Bildung schafft Zukunft | Teil 1
Eine mutige Entscheidung
- Die Hauswirtschaftsschule im Oberkärntner Döllach: Bildung für Mädchen und junge Frauen in einem strukturschwachen Gebiet – ermöglicht durch einen traditionellen Frauenorden. Im Bild: die Grazer Schulschwester Gerlinde (rechts) mit Schülerinnen nach der Feldarbeit.
- Foto: Lanzinger: Schober, S. 153. Illustration: iStock/ilyaliren
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Serie zum Weltmädchentag (11. OKt.)
Vor 110 Jahren retteten Grazer Ordensfrauen eine Mädchenschule.
Ein Koffer, gerade einmal so groß, dass eine zierliche Person ihn tragen kann: Er war das einzige Gepäckstück von Christine Suntinger, als sie den Weg nach Döllach antrat. Sechs Monate lang sollte die damals 18-Jährige die Haushaltungsschule dort besuchen und lernen, was spätere Hausfrauen und Mütter nach damaligem Verständnis wissen mussten.
Frauen für Frauen. Dass junge Frauen am Land nach ihrer Pflichtschulzeit weiter zur Schule gingen, war in den 1960ern nicht selbstverständlich. Im Kärntner Großglockner-Gebiet war es der Weitsicht von Maria Schober (1707–1774) zu verdanken, dass Mädchen auch nach acht Jahren Unterricht weiter Schulbildung erhalten konnten. Mit der Stiftung des Klostergebäudes legte die unverheiratet Gebliebene den Grundstein der ersten Mädchenschule im Gebiet des heutigen Nationalparks Hohe Tauern. 1891 ließ sich ihr „Jungfrauen-Verein“ in den dritten Orden des hl. Franciscus aufnehmen und wurde dem Mutterhaus in Kaltern (heutiges Südtirol) zugeordnet. Bis 1915 hatten die Kalterer Schwestern die Lehrtätigkeit in Döllach inne, danach liefen Kloster und Mädchenschule Gefahr, für immer geschlossen zu werden.
„Die Zeit drängt.“ Entschlossen, die Schule zu erhalten, wandte sich die Kärntner Diözese Gurk mit einer Anfrage um Übernahme des Klosters als Filiale an die Grazer Schulschwestern. Seit ihrer Gründung im Jahr 1843 war die Mädchenerziehung eine der Kernaufgaben des Ordens der Franziskanerinnen von der Unbefleckten Empfängnis. Für sie war die Entscheidung, den für die strukturschwache Region wichtigen Schulstandort in Kärnten zu übernehmen, nicht einfach – lag doch das Döllacher „Klösterle“ weitab von ihrem herkömmlichen Aufgabengebiet. Zugleich drängte die Zeit, denn die Schülerinnen in der 1300 Meter hoch gelegenen Gemeinde hatten nach dem Rückzug der Kalterer Schwestern bereits seit Monaten keinen Unterricht mehr erhalten.
Arbeiten „wie ein Mann“. Nach einem Lokalaugenschein gaben die Grazer Schulschwestern Ende 1915 dem Ordinariat in Klagenfurt grünes Licht und wählten vier ihrer Ordensfrauen für den Dienst in Döllach aus. Die Arbeit auf den Steilhängen der Klosterwirtschaft, die Mühsal um den wenig ertragreichen Boden und die Versorgung der Nutztiere im Stall und auf der Alm bedurften Kraftanstrengung und Geduld. Wie ihre Schülerinnen, so arbeiteten auch die Klosterfrauen, laut Chronik der Grazer Schulschwestern, „so hart wie Männer“.
Ihr Durchhaltevermögen kam Christine Suntinger ebenso zugute wie Generationen nachfolgender Mädchen und junger Frauen. Beim Kochen, im Garten und auf dem Feld habe sie viel gelernt, erzählt die heute 86-Jährige. Nur beim Nähen, da sei es umgekehrt gewesen, so die einstige Schülerin. Da hätten die freundlichen Grazer Schulschwestern die junge Schneiderin aus dem Mölltal nämlich um Rat gefragt.
Anna Maria Steiner
Klöster & Schulen
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Seit dem 8. Jh. zählen Klosterschulen zu den wichtigsten Bildungsstätten in Europa. Als älteste Ordensschule in Österreich gilt das im 12. Jh. gegründete Gymnasium im Stift Melk. Die Private Fachschule für wirtschaftliche Berufe im Kloster in Döllach (Bild) bestand fast 250 Jahre – von 1760 bis 2009.
Für die Grazer Schulschwestern war die Entscheidung, das ‚Klösterle in Döllach‘ zu übernehmen, nicht leicht, weil es weitab vom Hauptaufgabengebiet lag.
Rosa Maria Lanzinger
Maria Schober
und die Geschichte des Klosters Döllach.
Klagenfurt/Celovec u. a.: Hermagoras Verlag 2025, ISBN: 978-3-7086-0918-8, 32 EUR.
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Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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