70 Jahre Sonntagsblatt | Teil 01
Die Anfänge: 1945 bis 1955

Die erste Ausgabe des Sonntagsblattes erschien am 16. September 1945 mit einem Grußwort von Bischof Ferdinand Pawlikowski und einem Umfang von vier Seiten.
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  • Die erste Ausgabe des Sonntagsblattes erschien am 16. September 1945 mit einem Grußwort von Bischof Ferdinand Pawlikowski und einem Umfang von vier Seiten.
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Begonnen hat es sehr bescheiden

Das Erscheinen des ersten Sonntagsblatts habe er nicht bewusst wahrgenommen, erzählt Bischof Weber, der damals 18 Jahre alt und in der Pfarre Schutzengel im Grazer Bezirk Wetzelsdorf daheim war. Doch erinnere er sich gut, dass das Umfeld für eine Zeitung ganz anders war. Mit Kriegsende seien schrittweise wieder Tageszeitungen erschienen. „Eine Zeitung war etwas sehr Seltenes.“ Das könne sich die heutige Generation angesichts der Flut an Massenmedien gar nicht vorstellen. Und darin sei auch eine gute Chance des Sonntagsblattes gelegen, dass es wahrgenommen wird und nicht untergeht.

Nach der langen Zeit der Unterdrückung – vier Jahre lang durfte keine kirchliche Zeitung gedruckt werden – sei das eine ganz neue Erfahrung gewesen, dass die Kirche sich zu Wort meldet. „Die Anfänge waren sehr bescheiden“, gibt der Bischof zu bedenken. Die vier Seiten hätten in erster Linie Mitteilungen über das kirchliche Leben enthalten, „kleine Schritte der Information“. Für die Menschen seien damals die Pfarren der kirchliche Angelpunkt gewesen, dort habe man sich verbunden gefühlt, während diözesane Mitteilungen oder Weltnachrichten eher klein geschrieben wurden. Das Sonntagsblatt habe jedoch immer mehr den Blick geweitet.

Die ersten zehn Jahre bis zum Staatsvertrag 1955 waren politisch geprägt von der Besatzung – zuerst kurz durch die Russen, dann durch die Engländer. Die Besatzungsmächte hätten sich in das kirchliche Leben nicht eingemischt, doch seien bei den Menschen andere Sorgen im Vordergrund gestanden: „Es war alles aufregend genug – der Mangel an Lebensmitteln, die vielen Vermissten und Gefallenen.“ Immer wieder sei jemand aus der Gefangenschaft heimgekommen, die Aufarbeitung des Nationalsozialismus, der Wunden und der Trauer, all das musste im Rahmen eines sehr kargen Lebens geschehen. Erst schrittweise habe sich die ganze Grausamkeit des Krieges und der Verfolgungen enthüllt.

Sehr schnell habe sich in dieser Zeit die Katholische Jugend entfaltet als eine sehr beschwingte Bewegung mit großen Jugendtreffen, mit stürmischen Liedern, vielen Bannern und dem Elan, etwas Neues anzufangen. In Österreich sei der Bund Neuland sehr in-
spirierend gewesen, der auch den Boden für das Konzil bereitet habe. „Was uns jungen Leuten viel gegeben hat, war das Theaterspielen mit sehr ernsten Stücken, etwa das Wächterspiel, das Apostelspiel von Max Mell oder der Jedermann“, erinnert sich der Bischof.

Als „eine großartige Sache, die damals entstanden ist“, hebt er die Sonntagsblatt-Austräger hervor: „Heute überschätzen wir das Papier, wir werden überflutet mit Zeitungen und Reklame. Doch die Leute schätzen es sehr, dass jemand etwas bringt.“ Es sei eine „positiv freundliche Selbstverständlichkeit“ gewesen, dass es in einer katholischen Familie das Sonntagsblatt gibt.

Prof. Anton Fastl, der von Beginn an 28 Jahre lang für die steirische Kirchenzeitung verantwortlich war, beschreibt Weber als einen hochbegabten, aufmerksamen und behutsamen Schriftleiter: „Etwas Knalliges und Demagogisches hat es da nicht gegeben.“ Sein Wirken habe sich auf die Diözese sehr positiv ausgewirkt. Das wünscht der Bischof dem Sonntagsblatt auch für die Zukunft: „Ruhig, aber nicht harmlos, und wirklich leserfreundlich zu sein – und immer wieder Versuche zu machen, eine persönliche Übergabe zu erhalten.“

Alfred Jokesch

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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