5. Fastensonntag | 21. März 2021
Kommentar

Vitamin B oder Vitamin D?
Ohne „Vitamin B“, ohne Beziehungen, kommt man nicht weit – nicht nur in Österreich. Deshalb werden jene griechischen Pilger, die Jesus kennen lernen wollen, bei Philippus vorstellig und bitten ihn, er möge seine Beziehungen für sie spielen lassen. Sie sind anscheinend – so wie auch heute viele Menschen – spirituell Suchende. Es ist ja durchaus begrüßenswert, dass sie sich für Jesus interessieren. Man möchte meinen, dass man solchen Leuten weit entgegenkommen und möglichst niederschwellige Angebote machen müsste. Das haben wohl auch Philippus und Andreas im Sinn.
Jesus geht jedoch gar nicht auf ihr Anliegen ein. Offenbar spürt er zu wenig Ernsthaftigkeit und Tiefe bei ihrem Interesse. Es genügt nicht, bloß aus Neugier Jesus sehen zu wollen. Stattdessen spricht er vom Weizenkorn, das sterben muss, und vom Geringachten seines Lebens. Für ihn ist es nicht das „Vitamin B“, das einen im Leben voranbringt, sondern das „Vitamin D“, das Dienen, und das „Vitamin H“, die Hingabe.
Vitamine sind lebenswichtig. Ein Mangel an Vitaminen führt dazu, dass man krank wird und die Vitalität abnimmt. Ob ich mich lebendig fühle, hängt aber auch immer mit der Frage zusammen: Wozu lebe ich? Es ist etwas missverständlich, wenn Jesus sagt: Wer sein Leben liebt, verliert es. Es ist ja durchaus wichtig, gern zu leben und Freude daran zu finden. Wer aber selbstverliebt ist und unfähig, sich hinzugeben, verliert an Lebendigkeit. Wer es für sich behalten will, dem zerfließt es zwischen den Fingern. Erst wenn ich es hingebe, wird mein Leben fruchtbar.

Alfred Jokesch

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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