Kraft fürs Leben | Teil 01
Kraft fürs Leben ... im Einklang mit der Natur

Aus dem Boden gewachsen ist dieser Fels – vor langer Zeit aus dem Meeresboden. Walter Tockner legte seine Holzkugel dazu.
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  • Aus dem Boden gewachsen ist dieser Fels – vor langer Zeit aus dem Meeresboden. Walter Tockner legte seine Holzkugel dazu.
  • Foto: W. Tockner
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Zeit lassen, hinschauen

Wald, Wasser, Sonnenlicht begeistern und inspirieren Walter Tockner – auch zu fotografischen Werken und Holzskulpturen.

Wie begegnet Ihnen die Natur dort, wo Sie leben? Und wie begegnen Sie ihr?

Ich lebe in einem Dorf auf der Südseite des Sölkpasses auf 1070 Meter Seehöhe. Das Leben in dieser Gegend ist ein Leben in und mit der Natur. Schon wenn ich in der Früh am Fenster das Wetter beobachte, sehe ich Felder, Wiesen, Wälder. Sie sind die Grundlage für unser aller Leben. Wenn es ihnen gut geht, ist das auch für uns Menschen gut.

Sie sind gern zu Fuß im Wald und in den Bergen unterwegs, was erleben Sie dabei?

Wenn ich allein unterwegs bin, ist das Gehen für mich wie ein Eintauchen in die kleine und die große Welt der Natur: einerseits die weite Landschaft, andererseits die kleinen Formen und Schätze, die man entdeckt, wenn man aus der Nähe genau hinschaut, etwa Muster der Baumrinden oder geometrische Strukturen in einer Blüte. Meine Alleingänge führen mich oft in völlig unberührte Wildnis, wo normalerweise niemand hinkommt. Meine einzigen Begleiter sind das Fernglas und meine Kamera.

Bäume haben für mich eine besondere Symbolkraft: mit ihrer Standhaftigkeit und ihrem Lebenswillen.
Walter Tockner

Wenn man Freude am Fotografieren hat, sind solche Wege sicher eine reiche Quelle.

Ja, allein die lichtdurchfluteten Wälder, wie die Schatten die Konturen zeichnen oder die Nebel das Bild der Landschaft reduzieren. Ich bin aber nicht in erster Linie auf Motivsuche, ich möchte einfach das Schöne sehen.

Und die Natur ist ja nicht immer lieblich fotogen, oft eher heftig. Wie sehen Sie das?

Sie ist immer sensibel und verletzlich, auch dort, wo sie rau erscheint. Deshalb bewege ich mich in der Natur immer so, dass ich sie möglichst nicht verletze oder verschmutze.

Welche Plätze mögen Sie am liebsten?

Große Freude bereiten mir Wanderungen zu Seen, Bächen und Wasserfällen: die Bäche entlang gehen, der Musik des Wassers lauschen … Die Spiegelungen der fließenden Gewässer und der ruhigen Seen inspirieren mich. Und in einfachen Holzstücken sehe ich oft schon die Figur, die ich daraus in meiner Werkstatt gestalten kann.
Besonders schön finde ich die Natur dort, wo sie noch unberührt ist. Das Licht der Sonne im Tageslauf und die Jahreszeiten verändern die Landschaft unentwegt: so viele verschiedene Formen, Farben, sich wandelnde Vegetation. Das macht mich dankbar und erfüllt mich mit großer Ehrfurcht und Achtsamkeit!

Es entsteht ein Gefühl der Liebe zur ganzen Schöpfung. Ich sehe, dass im Kleinen sich das ganz Große widerspiegelt. Das Universum ist vom Geist Gottes durchflutet, und noch immer wirkt das Schöpfungswort vom Anfang. Wenn man in der Natur unterwegs ist, verschwindet das Ich – das empfinde ich wirklich so –; es zählt nicht, was ich bin, sondern was mich trägt und lehrt. Was es mich lehrt? Zum Beispiel sehen wir an Pflanzen-Lebensgemeinschaften, dass unterschiedliche Lebewesen im Gleichgewicht miteinander leben können, ohne einander zu verdrängen.

Was können Sie Menschen raten, die der Natur näherkommen wollen?

