Vor den Vorhang
Im Wald
- Wiese, Lichtung, Wald – hier am Pilgerweg nach Mariazell, zwischen Straßegg und Schanz: Auf Menschen wirken Wälder beruhigend und stresslösend. So verlangsamt sich bei einem Waldspaziergang nachweislich der Herzschlag und innere Unruhe weicht dem Gefühl von Entschleunigung.
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Der diözesane Fachbereich Forst bewirtschaftet in der Steiermark rund 6770 Hektar Wald. Fachbereichsleiter Wolfgang Böheim über Wirtschaftlichkeit, Klimaschutz und Schöpfungsverantwortung.
Herr Böheim, Sie leiten den Fachbereich Forst in der Katholischen Kirche Steiermark. Wie sieht Ihre Arbeit aus?
Dipl.-Ing. Wolfgang Böheim: Mit mir arbeiten elf weitere Personen an der Bewirtschaftung der uns anvertrauten kirchlichen Wälder: vier Förster, ein Forstadjunkt, fünf Forstarbeiter und eine Kollegin für Verrechnung. Unsere vier Förster haben die Forstschule Bruck absolviert und leben in unterschiedlichen Regionen der Steiermark. Jeder betreut zwischen 1400 und 2000 Hektar Wald. Einmal pro Monat tauschen wir uns in Graz aus. Unser Forstadjunkt, der ebenfalls Absolvent der Forstschule in Bruck ist, macht gerade seine zweijährige Praxiszeit bei uns. Danach will er die Staatsprüfung für den Försterdienst ablegen. Von den fünf Forstarbeitern hat jeder eine Berufsausbildung wie Zimmerer, Tischler, Schlosser oder Maurer, und einige haben zusätzlich die Forstfacharbeiterprüfung abgelegt. Gemeinsam betreuen wir den Wald der Diözese Graz-Seckau.
Welches Gebiet umfasst dieser Wald?
Böheim: Dazu zählen zum Beispiel Pfründenwälder von Pfarren sowie weitere Waldflächen kirchlicher Rechtsträger – etwa des kirchlichen Vermögensfonds. Mitbetreut werden auch Wälder des Domkapitels oder des Priesterheims. Für mich als Fachbereichsleiter liegt dabei ein Schwerpunkt auf langfristiger strategischer Planung.
Wie kann man Wälder langfristig planen?
Böheim: Etwa durch eine Waldstrategie und einen Waldwirtschaftsplan. Erstere erarbeiten wir gerade im Team, verbunden mit der Erstellung eines Waldwirtschaftsplans. Das ist ein langfristiges Konzept für die nachhaltige Bewirtschaftung eines Waldes, das den aktuellen Zustand der Bestände beschreibt und Pflege und Nutzungsmaßnahmen festlegt.
Werden in einem Wald denn nicht immer dieselben Baumarten gepflanzt?
Böheim: Nein, und damit sind wir beim Thema „Waldstrategie“. Sie bündelt Maßnahmen, um den Wald widerstandsfähig zu machen, seine ökologische Vielfalt zu sichern und eine nachhaltige Nutzung für kommende Generationen zu gewährleisten.
Für unser Ziel, den Wald klimafit zu machen, braucht es Baumartenvielfalt. Je vielfältiger ein Wald aufgebaut ist, desto besser kann er mit Hitze, Trockenheit, Stürmen und Schädlingen umgehen.
Was bedeutet das für Ihre Arbeit?
Böheim: Klimafitte Forstwirtschaft heißt: Wir pflanzen und pflegen den Wald mit dem heutigen Wissen um den Klimawandel. Bedenkt man, dass die 6770 Hektar diözesane Waldfläche über die gesamte Steiermark verteilt ist, erahnt man vielleicht schon, dass das nicht für jede Waldfläche im Gebiet der Steiermark dasselbe heißt.
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Das heißt, der Wald in Radkersburg besteht aus anderen Baumarten als der in Admont?
