Internetverantwortliche - Katrin Leinfellner
Besser „kurz dabei“ als gar nicht

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Die diözesane Internetverantwortliche Katrin Leinfellner konnte in den letzten Wochen
aus der „Pole Position“ heraus das digitale kirchliche Leben beobachten und mitgestalten.
Im Sonntagsblatt-Interview gibt sie Einblick in ihre Arbeit.

Was haben die letzten Wochen für die Entwicklung der „digitalen Kirche“ bedeutet?
In den Wochen des „Lockdown“ spielte sich vieles an kirchlichem Leben „online“ ab. Für einige Pfarren und Einrichtungen war das eigentlich nicht besonders neu, weil bisher schon viel gemacht wurde, wie zum Beispiel der Livestream-Gottesdienst aus Hartberg oder diverse Facebook-Auftritte von Pfarren. Manche wurden darin bestärkt, ihre digitalen Aktivitäten zu intensivieren, wieder andere betraten Neuland und haben das großartig gemacht. So gesehen war diese Zeit ein wunderbares „Versuchslabor“.
Für mich war es auch immer wichtig, den Leuten zu sagen: Seid mutig, probiert etwas aus! Das ist wie bei der „Ersten Hilfe“: Das Schlechteste, was man tun kann, ist, nichts zu tun. Ich finde, dass unser Bischof das auch gut vorlebt. Er hat in den letzten Wochen an die achtzig Videos selbst aufgenommen und auch die Livestreams seiner Gottesdienste in Eigenregie gestartet. Natürlich kann man ein Video mit professioneller Kamera, Licht und Ton perfekter machen – aber was zählt, ist im Endeffekt die Botschaft. Und dass sie auf möglichst viele unterschiedliche Arten weitergegeben wird.

Welche digitalen Angebote gab es?
Medial am besten verbreitet waren die vielen Livestream-Gottesdienste, die es steiermarkweit vor allem in der Karwoche gab. Auch sonst gab es sehr viele Initiativen: Per Video wurden Mutworte publiziert, Musik aufgenommen, Andachten und Gottesdiensthilfen gestaltet. Diözesanmuseum und Kultum haben virtuelle Museumsrundgänge veröffentlicht, der Fachbereich Kinder und Jugend, das Referat für Elementarpädagogik und das Familienreferat sammelten Beschäftigungstipps für Kinder, das Bildungswerk hat eine Hotline für Technikfragen eingerichtet – und vieles mehr! Wir haben möglichst viel davon auf der diözesanen Homepage gesammelt.

Zurück zu den Livestream-Gottesdiensten: Wird es diese im „Regelbetrieb“ auch vermehrt geben?
Meine klare Empfehlung lautet: Ja. Natürlich ist es etwas anderes, gemeinsam in einem Raum zu feiern. Es gibt auch Theologen, die diese digitale Form komplett ablehnen. Bei einem Livestream ist es natürlich so, dass nur ein kleiner Prozentsatz der Besucher den Gottesdienst von der ersten bis zur letzten Sekunde mitverfolgt. Sehr viele – vor allem natürlich solche, die sonst wenig mit der Kirche zu tun haben – schauen nur „kurz vorbei“. Ich bin keine Theologin, aber mir persönlich ist es lieber, es hört jemand nur drei Worte aus dem Evangelium als gar keines … Und – falls irgendwann wieder wie gewohnt gefeiert werden kann – vielleicht verirrt sich ja doch der eine oder andere in die Kirche, um zu sehen, wie das „in echt“ aussieht.

Wird der Gottesdienst dadurch nicht zu einem „Wellness-“ oder „Konsumgut“?
Ja, die Gefahr besteht durchaus. Es können auch Konkurrenzsituationen entstehen, weil ich mir im Livestream jenen Gottesdienst ansehen kann, der mir am besten gefällt. Das sollte durchaus als Ansporn gesehen werden. Wir dürfen uns nichts vormachen: Die Kirche ist nicht ausgenommen vom Wettbewerb um Aufmerksamkeit. Ja, es gibt die, die sagen: Wir tun das, was wir immer schon getan haben, und wer möchte, kann zu uns kommen. Ich arbeite in der Öffentlichkeitsarbeit, mein Job ist es, den Menschen da draußen zu erzählen, für was wir als Kirche stehen, und sie für uns zu gewinnen. Meiner Meinung nach hat auch Jesus – zugespitzt formuliert – jede Menge „Action“ gemacht, um seine Philosophie zu „bewerben“: Essen verteilt, Wunder gewirkt etc. Wichtig ist es, bei allen Aktivitäten authentisch zu bleiben und den Kern des Glaubens nicht aus dem Auge zu verlieren.

