Serie zur Sozialenzyklika | Teil 08
Neue Begegnungen

Friede bleibt immer auf dem Weg, stellt Papst Franziskus in seiner Enzyklika fest.
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Im siebten Kapitel der Enzyklika von Papst Franziskus geht es um Wege zum Frieden.

Schon beim Propheten Jeremia heißt es: „…sie schreien: Frieden, Frieden, aber es gibt keinen Frieden!“ Mit einem oberflächlichen Beschwören des Friedens allein kann der Friede nicht erreicht werden. Friede bleibt ständige konkrete Aufgabe, wie Papst Franziskus betont. Es gibt „keinen Schlusspunkt beim Aufbau des gesellschaftlichen Friedens“ (232), sondern man muss immer Friedenswege beschreiten, Schritte zu einer neuen Begegnung setzen. Viele der heute eingeschlagenen Wege führen an einer Begegnung vorbei, weil sie nur politischem Kalkül entspringen, nicht aber Suche nach der Wahrheit bedeuten, in der allein Friede gefunden werden kann. Diese Begegnungen können kein einfaches Zurück zur Zeit vor den Konflikten bedeuten, sondern stellen sich auch den konfliktreichen Entwicklungen, die ge-laufen sind und laufen, und versuchen diese aufzuarbeiten. Es verbieten sich also Illusionen, die glauben machen wollen, ohne schmerzliche Behandlung der gegebenen Konflikte auskommen zu können. Friedenswege bauen nicht auf Vergessen, sondern auf eine Kultur, die das Vergangene erinnert, es aber nicht bestimmend für das Handeln jetzt macht. Nicht Rache darf das Ziel des Handelns sein, sondern eine Begegnung auf der Basis der Wahrheit, die die eigene Position vertritt und die des anderen gelten lässt.

Friede bleibt auf dem Weg
Eine besondere Bedeutung misst der Papst in diesem Prozess Verhandlungen bei. Auf diesem Hintergrund erweisen sich auch in der Kirche lange Zeit geltende Anschauungen wie die eines gerechten Krieges als brüchig, weil sie mit Gewalt rechnen und nicht davon ausgehen, dass diese überwunden werden kann. „Jeder Krieg hinterlässt die Welt schlechter, als er sie vorgefunden hat.“ (261) Auch die Todesstrafe sieht der Papst nicht als Lösung, weil sie zum Schutz des Lebens eben erst wieder gegen Leben vorgeht.

Einheit, um Konflikte lösen zu können
Die verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen stehen in dynamischen Beziehungen, die des dauernden Austarierens, Aufeinander-Eingehens und einer Haltung der sozialen Freundschaft bedürfen. Dabei müssen die Ärmsten einen besonderen Schwerpunkt des Handelns bilden.
Wie mit den Geringsten umgegangen wird, das stellt ein Kriterium für dauerhaften Frieden dar. „Die Einheit steht über dem Konflikt!“ (245) Dieses Prinzip will der Papst zur Geltung bringen. Damit es aber Wirklichkeit werden kann, wird es vieler – auch mühsamer – Schritte zur Begegnung bedürfen, die getragen sind vom Bemühen, auch die Position des anderen zu achten.

Auf dem Grazer Burgtor hatte vor vielen Jahren ein Sprayer seiner Überzeugung Ausdruck verliehen: „Alles ist relativ, Frieden ist absolut!“ Um dem Frieden als Abwesenheit von Krieg und Gewalt, aber auch der Verwirklichung der Menschenrechte näherzukommen, müssen wir Wege zu einer neuen Begegnung beschreiten. Der Friede wird dadurch relational, in Verbindung gesetzt mit den Schritten der Menschen und Völker in universaler Geschwisterlichkeit. Dadurch kann eine Utopie ansatzweise Platz greifen.


Aus der Enzyklika Zitiert

231
Es gibt eine „Architektur“ des Friedens, zu der die verschiedenen Institutionen der Gesellschaft je nach eigener Kompetenz beitragen; doch es gibt auch ein „Handwerk“ des Friedens, das uns alle einbezieht.

234
Die Geringsten der Gesellschaft wurden oft durch ungerechte Verallgemeinerungen verletzt. Manchmal reagieren die Ärmsten und Ausgestoßenen mit antisozial erscheinenden Haltungen. Wir müssen begreifen, dass diese Reaktionen häufig mit einer Geschichte von Verachtung und fehlender sozialer Eingliederung zusammenhängen.

241.
Es geht nicht darum, auf unsere eigenen Rechte zu verzichten und Vergebung für einen korrupten Machtinhaber, einen Kriminellen oder jemanden, der unsere Würde herabsetzt, vorzuschlagen. Wir sind gerufen, ausnahmslos alle zu lieben, aber einen Unterdrücker zu lieben bedeutet nicht, zuzulassen, dass er es weiter bleibt; es bedeutet auch nicht, ihn im Glauben zu belassen, dass sein Handeln hinnehmbar sei. Ihn in rechter Weise zu lieben bedeutet hingegen, auf verschiedene Weise zu versuchen, dass er davon ablässt zu unterdrücken; ihm jene Macht zu nehmen, die er nicht zu nutzen weiß und die ihn als Mensch entstellt.

250.
Vergebung beinhaltet nicht das Vergessen… Auch wenn es Dinge gibt, die niemals toleriert, gerechtfertigt oder entschuldigt werden sollten, können wir dennoch verzeihen.

Der Grazer Sozialethiker Dr. Leopold Neuhold analysiert für das Sonntagsblatt die Grundlinien der soeben erschienenen Sozialenzyklika von Papst Franziskus.

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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