Not ist grenzenlos | Teil 04
Gezielte Hilfe für Frauen in Not

Slowakei

Ein Drittel der Bevölkerung der Slowakei leidet unter materieller Not. Vor allem Alleinerziehende, Roma, Menschen mit Behinderung, ältere Menschen und Familien mit mehr als drei Kindern sind von Armut betroffen. Arm per Definition sind jene Slowaken, deren Monatseinkommen geringer als 283 Euro ist. Zum Vergleich: 2009 betrug der Durchschnittslohn in der Slowakei 744,50 Euro - das Einkommen einer Sozialhilfeempfängerin jedoch nur 62 Euro bzw. für eine Frau mit einem Kind unter drei Jahren 164 Euro pro Monat. Allein erziehende oder geschiedene Frauen erhalten häufig vom Kindesvater keinen Unterhalt für ihre Kinder, gerichtliche Klagen sind oft aussichtslos. Das ist mit ein Grund, warum Frauen in der Slowakei noch stärker von Armut bedroht sind als Männer.[/p]

Eine solche Frau ist Katerina, eine allein erziehende Mutter von fünf Kindern. Vom Vater ihres ersten Kindes wurde sie verlassen. Dennoch schaffte sie es, neben einem kleinen Kind ihr Studium zu beenden. Sie arbeitete drei Jahre als Maschinistin in einer Textilfabrik, als sie wieder schwanger wurde. Die Beziehung mit ihrem neuen Partner hielt nur ein Jahr, da dieser gewalttätig wurde. Nach der Karenz kehrte Katerina für weitere fünf Jahre an ihre Arbeitsstelle zurück. Sie wagte einen Neuanfang zusammen mit einem Mann, den sie bei der Arbeit kennen gelernt hatte. Sie bekamen drei gemeinsame Kinder. Ihr Mann begann immer mehr zu trinken und sich Geld von privaten Geldverleihern auszuborgen - schließlich war die Familie gezwungen, die Wohnung zu verkaufen. Katerina und ihre Familie zogen in eine Mietwohnung. Sie hatten aber nicht genug Geld für die steigende Miete und wandten sich an die Caritas.

Im Frauenhaus der Caritas in Koˇsice fanden sie Unterschlupf. Das Haus heißt übersetzt "Krisenzentrum - Einrichtung fürs Notwohnen". Die Aufenthaltszeit dort beträgt maximal drei Jahre. Im Moment ist das Haus mit 19 Müttern und ihren 51 Kindern sowie 17 ehemals obdachlosen Frauen voll ausgelastet. Die meisten Klientinnen suchen das Frauenhaus aufgrund von psychischen und familiären Problemen auf. Der Tagesablauf im Heim ist geregelt. Als erstes erledigen die Bewohnerinnen den Haushalt, danach ist die Teilnahme an verschiedenen Therapien vorgesehen. Wer keine Arbeit hat, arbeitet dreimal wöchentlich für vier Stunden in der hauseigenen Werkstatt. Dort können die Frauen schneidern, weben, töpfern und Schmuck gestalten. Außerdem bietet der Psychotherapeut Musik- und Dramatherapie an und schult die Frauen in Entspannungstechniken.

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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