Beten mit Israel | Teil 08
Lob dem Gott der Befreiung

Mirjam. Wenn aus der Freude über die Freiheit ein Gebet wird und aus dem Gebet ein Tanz.
  • Mirjam. Wenn aus der Freude über die Freiheit ein Gebet wird und aus dem Gebet ein Tanz.
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Das gemeinsame Gebet gehört zur Volkwerdung Israels

Wann beginnt „Israel“ als eigene Gemeinschaft? In der Genesis ist von Abraham, von Jakob/Israel und seinen Kindern die Rede, doch noch nicht vom Volk.
Erst mit der Befreiung am Schilfmeer (Ex 14) erlangt Israel seine Selbstständigkeit. Diese neue Freiheit bringt gleich darauf das erste gemeinschaftliche Gebet hervor.

Das Schilfmeerlied

Wer aus Unterdrückung und sogar Todesgefahr wie in Ex 14 befreit wird, kann solche Rettung nicht reaktionslos übergehen. Israels Beten im darauf folgenden Kapitel 15 ist die angemessene Antwort auf geschenkte Befreiung. Dabei bleibt es nicht beim Sprechen, sondern steigert sich zum Lied (vv1–21), Ausdruck einer völlig neuen Lebensqualität, ohne die alten Belastungen.

Rückblick. Die erste Hälfte des Gebetes (bis v10) nimmt das vergangene Geschehen auf. Dabei kommt auch die tödliche Bedrohung durch Ägypten zur Sprache. Gott hat Israel durch seinen kraftvollen Einsatz errettet.

Zentrum. Die Mitte des Schilfmeerliedes bildet v11 mit der doppelten Frage „Wer ist wie du…?“ nach Jhwhs Unvergleichlichkeit, die angesichts des Erlebten auch als staunender Ausruf zu verstehen ist. Keine andere Gottheit kann bezüglich Erhabenheit, Hochachtung und Wundertaten mit dem biblischen Gott konkurrieren. Beten ist getragen von dieser Erfahrung und ist der immer neue Versuch, ihr Ausdruck zu verleihen.

Ausblick. Israels Beten beschränkt sich nicht auf das Vergangene. Der zweite Teil (v1. 2–18) richtet sich auf die Zukunft, den weiteren Weg des Volkes bis zur Ankunft im Land und der Errichtung des Heiligtums (auf dem Berg Zion, in Jerusalem), wo Gott dauerhaft seine Königsherrschaft ausübt. Wie Gott alle Zeiten umfasst, so umfangen Gebete sowohl dankendes Antworten als auch hoffnungsvolle Zuversicht bezüglich alles Ausstehenden.

Echo. Israels Loben vereint das ganze Volk. In zwei Durchgängen beten Männer (v1) und Frauen (v20f) zusammen, in einer Art Doppelchor, wobei die Wiederholung deutlich stärker wird: Es kommen Musikinstrumente dazu, Bewegung bis hin zum Tanzen („ausziehen“, dasselbe Verb wie beim Verlassen Ägyptens v20), die das anfängliche Singen der Männer wie ein vielfaches Echo verstärken.

Fortwirkung. Israels Lied am Schilfmeer ist wie ein Modell, das ausstrahlt. Einzelne Formulierungen werden später aufgenommen, wie etwa „Meine Stärk’ und Lied ist Jah…“ (in Jes 12, 2; Ps 118,14). Die Form des ‚Siegestanzliedes‘ begegnet wieder zum Beispiel in Richter 5, bei Debora und Barak, oder in 1 Sam 18,6–7. Das erste gemeinsame Beten und Singen des Volkes löst also etwas aus, das weitergeht – es inspiriert zu Nachahmung, Aufnahme im wiederholten Bedenken, dankbarer Besinnung auf eigene Fundamente.

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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