2. Sonntag der Osterzeit - 12. April 2026
Meditation
- hochgeladen von SONNTAGSBLATT Redaktion
Verschlossene Türen
Es ist vorbei. Die Schoko-Osterhasen sind gegessen, die letzten bunten Eier bald verschwunden, und der Alltag hat uns wieder. Noch 350 Tage bis zur nächsten Karwoche.
Vielleicht ging es den Jüngern Jesu ähnlich. Nur zwei Tage nach der Kreuzigung sitzen sie abends zusammen, die Türen verriegelt. Aus Angst vor denen, die ihren Herrn und Freund erst vor rund 48 Stunden ans Kreuz gebracht hatten. Niedergeschlagen, erschöpft von den intensiven Tagen, die hinter ihnen lagen. Vielleicht auch enttäuscht, weil sie das Gefühl hatten, Jesus habe sie im Stich gelassen. Und voller Fragen über alles, was er gesagt hatte. Nichts war so gekommen, wie sie es sich erhofft hatten. Die große Freude, die sie mit Jesus erlebt hatten, war einer schweren Leere gewichen.
Und genau dann erscheint der Auferstandene und erinnert sie daran, dass er lebt. Dass die Geschichte nicht vorbei ist und dass sie nicht den Kopf hängen lassen müssen. Jesus isst mit ihnen, zeigt, dass er ein Mensch aus Fleisch und Blut ist. Er erinnert sie an seine Versprechen, die er jetzt in allem erfüllt hat: dass er leiden, sterben und wieder auferstehen würde, dass ihre Trauer sich in Freude verwandeln sollte und dass der Tod nicht das letzte Wort hat.
Und dann heißt es in Johannes 20: „Da freuten sich die Jünger.“ Jesus war mitten unter ihnen erschienen, hatte ihnen seine durchbohrten Hände und seine Seite gezeigt und ihnen zugesprochen: „Friede sei mit euch.“ Die Angst wich. Die Niedergeschlagenheit löste sich. Die Freude kam zurück, weil Christus da war.
Das Osterfest ist vorbei – aber die Kraft von Ostern nicht. Kein Wunder, dass in der katholischen Kirche die Osterzeit bis Pfingsten geht. Denn der Grund unserer Hoffnung lebt. Und er möchte auch uns in dieser, wie in jeder Zeit besuchen und unsere inneren Türen öffnen. Dann dürfen auch wir unsere Finger in die Male der Nägel legen, unsere Hand in seine Seite, und staunen: dass er lebt und bei uns ist. Jesus kommt durch unsere verschlossenen Türen, verwandelt unsere Furcht in Freude und erinnert uns an seine Versprechen.
Maria Wilbrink
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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