Es gibt ja Stimmen, die vermehrt dazu aufrufen, eher die „Hauskirche“ zu unterstützen als die Leute vor die Bildschirme zu locken – was meinen Sie dazu?
Es ist ganz klar wichtig, das Feiern zu Hause zu unterstützen, wie es ja auch das Sonntagsblatt gemacht hat. Aber ich habe das Gefühl, dass dies vielen Menschen völlig fremd ist. Andererseits will man gerade in so unsicherer Zeit nicht alles selbst in die Hand nehmen, sondern jemanden haben – wenn auch nur online – der oder die einen sicheren Hafen darstellt und weiß, „wie es geht“. Das betrifft natürlich auch die Politik! Die Aufgabe, die dort Bundespräsident, Bundeskanzler und Ministerinnen und Minister haben, haben bei uns eben haupt- und ehrenamtliche Mitarbeitende übernommen.

Was waren die digitalen Schwerpunkte in der diözesanen Kommunikation?
Das waren ganz klar die drei Säulen: Information, Stärkung und (neue) Gemeinschaft. Zum Ersten: Es war uns wichtig, alle Fakten, die wir zum kirchlichen Leben während der Krise hatten, möglichst rasch und klar zu publizieren, FAQs zusammenzustellen, die Inhalte gut zu strukturieren, bei Nachfragen auch rasch Antworten geben beziehungsweise Experten zu Rate ziehen zu können.
Zum Thema Stärkung hat einerseits unser Bischof sehr viel mit seinen Tagesgedanken bewirkt, vor allem aber waren da die zahlreichen Einsendungen von Mutworten, die wir auf der Website und auf Facebook veröffentlicht haben: Lieder, Fotos, Videos, Gedichte und vieles mehr, die von Menschen aus der ganzen Steiermark den Weg zu uns gefunden haben. Das war auch für mich persönlich oft ein Lichtblick im nicht immer leichten Arbeitsalltag im Homeoffice mit Kind.
„Neue Gemeinschaft“ haben wir von Beginn an mit dem Motto des Diözesanjubiläums „Du bist nicht allein“ verbunden. Wir hatten unglaublich gute Interaktionsraten (das heißt Menschen, die auf Beiträge reagieren oder sie kommentieren). Man hatte das Gefühl des Zusammenhaltes, der gemeinsamen Hoffnung im Glauben. Das kann unglaublich stark machen!

Was gab es an Reaktionen?
Die meisten waren positiv und wertschätzend und haben uns in der Arbeit sehr unterstützt. Gerade in den ersten Tagen und Wochen gab es aber auch Stimmen wie „Die Kirche tut ja nichts“. Am liebsten zitiere ich den Kommentar: „Von der Kirche ist ja außer Seelsorge eh nichts zu erwarten!“ Das trifft einen, wenn man pausenlos durchackert, schon schlimm. Aber ich habe dann entdeckt, dass nicht nur wir als Kirche, sondern auch die Politik, der ORF und andere Organisationen dem ausgesetzt waren, und ich habe es so interpretiert, dass in einer Situation, in der niemand so richtig schuld ist, Ventile für die negativen Gefühle gesucht werden.
Was die Zahlen betrifft: Wir hatten in den letzten Wochen auf der Website www.katholische-kirche-steiermark.at knapp 120.000 Nutzer, davon waren drei Viertel neu. Beiträge auf Facebook, also Livestreams, Videos, Fotos usw. hatten Reichweiten zwischen 1000 und 15.000 Menschen, wobei die meisten davon nicht einmal Follower unserer Seite waren. Zusätzlich kommen ja noch die ORF-Nutzer (zum Beispiel Osterspeisensegnung: 330.000 Seher) und die Nutzer der Kleinen Zeitung (zum Beispiel Palmsonntagsgottesdienst: mehr als 10.000 Nutzer) hinzu, der wir auch sehr für die Unterstützung bei den Livestreams danken.

Wie gehen Sie persönlich aus dieser Zeit heraus?
Einerseits sehr dankbar: für mein tolles Team in der Kommunikation und für alle, die so tatkräftig mitgeholfen haben, Hoffnung und positive Stimmung zu verbreiten; dass meine Familie immer gut drauf war und wir gesund geblieben sind. Andererseits bin ich auch erschöpft. Aber ich habe während des Sommers einige Urlaubswochen vor mir, auf die ich mich schon sehr freue.

Zur Person
Mag. Katrin Leinfellner ist Online-Verantwortliche in der Diözese Graz-Seckau und zusammen mit dem Team der Öffentlichkeitsarbeit für die diözesane Website und die Social-Media-Auftritte der Diözese auf Facebook, Instagram, Twitter und Youtube verantwortlich. Daneben werden auch die Pfarren beim Aufbau ihrer Websites im gemeinsamen diözesanen System unterstützt.

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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