21. Sonntag im Jahreskreis | 23. August 2026
Meditation - Ganz eingetaucht
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Ganz eingetaucht
Als Ignatius auf dem Leidensweg nach Rom ist, schreibt er in einem nach Rom vorausgeschickten Brief, dass er an zehn Leoparden gefesselt ist, das heißt an eine Abteilung Soldaten, die – so schreibt er – durch erwiesene Wohltaten noch schlimmer werden. Er ist also einer aus der unabsehbaren Schar der Verfolgten und Gefolterten, die die Grausamkeit des Menschen erfahren haben.
Aber mitten in dieser Bedrängnis, die in Rom mit dem gewaltsamen Tod enden wird, schreibt er in einem Brief an die Gemeinde von Ephesus ein Wort, das eine große Ruhe ausstrahlt. Er schreibt: „Besser ist schweigen und sein als reden und nicht sein.“ Wir denken an die vielen Weisheitsworte, die etwas Ähnliches aussagen, bis hin zu den Wandsprüchen von der Art: Reden ist Silber, Schweigen ist Gold.
Aber das Wort von Ignatius reicht in eine andere, viel tiefere Dimension hinein. Für ihn hat alles eine Beziehung zu Christus. Und besonders jetzt, auf dem Weg ins Martyrium, kann er nichts denken ohne Christus. Und so müssen wir das ganze Wort hören, das er schreibt: „Besser ist schweigen und sein als reden und nicht sein. Gut ist das Lehren, wenn man tut, was man sagt. So ist nur einer Lehrer (Christus), der da sprach, und es geschah, und was er schweigend getan hat, ist des Vaters würdig. Wer Jesu Wort wirklich besitzt, kann auch seine Stille vernehmen, auf dass er vollkommen sei, auf dass er durch sein Wort wirke und durch sein Schweigen erkannt werde.“
Ob mit diesem Schweigen bei Ignatius nicht gemeint ist: das tiefe, letzte Verwurzeltsein, Beheimatetsein in Gott? Das vertrauende Sichfallenlassen in das Geheimnis, das Gott ist? „Besser ist schweigen und sein als reden und nicht sein.“ Besser ist, seine Wurzeln in Gott zu haben und von daher die Fruchtbarkeit des Lebens, als wurzellos in Getue zu verfallen und alles ist ohne Bestand!
„Besser ist schweigen und sein als reden und nicht sein ... Wer Jesu Wort wirklich besitzt, kann auch seine Stille vernehmen.“ Wer Jesu Wort wirklich in sein Leben eingelassen hat, der kann auch seine Stille, sein Geheimnis vernehmen: die Tiefe Gottes, aus der er kommt, den Raum der Ewigkeit. Ich denke mir, das Schweigen, von dem Ignatius auf seinem Todesweg schreibt, bedeutet: mit seinem Leben ganz eingetaucht sein in Christus und durch Christus in Gott.Johannes Bours
aus: Nehmt Gottes Melodie in euch auf. Worte für die Seele, Herder, 2026
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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