Kirche Steiermark
Abschluss für Großforschungsprojekt zu Frauen & Bibel
- hochgeladen von SONNTAGSBLATT Redaktion
Festakt zum Abschluss von „Die Bibel und die Frauen“ an der Universität Graz
Im Meerscheinschlössl in Graz fand am 10. Juni 2026 der feierliche Abschluss des internationalen Großforschungsprojekts „Die Bibel und die Frauen“ statt. Das an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Graz initiierte und im Kohlhammer Verlag erschienene Werk umfasst 21 Bände mit über 300 Artikeln. Daran haben Wissenschaftler*innen aus mehr als 30 Ländern und in vier Sprachen — Deutsch, Englisch, Italienisch und Spanisch — über zwei Jahrzehnte hinweg mitgewirkt. Durch den Abend führte Mag.ᵃ Christine Rajič (PPH Augustinum).
Begrüßung und Grußworte
Josef Pichler, Professor am Institut für Neutestamentliche Bibelwissenschaft, eröffnete als Organisator die Veranstaltung und unterstrich die zentrale Bedeutung feministischer Theologie für die Bibelwissenschaft. Vizerektor für Forschung Univ.-Prof. Dr. Joachim Reidl überbrachte die Glückwünsche des Rektorats und hob hervor, dass das Projekt nicht nur einen Meilenstein der theologischen Frauen- und Geschlechterforschung darstelle, sondern auch einen unschätzbaren Beitrag zur Erschließung des gesamteuropäischen kulturellen Erbes leiste. Dekanin Univ.-Prof. Dr. Katharina Pyschny würdigte die prägende Rolle von Irmtraud Fischer für die Frauen- und Geschlechterforschung an der Grazer Fakultät. Univ.-Prof. Dr. Martina Bär hob Fischer zudem als herausragendes Vorbild feministischer Forschung hervor und betonte ihre internationale Strahlkraft.
„Wir geben Frauen einen Teil ihrer Geschichte zurück“
Univ.-Prof. DDr. Irmtraud Fischer (Graz) präsentierte das abgeschlossene Werk vor Ort; Univ.-Prof. Dr. Mercedes Navarro-Puerto (Madrid), Univ.-Prof. Dr. Charlotte Methuen (Glasgow) und Univ.-Prof. Dr. Adriana Valerio (Neapel) waren online zugeschaltet. Navarro-Puerto betonte die wissenschaftliche und gesellschaftliche Dringlichkeit des Projekts: Angesichts konservativer Strömungen, die den Einfluss von Frauen in Kirche und Gesellschaft erneut zu beschränken suchten, bringe die Reihe Licht in die eigene Geschichte und stifte Identität für neue Generationen.
Adriana Valerio berichtete über den Abschlusskongress im Dezember 2025 in Neapel. Über 60 Forschende aus zahlreichen Ländern sowie mehr als 200 Teilnehmende machten die Veranstaltung zu einem außergewöhnlichen ökumenischen Ereignis. Kardinal Domenico Battaglia, Erzbischof von Neapel, würdigte das Projekt als Akt der Gerechtigkeit, als schönes und prophetisches Werk — und als Beitrag zu einer Zivilgesellschaft, „die Narrative braucht, um Brücken zu bauen und nicht Barrieren.“ Authentische Interpretation, so der Kardinal, entspringe stets der Begegnung, einem Dialog, „in dem keiner die ganze Wahrheit besitzt und alle aufgefordert sind, gemeinsam nach ihr zu suchen.“ Als konkreten Folgeschritt verfügte er, dass die Projektergebnisse zur pastoralen Leitlinie der Diözese Neapel werden, und gründete das „Zentrum für Studium und Ausbildung Frauen und Theologie“, dessen Leitung Adriana Valerio übernimmt.
„Viel zu groß, viel zu ambitioniert!“
Im zweiten Programmblock schilderten Univ.-Prof. Dr. Michaela Sohn-Kronthaler (Institut für Kirchengeschichte) und Univ.-Prof. Dr. Andrea Taschl-Erber (Privat-Universität Linz) die wissenschaftliche Arbeit hinter dem Projekt. HS-Prof. Dr. Edith Petschnigg veranschaulichte die editorische „Knochenarbeit“ mit dem Bild dreier Steinmetze: Zwei beschreiben ihre Tätigkeit funktional, der dritte hebt den Blick und sagt, er baut an einer Kathedrale. Wer so arbeitet, transzendiert sich selbst. Genau das sei mit „Die Bibel und die Frauen“ gelungen: ein Werk, das Frauen ihre Stimme zurückgibt und damit an einer gerechteren Welt mitwirkt. Dr. Patrick Marko (Institut für Alttestamentliche Bibelwissenschaft) gewährte zudem humorvolle Einblicke in das „Chaos der Projektabrechnung“.
Podiumsdiskussion und Ausklang
Den Abschluss bildete eine höchst lebendige Podiumsdiskussion über die Bedeutung des Projekts für die junge Generation. Br. Sebastian Joel Chávez Cabeza, Marlene Senarclens de Grancy, Andrea Reich und Chiara Schallhammer diskutierten gemeinsam mit Irmtraud Fischer, Mercedes Navarro-Puerto und Michaela Sohn-Kronthaler. Im Anschluss lud die Bürgermeisterin der Stadt Graz zu einem Buffet.
Träger und Unterstützer
Der Festakt wurde veranstaltet von der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Graz, der Katholischen Frauenbewegung und der Koordinationsstelle für Geschlechterstudien und Gleichstellung, unterstützt von der Stadt Graz und dem Stift Admont.
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.