Böheim: Grundsätzlich ja – und in Zukunft wollen wir noch mehr darauf achten. Denn nicht überall wachsen die gleichen Bäume gleich gut. Zum Beispiel kommt Fichte natürlicherweise erst ab 600 bis 800 Metern Seehöhe vor. Trotzdem wurde sie in der Vergangenheit auch in den diözesanen Wäldern mit niedriger Seehöhe gepflanzt. Warum? Die Fichte zählt zu den am schnellsten wachsenden Baumarten in Österreich und gilt daher seit Jahrzehnten als wirtschaftlich besonders wertvoll. Ihr Holz lässt sich leicht verarbeiten, was sie für die Bauindustrie attraktiv macht. Aus diesem Grund wurde sie in großflächigen Monokulturen angepflanzt.
Wälder klimafit zu machen, ist alternativlos.
Zum damaligen Zeitpunkt war es rein wirtschaftlich betrachtet richtig, viel Fichte zu pflanzen. Das hat so lange funktioniert, bis die fortschreitende Klimaveränderung die bisherigen Bedingungen änderte.
Welches Konzept verfolgen Sie heute?
Böheim: Das von uns entwickelte Bewirtschaftungskonzept ist auf die Waldflächen in den unterschiedlichen steirischen Regionen angepasst. Das heißt: Wir pflanzen verschiedene Baumarten – auch solche, die eine längere Umtriebzeit als die Fichte haben, wie etwa die Eiche. Außerdem sind Mischwälder weniger anfällig für Schädlingsbefall. Das wird am Beispiel Borkenkäfer deutlich. Den Wald klimafit zu machen, ist alternativlos. Der klimafitte Wald der Zukunft entsteht aus meiner Sicht durch vorausschauende, aktive Bewirtschaftung. Wer heute in Baumartenvielfalt, Pflege und Umbau investiert, schafft stabile Wälder, die auch kommenden Generationen als Lebengrundlage dienen.
Die Diözese verkauft pro Jahr ca. 40.000 Festmeter Holz. Was macht sie mit diesem Geld?
Böheim: Ein Teil des Geldes fließt wieder in die Bewirtschaftung der Wälder und wird u. a. genutzt für Aufforstungen, Pflegemaßnahmen bei den Kulturen, Schutz vor Schädlingen, Wegeerhaltung oder Grenzsicherung. Der Großteil des Geldes fließt in die Priester-Besoldung mit ein. Das hat sich historisch entwickelt. Ursprünglich bestritten die Priester ihren Lebensunterhalt aus den Pfarrpfründen, d. h. sie bewirtschafteten die land- und forstwirtschaftlichen Flächen einer Pfarre selbst und lebten von den Erlösen. Um die finanzielle Schieflage zwischen Pfarren mit viel Grundbesitz und anderen, die wenig hatten, auszugleichen, wurde zentralisiert und ein einheitliches Besoldungsschema geschaffen.
Unterscheidet sich der Kirchenwald eigentlich von einem „nicht-kirchlichen“?
Böheim: Als Diözese mit Waldbesitz stehen wir im Spannungsfeld zwischen Wirtschaftlichkeit und nachhaltigem Handeln gemäß der Umwelt-Enzyklika Laudato Si’. Naturschutz wird in den Wäldern der Diözese großgeschrieben. So belassen wir etwa Totholz auf der Waldfläche oder wir setzen Erntemaschinen so ein, dass sie den Waldboden größtmöglich schonen. Neben Naturschutz ist uns auch wichtig, kirchliche Waldflächen den Menschen als Erholungsraum zugänglich zu machen – etwa, indem wir Wege für Wanderer oder Radfahrer bereitstellen. Als Fachbereich Forst bewegen wir uns im Spannungsfeld zwischen Ökonomie und Ökologie. Die Bewahrung der Schöpfung steht dabei im Vordergrund.
Wovon träumt der „Oberförster“ der Diözese?
Böheim (lacht). Von einem Forsthaus im Wald. Nein, Scherz beiseite, von einem besseren Umgang der Menschen mit der Natur. Ein solcher bedeutet nicht Verzicht, sondern Zukunft. Wer Wälder, Böden und Arten schützt, schützt letztlich sich selbst. Der notwendige Wandel beginnt dort, wo wir aufhören, die Natur zu übernutzen und anfangen, sie zu respektieren.
Interview: Anna Maria Steiner
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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