Zeit lassen! Mit Langsamkeit an die Natur herangehen, nicht einfach durchlaufen. Hinschauen, dann kann man etwas entdecken. Wenn man sich geduldig darauf einlässt, kriegt man Abstand zu anderen Dingen – einfach weil die Natur uns direkt anspricht. In solchen Momenten kann ich nicht gleichzeitig an etwas anderes denken – es ist wie Meditation. Das ist halt meine Erfahrung. Also: Zeit lassen.

www.waltertockner.at

Das Gespräch führte Elisabeth Wimmer

TUN & KENNEN LERNEN

Lieber Wald …
… lass uns herein, wir möchten deine Gäste sein.“ Mit solchen Begrüßungssprüchen klopfen Kindergruppen bei Ausflügen am Eingang „ihres“ Waldes höflich an. Sie zeigen damit, wie’s geht: Wälder, Berge und Flusslandschaften sind Lebensräume, die nicht uns Menschen gehören. Wir kommen als Besucher/innen zu ihnen und achten respektvoll ihren Lebensraum.

Waldbaden
Der neue Trend aus Japan gründet auf altem Wissen, das auch hierzulande vertraut ist: Der Wald tut uns Menschen gut.
Das Grün, die frische, harzige Waldluft, das Nadelbaumaroma, der Gesang der Vögel, die Ausstrahlung alter Bäume – all das schafft eine wohltuende Atmosphäre. Der Wald hilft beim Entspannen, wirkt etwa positiv auf Herz und Lunge, Kreislauf und Immunsystem. Das kann man (bio-)chemisch untersuchen. Vor allem kann man es unkompliziert entdecken, erspüren, erleben. Es geht um Achtsamkeit.

Erleben und üben

  • Am Eingang zum Wald halt inne.
    Freu dich, dass du willkommen bist. Du trittst in einen Raum ein. – Lass dir Zeit.
  • Geh langsam, setz deine Schritte bewusst. Spür die unterschiedliche Bodenbeschaffenheit, festen Weg, weiches Moos, feuchte, erdige Stellen, trockene Zweige … Wenn du möchtest, zieh Schuhe und Socken aus. – Lass dir Zeit.
  • Such dir einen kräftigen Baum. Betrachte ihn aus der Ferne. Dann komm langsam näher. – Lass dir Zeit.
  • Stell dich neben „deinen“ Baum. Er ist ein Geschöpf wie du. Du wurzelst in alter Erde wie er. Ihr beide wachst dem Himmel entgegen. – Lass dir Zeit.
  • Mach nichts kaputt. Hinterlass keine Spuren. Nimm aus dem Wald nur mit, was du wirklich brauchst. – Lass dir Zeit.
  • Bevor du den Wald verlässt, bleib am Ausgang stehen. Schau noch einmal zurück. Schau auf den Boden. Schau nach oben. Sag danke. Du verlässt einen Raum. – Geh und lass dir Zeit. 

LINKS & TIPPS

Fast vergessene Geschichten aus dem Wald.
Vom Leben der Tiere im Wechsel der Jahreszeiten, von Emily Hibbs.
Für Menschen ab 4 Jahren. 360°-Verlag 2020.

Waldbaden in der Steiermark:

https://steiermag.at/2020/09/23/top-5-waldbaden-in-der-steiermark/

Kerngesund. Mit der Kraft des Waldes.
Von Maximilian Moser, Servus Verlag 2020.

So gesund ist der Klang der Natur:

https://science.orf.at/stories/3205502

Aus dem Erfahrungsschatz der Kirche

„Lernt das Wasser
richtig kennen,
und es wird euch stets
ein verlässlicher Freund sein."

Sebastian Kneipp (1821–1897), katholischer Priester und Naturheilkundler, der dem Wasser in der
Heilkunst große Bedeutung beimaß.

„Denn die Schöpfung
weist hin auf den
einen Schöpfer,
das Werk verlangt einen
Meister, und die Weltordnung offenbart den Ordner.“

Irenäus von Lyon († um 200),
Bischof und Kirchenlehrer, in seiner Schrift „Gegen die Häresien“, II, 9.1

Dem Bruder, der den Garten pflegte, sagte er, er solle nicht nur essbare Kräuter anpflanzen, sondern einen Teil der Erde freilassen, damit sie blühende Kräuter hervorbringe,
die zu ihrer Zeit die Schwestern Blumen hervorbringen.

Über den heiligen Franz von Assisi (1181/82–1226)
in der Legenda Perusina, einer Sammlung früher Quellen zu Leben und Werk des Heiligen: LegPer 88.

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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