Benedikt heute | Teil 01
Lebendig und voller Feuer

Benedikt und Scholastika: Sie stehen auf demselben Teppich (des Glaubens) und sitzen als Geschwister auf derselben Bank; Handhaltung und Gesicht zeigen jedoch den Unterschied, den „regeltreuen Mann“ und die inspirierte, lebendige Schwester.
  • Benedikt und Scholastika: Sie stehen auf demselben Teppich (des Glaubens) und sitzen als Geschwister auf derselben Bank; Handhaltung und Gesicht zeigen jedoch den Unterschied, den „regeltreuen Mann“ und die inspirierte, lebendige Schwester.
  • Foto: Karl Stadler, Kloster Engelberg
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Benediktinische Impulse für das Leben heute:
Im Leben des hl. Benedikt gab es auch beeindruckende Frauen!

Angewidert von der Stadt Rom, wo er um 490 seinen Studien oblag, zog sich Benedikt in die Einsamkeit zurück. Zusammen mit der Amme. Das überrascht. Dass sie mitgeht, wird kaum seine eigene Idee gewesen sein. Denn diese Dame soll ihn stark bemuttert haben, wie der Biograph Gregor bemerkt, der viele Jahrzehnte nach dem Tod Benedikts eine Lebensbeschreibung des Heiligen verfasst hat.

Eines Tages habe die Amme untröstlich geweint, da sie ein ausgeliehenes Sieb kaputt gemacht hatte. Benedikt reparierte das Sieb auf wunderbare Weise. Heilung von Brüchen verschiedenster Art werden typisch sein für sein Leben. Aber auch Trennungen, wo sie nötig sind, z. B. Abstand nehmen von dem, was einen an der persönlichen Entwicklung hindert. Deshalb verließ Benedikt heimlich seine Amme und floh in die Einsamkeit.

Das Feuer umwandeln. Dort lebte er als Eremit. Wie es so ist, wenn man allein lebt: Alles Mögliche stieg aus seinem Inneren hoch. So auch der Gedanke an eine schöne Frau aus seiner Studienzeit. Er brannte förmlich nach ihr, schreibt Gregor, und war nahe daran, die Einsamkeit zu verlassen. Da traf ihn „der Blick der Gnade“, und er kam wieder zu sich. Er warf sich in ein Dornengestrüpp, das ihn zwar qualvoll brannte, aber gleichzeitig auch „das Feuer umwandelte“, wie Gregor vermerkt. Es ging da also nicht um ein Auslöschen des Feuers, sondern darum, es in ein größeres Feuer einfließen zu lassen. Für Benedikt selber mögen im Moment die Dornen das Richtige gewesen sein. In seiner Regel sieht er es anders: „Aus dem Herzen aufsteigende Anfechtungen und böse Gedanken vor Christus hintragen.“ Das Feuer also nicht vernichten, sondern in ein größeres Feuer einfließen lassen. Und Gregor meint: „Wer gelernt hat, Anfechtung zu bestehen, der kann andere den Weg zu Gott lehren.“ Seiner Meinung nach sind also nicht die Frommen und Geradlinigen die besten Berater und Therapeuten, sondern jene, die selber in die Niederungen des Menschseins hinabgestiegen sind. Denn solche Erprobte verurteilen andere nicht, da sie aus eigener Erfahrung wissen, was im Menschen drin ist und wie schwer es sein kann, von gewissen Dingen loszukommen.

Weil sie mehr Liebe hatte. Noch eine letzte Episode mit einer Frau im Leben des Heiligen: Er traf jedes Jahr seine Schwester Scholastika zu einem Gespräch außerhalb des von ihm gegründeten Klosters. Sie selber hätte an jenem Abend gerne bis in die Nacht hinein mit ihrem Bruder geredet – über Gott und die Welt im wahrsten Sinn –, aber für ihn galt die fixe Regel: Keine Übernachtung auswärts, fertig! Da kann nur Gott helfen, dachte sie und betete so inständig, dass ein Wolkenbruch kam und Benedikt nicht in sein Kloster zurückkehren konnte. Spitzbübisch und nicht ohne einen kleinen Seitenhieb bemerkt Biograph Gregor: „Es verwundert nicht, dass sie als Frau in diesem Augenblick mehr vermochte als der Mann. Sie vermochte mehr, weil sie mehr Liebe hatte.“ Für Gregor kein Zweifel, auf welcher Seite der beiden Gott steht.

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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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