Meditation - Herbert Messner
Heuer ist Karsamstag

Besuch im Grab Christi, Sonntagsblatt-Diözesanwallfahrt Februar 2020.
  • Besuch im Grab Christi, Sonntagsblatt-Diözesanwallfahrt Februar 2020.
  • Foto: Foto: Sandner
  • hochgeladen von Florian Heckel

Gerade in diesem Jahr, wo plötzlich so vieles anders geworden ist, durfte ich im Februar noch mit vier Sonntagsblatt-Pilgergruppen am Schauplatz von Ostern sein. Vor dem Heiligen Grab in Jerusalem mussten wir uns eine Stunde lang in einer Schlange anstellen. Beim Begräbnis Jesu war es ganz anders gewesen. Nur ganz wenige Mutige waren da dabei.

Unser heuriges Ostern wird diesem Orginal mit den wenigen Menschen ähnlicher sein. Ostern ist eigentlich ein Dreitagefest. Karfreitag, Karsamstag und Ostersonntag bilden zusammen die drei heiligen Tage vom Sterben, von der Grabesruhe und von der Auferstehung des Herrn. Den Karfreitag begehen wir mit Fasten, nachmittägiger Gedenkminute und einer besonderen Liturgie. Ostern feiern wir ganz festlich. Der ruhige Karsamstag steht da immer ein bisschen im Hintergrund. Wir nehmen da schon lieber Ostern vorweg, etwa mit den Speisensegnungen.
Für die Jünger und Jüngerinnen Jesu war der Karsamstag ein Tag der Ungewissheit.
Alles schien zusammengebrochen. Nichts war so, wie es bisher war. Viele waren verzweifelt. Viele sperrten sich ein. Der Karsamstag ist die Spanne zwischen Verzweiflung und Hoffnung, zwischen „Alles aus“ und „Es geht weiter“. Der Karsamstag gibt somit gerade in dieser Ausnahmesituation wegen Corona viel von unserem Lebensgefühl wieder.

Der Karsamstag ist Sabbat, der biblische Ruhetag. Am Sabbat sind bei den Juden nach strenger Beachtung ihrer Religion die Geschäfte und Restaurants geschlossen, der öffentliche Verkehr steht still, die israelische Fluglinie hebt nicht ab, nur gewisse Wegstrecken dürfen zurückgelegt werden. Haben wir nicht jetzt einen Dauer-Sabbat? Dieser Dauer-Sabbat bedroht wirklich viele Existenzen. Ein wöchentlicher Ruhetag am Samstag oder Sonntag hingegen, von vielen auch bekämpft, wäre ein Zeichen, dass unsere Welt eben nicht etwas total Machbares ist, das immer funktionieren muss. Es ist traurig, wenn uns das erst eine gefährliche Krankheit bewusst machen muss, weil wir es sonst nicht ernst nehmen.

Heuer erleben wir Ostern in mehrfacher Hinsicht aus der Perspektive des Karsamstags. Aber der Auferstandene, so erzählen uns die Ostergeschichten, verrückt die Steine, die unverrückbar scheinen. Und er geht durch verschlossene Türen. Er begegnet uns auch, wenn wir uns zurückziehen müssen. Auch ein Dauer-Karsamstag mit unklarem Ablaufdatum findet sein Ende in einem Ostern, dem Sieg des Lebens über den Tod. Grüßen wir einander heuer zu Ostern so wie unsere orthodoxen Schwestern und Brüder: „Christus ist auferstanden!“ – „Er ist wahrhaft auferstanden!“
Herbert Messner

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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