Aus meiner Sicht - Anna Maria Steiner
Narrisch bleiben
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„Von Kindern und Narren kann man die Wahrheit erfahren.“ Nicht nur im Fasching wirft dieses Sprichwort Fragen für mich auf: Wer ist ein Narr, und wer gilt als weise? Was stimmt bestimmt, und was wird nur als Wahrheit verkauft? Seit Menschengedenken suchen wir nach ihr, und stark wie die Sehnsucht, so auch die Suche. Die jüngst in unserer Redaktion eingegangen Leserbriefe zum Thema „Frieden und Krieg in der Ukraine“ sind für mich Zeichen dafür. Mein Wunsch, im Anschluss an Ihre Reaktionen: Bitte weiter so! Bleiben wir neugierig, suchend und fragend, und gleichen wir Informationen stets mit neuen ab. Vor allem aber: Teilen wir unsere Meinungen anderen angemessen mit – so, wie einst die „Narren“ es taten.
Schon am Hofe des 12. Jahrhunderts waren sie mehr als nur Spaßmacher und galten als wichtige Nachrichtenquelle. Egal, wie unangenehm die Information für seine „Herrschaft“ auch war: Für den Hofnarren herrschte Narrenfreiheit, er durfte fast alles verkünden und hatte fast nichts zu befürchten. Warum? Weil er weise genug war, den richtigen Ton anzustimmen. Denn in Lieder und Verse verpackt, nahmen Königinnen, Ritter oder Landgrafen unbequeme Tatsachen gelassener hin. In diesem Sinne: Finden wir Wege, uns anderen mitzuteilen: ruhig, und klar, und nicht nur im Fasching.
Anna Maria Steiner, Redakteurin
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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