Aus meiner Sicht - Alfred Jokesch
Zersetzung
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Am 9. August jährte sich der Todestag von Franz Jägerstätter. Der Innviertler Bauer, Mesner und Familienvater weigerte sich, am „ungerechten Krieg“ Nazi-Deutschlands mitzuwirken und wurde 1943 wegen „Wehrkraftzersetzung“ hingerichtet. Er berief sich auf seinen Glauben und sein Gewissen, weder Heimatpfarrer noch Bischof konnten ihn umstimmen.
„Wenn du aufhörst, um jeden Preis überleben zu wollen, strömt ein neues Licht herein.“ So schrieb Jägerstätter in einem Brief. Und: „Besser die Hände als der Wille gefesselt.“ 2007 wurde er als Märtyrer seliggesprochen.
Bei der diesjährigen Gedenkveranstaltung sprach die Innsbrucker Psychologin Pia Andreatta, die in mehreren Krisenregionen der Welt im Einsatz war, über Kriegstraumatisierung. Diese würde sich erst im Nachhinein voll ausbilden und Traumata, die aufgrund von Scham- und Schuldgefühlen oder verlorenem Einfühlungsvermögen verdrängt werden, würden unwillkürlich an kommende Generationen weitergegeben. Sie zu bewältigen, gleicht einer Odyssee.
Der Wehrkraftzersetzung, die das NS-Regime Jägerstätter angelastet hatte, steht die Lebenskraftzersetzung gegenüber, die Kriegserfahrungen bei allen Beteiligten auslösen. Und letztere bringt weit größeren Schaden über die Menschheit.
Alfred Jokesch, Geistlicher Assistent
alfred.jokesch@sonntagsblatt.at
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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