Priester - Hobbys | Teil 10
Als Hörender ist man immer auch ein Lernender

Das SONNTAGSBLATT im Gespräch mit Ewald Pristavec, Pfarrer von Stadl an der Mur.

Entweder man wird gefangengenommen oder…“ Der Satz bleibt ein bisschen in der Luft hängen, aber sein Ende ist ohnedies klar. Ganz oder gar nicht, nur so ein bisschen Opernliebhaben, das gibt es für Ewald Pristavec nicht. Wie bei so vielen anderen Dingen wird man entweder zum Feinspitz, oder die ganze Sache lässt einen insgesamt doch eher unbeeindruckt. „Ich gehe gern in die Oper und in Konzerte, und ich habe eine sehr reiche CD-Sammlung.“ Neben dem Zusammentragen ist das Vergleichen von historischen Aufnahmen schon vom Beginn der Schallplattenaufzeichnung an eine seiner Lieblingsbeschäftigungen. Auf seiner Anlage hört er sich dann zum Beispiel unterschiedliche Aufnahmen gleicher Arien an, „das können schon 20 Stück sein“.[/p]

Es ist ein schönes Hobby, interessant wird es vor allem auch durch das Lesen von Opernzeitschriften. „Das Verständnis wird so immer tiefer, als Hörender ist man ja immer auch ein Lernender. Ich persönlich kenne aber keinen zweiten, den das so interessiert wie mich.“ Ganz oben auf der Skala der Bewunderung steht das Werk von Richard Wagner. „Ich würde mich schon als einen Wagnerianer bezeichnen.“ Bayreuth spielt dabei natürlich eine besondere Rolle, wobei es nicht so einfach ist hineinzukommen. „Im Schnitt kommt man alle zehn Jahre an Karten, weil sie so überbucht sind.“ Deshalb hat Ewald Pristavec den Ring und andere Wagner-Opern auch schon in vielen anderen deutschen Städten gehört.

Als Pfarrer in Stadl an der Mur hat er geografisch eigentlich keine schlechte Ausgangsposition. Muss er doch seine Opernbesuche sehr oft recht spontan gestalten, wann die knapp bemessene Zeit es zulässt. „Es geht sich trotzdem irgendwie aus.“ Das ist dann unter der Woche, wo er nach Graz, Salzburg oder auch Klagenfurt aufbricht. „In die Oper gehe ich immer auf den Stehplatz.“

Begonnen hat die Leidenschaft des Ewald Pristavec für klassische Musik schon als Jugendlicher. „Ich hab’ nie gern die Hitparade gehört.“ Stattdessen griff er zu den Opernplatten seiner Eltern und fühlte sich von Anfang an daheim bei „Rudolf Schock und anderen“. Schon damals kaufte er sich von seinem Taschengeld Schallplatten. Mit seinem Vater ging er das erste Mal in den Ring des Nibelungen, der sich noch nicht so schnell erschloss, aber „ich hab schon gemerkt, dass das was Großes ist“. Und das ist es bis heute. „Es ist eines der wichtigsten Kunstwerke unserer westlichen Kultur. Bei jeder Aufführung geht mir etwas auf, was ich zuvor noch nicht bemerkt habe. Das ist etwas ganz Spezielles, dass man nicht stehenbleibt.“

Während der Studienzeit in Wien konnte man ihn oft jeden zweiten Abend in der Oper antreffen. „Auch beim Stehen kommen mir zwei Stunden wie nichts vor.“ Wenn schon Sitzplatz, dann kommen billige Plätze am Balkon in Frage, „denn ich schau’ gern den Musikern zu“. Als Hörender ist man ein Lernender, da ist sich Ewald Pristavec sicher. Er möchte jedoch nicht vermessen sein und weiß: „Ob man auch ein Verstehender ist, dessen kann man sich nicht sicher sein.“

Gisela Remler

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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