Pater Christian Marte
Als Christ neu starten

Pater Christian Marte SJ ist Jesuit. Er leitet das Jesuitenkolleg in Innsbruck und ist Gefängniskaplan. Vor seinem Ordenseintritt 1999 hat er ein Wirtschaftsstudium absolviert und war stv. Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes.
  • Pater Christian Marte SJ ist Jesuit. Er leitet das Jesuitenkolleg in Innsbruck und ist Gefängniskaplan. Vor seinem Ordenseintritt 1999 hat er ein Wirtschaftsstudium absolviert und war stv. Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes.
  • Foto: Jesuiten/Christian Ender
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In der Fastenzeit geht es darum, zu Gott „umzukehren“. Die 40 Tage von Aschermittwoch bis Gründonnerstag bieten eine Chance, das eigene Christ-Sein neu zu entdecken und zu vertiefen. Wir sprachen mit dem Jesuiten Christian Marte darüber, was es heißt, christlich zu leben, zu denken und zu beten.

Die Fastenzeit ist eine gute Gelegenheit sein Leben zu überdenken und neu auszurichten. Was gehört zu einem christlichen Leben dazu?

Pater Christian Marte SJ: Für ein christliches Leben braucht es, früher oder später, drei „Bestandteile“: Ich möchte die Person Jesu kennen und mit ihm ins Gespräch kommen. So, wie man mit einem Freund spricht. Das ist die schönste Definition von Gebet. Dann braucht es einen Blick auf meine Lebenspraxis: Was würde Jesus dazu sagen? Das ist das, was wir mit Nachfolge Jesu meinen. Und schließlich: Als Christin oder Christ bin ich keine Insel. Ich brauche die Gemeinschaft, und die Gemeinschaft braucht mich: in der Familie, bei der Arbeit, im Verein, im Ort. Da geht es um das, was wir Kirche nennen.
Für ein christliches Leben helfen die kleinen Zeichen, die mich daran erinnern, dass ich nicht alleine unterwegs bin: Mein kleines Kreuz an der Halskette. Der kleine Rosenkranz in der Hosentasche. In der Kirche eine Kerze für jemanden anzünden. Jemandem ein gutes Wort sagen. Und es hilft, bei großen Entscheidungen dem Leben zu trauen, weil Gott es mit uns geht (Alfred Delp SJ). Bei Entscheidungen zu Familie und Partnerschaft; beim Überlegen, ob ich eine geistliche Berufung in einer Ordensgemeinschaft oder in der Diözese leben möchte; am Arbeitsplatz. Es kommt auf mich an, aber es hängt nicht von mir ab – Gottvertrauen!

Christen leben sehr unterschiedlich. Gehört ein einfacher bzw. nachhaltiger Lebensstil zum Christsein unbedingt dazu?

Pater Marte: Die Kirche ist bunt! Wir Christinnen und Christen sind unterschiedlich und wir leben unterschiedlich. Wie langweilig wäre unser Leben, wenn alle gleich wären. Letztlich geht es um das Nachahmen Jesu: Das, was ihm wichtig war, ist auch uns wichtig. Da gehört ein einfacher Lebensstil dazu. Das passt auch in unsere Zeit heute. Darum sind ja Bücher zur Lebensgestaltung so gefragt. Warum ist wohl der Buchtitel „Simplify your life“ so ansprechend? Wir können mit weniger auskommen – und wir brauchen keine Angst haben, etwas zu versäumen.
Wichtig ist, dass wir genießen können. Nur dann sind wir auch für die anderen genießbar. Mein Stichwort dafür ist „Cremeschnitte“. Jeder hat Dinge, die er oder sie gerne mag. Mit Freude etwas genießen, das stärkt unsere Seele – gerade in der Fastenzeit!

Wie könnte ein „Update“ des eigenen Christ-Seins konkret in der Fastenzeit aussehen?

Pater Marte: Ich habe fünf Vorschläge für ein spirituelles Update – zum Ausprobieren:
l In der Fastenzeit jeden Tag fünf Minuten still sitzen. Ohne Handy. Im Zimmer, im Garten, in der Kirche. Alleine. Zuerst nur auf den Atem und den Herzschlag achten. Dann danken für die Menschen um mich herum, für das Essen und die Verdauung – und für den Humor.
l Das Lukas-Evangelium einmal ganz lesen – in Abschnitten über die Fastenzeit verteilt.
l Drei Psalmen lesen, einen eventuell auswendig lernen: Psalm 23, 27 und 146.
l Einen Krankenbesuch machen.
l In einem Konflikt versuchen, einen ersten Schritt zur Versöhnung zu machen.

In welcher Weise erleben Sie persönlich die Fastenzeit als Chance auf einen Neubeginn?

Pater Marte: Ich möchte wieder bewusst zuversichtlich sein. Dazu muss ich mich immer wieder aufraffen. Das Negative und Laute drängt sich immer wieder vor. Das möchte ich mehr als bisher der Barmherzigkeit Gottes anvertrauen – er möge sich darum kümmern.

Was ist der Kern bzw. das Fundament Ihres Glaubens? Was ist Ihnen persönlich als Christ im Leben besonders wichtig?

Pater Marte: „Nehmt Neuland unter den Pflug. Es ist Zeit, den Herrn zu suchen, dann wird er kommen und Gerechtigkeit für euch regnen lassen.“ – Dieser Vers steht beim Propheten Hosea im Alten Testament (Kapitel 10, Vers 12). Ich habe diesen Vers als meinen Primizspruch gewählt.
Für uns Christen ist dies ein großer Trost: Wir dürfen neu anfangen. Wir sind nicht vollständig festgelegt durch unsere Vergangenheit. Im Gefängnis kann ich das den Häftlingen zusagen: Du darfst neu anfangen, auch wenn du etwas angestellt hast. Auch der Tod ist für uns Christen ein Neuanfang zum Leben. Darum übersetze ich das Wort „Auferstehung“ am liebs­ten mit „neu anfangen“. Wir haben viele Auferstehungsmomente in unserem Leben. Wir müssen nur lernen, sie zu sehen.

Autor:

Patricia Harant-Schagerl aus Niederösterreich | Kirche bunt

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