10. Sonntag im Jahreskreis | 07. Juni 2026
Kommentar - Bibel und Leben
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Im Licht der göttlichen Liebe
Ein heller Lichtschein fällt auf Matthäus. So deutet der frühbarocke Maler Caravaggio die Berufungsgeschichte des Zöllners, über die das Evangelium nur wenige Sätze verliert. Sein epochales Gemälde besticht durch eine raffinierte Lichtführung. Jesus selbst steht im Schatten, doch er lenkt mit gebieterischer Geste den Lichtstrahl auf die noble Runde, die ihre Finanzgeschäfte abwickelt.
Auch das Zollregime des Matthäus dürfte von Willkür und Unverhältnismäßigkeit geprägt gewesen sein. Jesus wirft nicht nur Licht auf die dunklen Machenschaften, sondern ermöglicht es dem Zöllner zugleich, sich selbst im Licht der göttlichen Liebe zu sehen. Er lässt ihn spüren und erkennen: Du selbst bist wertvoll und geliebt. Lass dich nicht blenden vom schimmernden Glanz der Münzen!
Die unerwartete Intervention Jesu hat überraschende Folgen. Sie versetzt Matthäus in die Lage, nun über seinen eigenen Schatten zu springen. Die Erfahrung, als ganzer Mensch angesprochen und bedingungslos geliebt zu sein, befähigt ihn, seine Position zu verlassen und – wie es Papst Leo vorschlägt – nicht mehr an einer Kultur der Macht und der Maßlosigkeit, sondern an der „Zivilisation der Liebe“ zu bauen.
Alfred Jokesch
alfred.jokesch@sonntagsblatt.at
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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