dieser Stelle hat die erste Generation der Minderbrüder mitten im Wald gewohnt.
Einsiedelei: In der Einsiedelei San Pietro in Vigneto lebte 200 Jahre lang jeweils nur ein Mönch in ständiger Abgeschiedenheit.
Assisi: Die Basilika zählt zu den bedeutendsten sakralen Bauwerken Italiens. 1230 war die Unterkirche soweit fertiggestellt, dass der Leichnam des heiligen Franziskus dorthin überführt werden konnte. Die Heimatstadt des Franz von Assisi besitzt viele Kirchen und Klöster. Das Holzkreuz, von dem herab Christus zu Franziskus gesprochen haben soll „Geh, bau meine Kirche wieder auf!“, ist in der Basilika Santa Chiara zu sehen.
San Damiano: Zu Lebzeiten des Franziskus war San Damiano, eine aufgelassene Kapelle, 15 Gehminuten von Assisi entfernt. Franziskus baute sie wieder auf. „In der kleinen Kirche bin ich ganz alleine“, schreibt der Pilger aus Österreich am Ende seines Weges. „Ich setze mich in eine Bank und bedanke mich im Stillen, dass ich von allen bisherigen Pilgerwegen wieder gesund nach Hause kam.“ PH
Autor:Patricia Harant-Schagerl aus Niederösterreich | Kirche bunt |
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