Reportage
Zur Corona-Zeit im Pflegeheim

Die Krankenschwester und Wohnbereichs-Leiterin Sabine Kikinger erzählt aus ihrem Berufsalltag im Pflege- und Betreuungszentrum Tulln.
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  • Die Krankenschwester und Wohnbereichs-Leiterin Sabine Kikinger erzählt aus ihrem Berufsalltag im Pflege- und Betreuungszentrum Tulln.
  • Foto: PBZ Tulln
  • hochgeladen von Patricia Harant-Schagerl

Stimmen sind zu hören. An einem Tisch sitzen einige ältere Frauen und Männer. Die Nachmittagsjause im Gemeinschaftsraum des Wohnbereichs 5 ist ein beliebter Treffpunkt der BewohnerInnen im zweiten Stock des Pflege- und Betreuungszentrums (PBZ) Tulln, die hier einige Zeit verbringen müssen – etwa nach einer Operation. Eine von ihnen ist Frau Maria. Im Sommer hatte die 78-Jährige einen Oberschenkelhalsbruch und musste im Krankenhaus operiert werden. Seit der Operation wird sie hier betreut.

Wieder fit in den Alltag
„Meine Bewohnerinnen und Bewohner sollen bei uns nicht nur medizinisch gut betreut werden, sondern sich auch wohlfühlen“, ist Sabine Kikinger, Leiterin des Wohnbereichs, überzeugt. Eine Ärztin, mehrere Ergotherapeuten und Physiotherapeuten unterstützen bis zu 24 Bewohner bei der Genesung, damit sie bald wieder auf die Beine und zu Kräften kommen.
Die rehabilitative Übergangspflege im Wohnbereich ist aber nicht die einzige Pflegeform in Tulln. Es gibt gleich mehrere – angefangen bei der Tages­pflege, der Langzeitpflege und der Über­gangspflege bis hin zum Hospiz, Schwerstpflege und zur Psychosozialen Betreuung. Mit über 260 Betten ist das PBZ überhaupt das größte seiner Art in Niederösterreich.

Ein Zuhause auf Zeit
„Unsere Bewohner kamen am Anfang nicht gerne zu uns“, weiß Sabine Kikinger. „Weil Pflegeheim in vielen Ohren furchtbar klingt.“ Und das schrecke leider viele ab. Zwischen vier Wochen und drei Monaten verbringen die meis­ten Bewohner im Wohnbereich 5, wovon viele zwischen 70 und 80 Jahre alt sind.
Heute ist Frau Maria bereits wieder flott mit dem Rollator unterwegs. Und bald darf sie auch wieder nach Hause gehen – im wahrsten Sinne des Wortes. „Ältere Menschen brauchen nach einer Operation oder nach einem Eingriff länger als jüngere, um sich zu regenerieren und zu gesunden“, erklärt die erfahrene Krankenschwester Sabine Kikinger.

Beruf und Berufung
„Schon als Kind wollte ich den Pflegeberuf erlernen, obwohl ich damals zu einem Krankenhaus keinen Bezug hatte“, erinnert sich Sabine Kikinger, die in Würmla lebt. Nach ihrer Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin begann sie im Jahr 1994 im Rosenheim zu arbeiten – so hieß das Pflegezentrum in Tulln bis vor wenigen Jahren. Sie liebt ihren Beruf und kann sich keinen anderen vorstellen, sagt die Mutter von zwei Kindern. Dieser sei nicht nur sehr abwechslungsreich, sondern auch eine Berufung. Besonders herausfordernd sei mittlerweile der administrative Aufwand: Vieles müsse heutzutage penibel dokumentiert und geplant werden. Hinzu kommt, dass die Aufgaben im Team immer gut verteilt werden müssen, um Engpässe zu vermeiden.

Kein Abschied für immer
Die Jause geht zu Ende. Die Bewohner verlassen den Gemeinschaftsraum wieder und wandern langsam zurück auf ihre Zimmer. „Wir kennen einige von ihnen schon seit Jahren, da sie wieder zu uns zurückkamen, weil sie Zuhause nicht betreut werden konnten.“ Trotzdem falle ihr und den Bewohnern der Abschied oft schwer, denn sie haben hier oft Freunde gefunden. Manchmal fließen dabei auch Tränen, erzählt Pflegemanagerin Sabine Kikinger. „Ja, aber auch das gehört für mich zum Arbeits­alltag.“ Christopher Erben

Jahr des heiligen Josef: Im „Jahr des heiligen Josef“ haben wir Menschen vor den Vorhang geholt, die während der Coronapandemie unter schwierigen Umständen ihren Dienst verrichten und anderen helfen – verlässlich, verantwortunsbewusst und meist im Hintergrund, wie der heilige Josef. Diese Reportage über eine Mitarbeiterin im Pflege- und Betreuungszentrum Tulln bildet den Abschluss unserer Serie.

Autor:

Kirche bunt Redaktion aus Niederösterreich | Kirche bunt

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