Wegmarken der CARITAS | Teil 4
152 Ausfahrten mit US-Auto

Das Ende des Zweiten Weltkriegs wurde steiermarkweit gefeiert, wie hier in Weiz am 9. Mai 1945. Not und Elend blieben. Viele heute noch erfolgreiche Caritas-Aktionen wurzeln in dieser Zeit großen Leids und großer Hilfe. | Foto: caritas.at; KK  Illustration: Ivan Rajič
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  • Das Ende des Zweiten Weltkriegs wurde steiermarkweit gefeiert, wie hier in Weiz am 9. Mai 1945. Not und Elend blieben. Viele heute noch erfolgreiche Caritas-Aktionen wurzeln in dieser Zeit großen Leids und großer Hilfe.
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Ein „Caritas-Wirkungsbericht“ vom Kriegsende 1945 bis Ende 1946.

Die Steiermark litt durch den Krieg, aber auch nach dem Krieg enorm. Die vorhandenen katholischen Wohlfahrtseinrichtungen, die durch die NSDAP und deren Gliederungen beschlagnahmt waren, wurden nach dem Krieg ihres Inventares beraubt, das Übriggebliebene wurde demoliert. Das Wirtschaftsleben wurde völlig lahmgelegt.

Laut Bericht von Caritasdirektor Gottfried Puggl konnte die eigentliche Caritas-Arbeit im Juli 1945 begonnen werden:

  • Nachdem in der russischen Besatzungszeit ja alle Kraftwagen, inklusive Rettungsautos, weggebracht wurden, konnten mit Hilfe eines von amerikanischen Katholiken zur Verfügung gestellten Wagens durch 152 Ausfahrten Lebensmittel und Holz nach Graz und in die obersteirischen Industriezentren gebracht werden.

  • Die Oststeirerhilfe war die erste große Aktion, denn 5200 Bauernhöfe waren schwer beschädigt, 2700 gar zerstört. Aufgebracht wurden Sach- und Geldspenden im Wert von 1.040.000,– Schilling.
  • Pfarrcaritasausschüsse wurden auf Anordnung des „hochwürdigsten Herrn Fürstbischofs“ errichtet.
  • Von den 8000 erholungsbedürftigen Kindern wurden 4500 bei Pflegeplätzen auf dem Lande untergebracht.
  • Auf Einladung der Caritaszentrale Luzern (CH) konnten 51 Jugendliche unentgeltlich einen schönen mehrwöchigen Erholungsurlaub genießen.
  • Im Herbst 1945 wurde am Grazer Hauptbahnhof und in Mürzzuschlag die katholische Bahnhofsmission errichtet. 50.000 Geflüchtete, gebrechliche Personen, Mütter mit Kleinkindern und Heimkehrer bekamen Unterkunft und Kleidung. Etwa 125.000 Portionen Essen wurden ausgeteilt, Pfarrjugend und die Katholische Hochschülerschaft halfen freiwillig, „ohne Rücksicht auf religiöse, nationale und parteipolitische Einstellung“, der Notleidenden. Durch diese Missionsarbeit fanden viele wieder Halt im Glauben.
  • Neu errichtet wurden die Hauskrankenpflege, eine eigene Schwesternschule und 18 katholische Kindergärten.
  • Die diözesanen Lebensmittelsammlungen erbrachten bis zu 254 Tonnen: Kartoffeln, Obst, Getreide, Polenta und Grieß, Bohnen, Fleisch, Fett, Gemüse, Öl, Eier.
  • 10.000 „Bittsteller“, 20.000 Telefonanrufe, über 20.000 Postein- und -ausgänge zeugten von der großen Not.
  • Caritasdirektor Hugo Stitz beschreibt diese Zeit emotional: „Es herrscht viel Welt-untergangsstimmung und Verzweiflung … und doch gibt es für Christen nur einen großen, gläubigen und freudigen Optimismus.“
  • Ab 1951, dem Einsatz der ersten steirischen Familienhelferin, Hilde Sundl, entwickelte sich dieser Bereich vor allem durch das Engagement der steirischen „Mutter der Familienhilfe“, Cäcilia Kappel, zur intelligentesten Form von familiärer Sozialarbeit über Jahrzehnte.
  • Im Jahr 1951 erbrachte die erste Caritas-Haussammlung Spenden in der Höhe von 910.000,– Schilling.

Im Originalton

Franz Küberl

Dr. h. c . Franz Küberl war von 1994 bis 2016 steirischer Caritasdirektor und prägte als Präsident von Caritas Österreich (1995–2013) die Geschicke der Caritas.
Auf Basis seiner sorgfältigen Nachforschungen zeigt er für das SONNTAGSBLATT entscheidende Wegmarken in der Wirkungsgeschichte der Caritas in Österreich.

Für das Jahr 1949/1950 gab es auf Anregung von Fürstbischof Ferdinand Stanislaus Pawlikowski erstmals einen gedruckten Jahresbericht.

Franz Küberl
Von der KRIEGS- zur FRIEDENS-CARITAS.
Ihre Pionierarbeit in Österreich.
Linz: Wagner Verlag 2024, ISBN: 978-3-903040-86-1, 28 EUR.

Das Ende des Zweiten Weltkriegs wurde steiermarkweit gefeiert, wie hier in Weiz am 9. Mai 1945. Not und Elend blieben. Viele heute noch erfolgreiche Caritas-Aktionen wurzeln in dieser Zeit großen Leids und großer Hilfe. | Foto: caritas.at; KK  Illustration: Ivan Rajič
Franz Küberl
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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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