Serie zur Sozialenzyklika | Teil 05
Ein offenes Herz für die Welt

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Im vierten Kapitel der Enzyklika erinnert Papst Franziskus daran, dass Liebe Offenheit bedeutet.

Der Papst wagt eine klassische Utopie: In seiner Enzyklika „Fratelli tutti“ entwirft er eine bessere Welt. Aber ist die machbar? So wird in der deutschen Wochenzeitung „Die Zeit“ ein Beitrag zur Enzyklika unter dem Titel „Neue Weltordnung“ eingeleitet. Angesichts von Schreckensbildern einer an ihr Ende gekommenen Welt, die heute im Vordergrund stehen, ist es gut, einmal positive Gegenbilder zu haben. Aber ist utopische Hoffnung berechtigt? Auf Hilfe von oben brauchen wir, wenn es nach der Meinung mancher Zeitgenossen geht, dabei nicht rechnen. In der gleichen Nummer von „Die Zeit“ ist in einem Artikel des bekannten Philosophen Peter Sloterdijk von der „Zumutung der so schmerzlichen wie befreienden Umstellung von einem Füllehimmel zu einem Himmel der Abwesenheit und Leere“ die Rede, was nicht nur astronomisch, sondern auch existenziell gemeint ist. Also keine Verankerung der Utopie im Himmel? Wo aber dann?

Das für Begegnung offene Herz
Papst Franziskus findet eine solche Verankerung im offenen Herzen des von Gott ins Leben gerufenen Menschen und seiner Ausrichtung auf den Anderen und Anderes. Zur Begegnung gerufen, kann er die notwendigen Grenzen zwischen den Menschen oder zwischen Staaten und Regionen zu Zonen der Begegnung ausgestalten. Was wir als Gefährdung der eigenen Identität, dessen, was wir sind, wahrnehmen, kann sich in der Begegnung als Chance der gegenseitigen Bereicherung erweisen, wie der Papst an der Begegnung des Westens mit dem Osten aufzeigt. „Der Westen könnte in der Kultur des Ostens Heilmittel für einige seiner geistigen und religiösen Krankheiten finden, die von der Vorherrschaft des Materialismus hervorgerufen wurden. Und der Osten könnte in der Kultur des Westens viele Elemente finden, die ihm hilfreich sind, sich von der Schwachheit, der Spaltung, dem Konflikt und vor dem wissenschaftlichen, technischen und kulturellen Abstieg zu retten.“ (136)

Unentgeltlichkeit als ein Weg
Welche Möglichkeiten gibt es nun, den Konjunktiv „könnte“ in konkretes Handeln überzuführen? Die Erfahrung des eigenen Nutzens durch die Begegnung mit dem Anderen, dem Nachbarn, dem entfernten Staat etwa in der Abwehr „kultureller Sklerose“ (134) ist die eine Seite. Dabei gilt es, sich auf der anderen Seite dem heute verbreiteten Drang, immer alles verrechnen zu wollen, zu entziehen. Es gilt, Solidarität nicht nur auf Gegenseitigkeit, auf der Ebene, was ich davon habe, sondern auch in Gegenseitigkeit zu üben, also auf der Basis gemeinsamen Menschseins. Papst Franziskus verweist immer wieder auf die Unentgeltlichkeit als Begegnungsmittel. Wenn er unentgeltliche Nachbarschaftshilfe als ein wichtiges Mittel auch für Nationen und Regionen geltend macht, so spricht er einen wichtigen Gegenakzent in einer vom Ausgangspunkt Konkurrenz gekennzeichneten Welt an. Ein „sorgender Geozentrismus“, der sich nach Sloterdijk als Auftrag des Himmels, bevor er leer wurde, ableiten lässt, erfährt dann eine Hoffnung erweckende Tiefe, wenn er getragen wird von der Liebe, von dem für die Welt offenen Herzen.

Aus der Enzyklika Zitiert

37
Wenn uns das Aussterben bestimmter Arten Sorgen bereitet, sollte uns erst recht der Gedanke beunruhigen, dass es überall Menschen und Völker gibt, die ihr Potenzial und ihre Schönheit aufgrund von Armut oder anderen strukturellen Einschränkungen nicht entfalten können. Denn dies führt letztendlich zur Verarmung von uns allen.

141
In sich verschlossene Nationalismen manifestieren eine Unfähigkeit, unentgeltlich zu geben, und die irrige Überzeugung, dass sie vom Niedergang der anderen profitieren können und dass sie sicherer leben, wenn sie sich anderen gegenüber abschotten.

146
Ein solch unguter Lokalpatriotismus ist zwanghaft auf einige wenige Ideen, Bräuche und Gewissheiten beschränkt. Er ist unfähig, die vielen Möglichkeiten und all das Schöne überall auf der Welt zu sehen, und es fehlt ihm an authentischer und großzügiger Solidarität.

147
Wir stellen fest: Je weniger Weite ein Mensch in seinem Denken und Empfinden besitzt, desto weniger wird er in der Lage sein, die ihn unmittelbar umgebende Wirklichkeit zu deuten. … Indem man sich selbst aus der Perspektive des anderen, des Fremden betrachtet, kann jeder die Eigenheiten der eigenen Person und Kultur besser erkennen: ihren Reichtum, ihre Möglichkeiten, aber auch ihre Grenzen.

Dr. Leopold Neuhold analysiert für das Sonntagsblatt die Grundlinien der soeben erschienenen Sozialenzyklika von Papst Franziskus.

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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