2. Sonntag im Jahreskreis | 19. Jänner 2025
Meditation

Foto: Monikas Wunderwelt auf Pixabay

Streichle ein Rebhuhn

Unter den Tugenden müssen wir jene vorziehen, die den Pflichten unseres Berufes entsprechen … Jeder Beruf verlangt besondere Tugenden; ein Bischof muss andere Tugenden pflegen als ein Fürst, andere der Soldat als die verheiratete Frau, andere eine Witwe. Alle müssen zwar alle Tugenden üben, aber nicht in gleicher Weise; jeder soll sich vielmehr besonders um jene bemühen, die der Lebensweise entsprechen, zu der er berufen ist.

Ohne Hast und Eile. Gewissenhaftigkeit und Sorgfalt, die unsere Arbeit auszeichnen sollen, sind wohl zu unterscheiden von Unruhe, Ängstlichkeit und Übereilung … Sei sorgfältig und gewissenhaft in allen Obliegenheiten. Gott hat sie dir anvertraut und will, dass du große Sorgfalt darauf verwendest. Vermeide aber dabei jede Ängstlichkeit und Aufregung, d. h. verrichte sie ohne Unruhe, ohne ängstliche Besorgnis oder hitzigen Eifer. Verrichte deine Arbeit niemals hastig, denn jede aufgeregte Hast trübt Vernunft und Urteil; damit hindert sie uns, eine Sache gut zu machen.

Erholung. Geist und Körper verlangen von Zeit zu Zeit nach Entspannung durch irgendeine Erholung. Cassian erzählt, ein Jäger habe den heiligen Evangelisten Johannes eines Tages mit einem Rebhuhn auf dem Arm angetroffen, das er streichelte und mit dem er spielte; der Jäger konnte nicht verstehen, wie ein solcher Mann seine Zeit mit so gewöhnlichen Dingen vertun könnte, worauf der Heilige ihn fragte: „Warum trägst du deinen Bogen nicht immer gespannt?“ Der Jäger antwortete: „Wäre der Bogen immer gespannt, dann hätte er nicht mehr die Kraft zurückzuschnellen, wenn man ihn braucht.“ – „Wundere dich also nicht“, erwiderte der Apostel, „wenn auch ich die angestrengte Aufmerksamkeit des Geistes ein wenig vermindere, um mich zu erholen; nachher kann ich mich umso frischer der Betrachtung widmen.“ Es ist gewiss keine gute Eigenschaft, wenn man so hart, ungeschliffen und ungesellig ist, dass man weder sich noch anderen irgendeine Erholung gönnen will.

Aus: Philothea des heiligen Franz von Sales, (III, 1.; III, 10; III 31).

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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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