22. Sonntag im Jahreskreis | 31. August 2025
Kommentar
- hochgeladen von SONNTAGSBLATT Redaktion
Von der Bescheidenheit zur Demut
Bescheidenheit und Höflichkeit sind Tugenden, die von einer guten Kinderstube zeugen. Erlernt haben wir sie in der Regel nach dem Prinzip von Belohnung und Bestrafung. Wer sich bescheiden gibt, wird gelobt und bezieht daraus einen Vorteil, wer sich rüpelhaft oder präpotent verhält, macht sich unbeliebt.
Die Unterweisung Jesu wirkt zunächst ebenfalls wie eine simple, strategisch kluge Anstandsregel: Wer Understatement betreibt und sich selbst ein wenig herabsetzt, wird dafür belohnt und nach oben komplementiert. Es geschieht keineswegs uneigennützig.
Doch Jesus fügt noch ein zweites Beispiel hinzu, das einen anderen Tenor hat: Wir sollen nicht darauf schielen, was wir zurückbekommen und welchen Gewinn wir aus einer Handlung erzielen. Glücklich macht uns viel eher ein Verhalten, das nicht berechnend ist, sondern ohne Hintergedanken das Wohl des anderen im Blick hat.
Es besteht ein kleiner, aber feiner Unterschied zwischen Bescheidenheit und Demut. Demut ist eine spirituelle Haltung, die in jedem Menschen, unabhängig von seinem Ansehen, eine einzigartige Würde erkennt. Während Hochmut ins Unglück führt, lässt Demut das Leben glücken.
Alfred Jokesch
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.