Aus meiner Sicht - Anna Maria Steiner, Redakteurin
Luxus vor der Tür
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Am Samstag hab ich Brennnesseln gebrockt. Weil sich ein Familienmitglied Spinat gewünscht hat, mache ich mich – mit Strohhut, Schere und Gartenhandschuhen ausgestattet – auf in die Natur. Vor der Haustüre das vorzufinden, was man zum Leben braucht, ist ein Geschenk, denke ich mir und sage der gemäßigten Klimazone, die Leben hierzulande mitermöglicht, im Geiste „danke“.
Als ich vor Jahren beim Mittagessen Betram Gordon Kuol (S. 24) fragte, wie oft die Menschen in seiner Heimat Südsudan denn Nahrung zu sich nehmen würden, antwortete er „oft nur drei- bis viermal“. Auf mein Nachfragen ergänzte er: „Nicht täglich, sondern drei- bis viermal in der Woche.“ Fehlendes Saatgut, Dürre als auch Überschwemmungen lassen 60 Prozent der 13 Millionen SüdsudanesInnen hungern (mehr dazu auf den Seiten
12 und 13).
Auch daran denke ich auf meiner Suche nach Spinat. Während die jungen Brennnesseln im Frühjahr an vielen Schattenplätzen sprießen, sind sie im Sommer seltener zu finden. Dennoch: Zumindest für einen Teller Lieblingsspeise reicht meine Beute heute. Den anderen Familienmitgliedern warte ich Mangold auf. Im Hochbeet kultiviert, knackig und voller Vitamine, gedeiht auch er als weiterer Luxus vor der Tür.
Anna Maria Steiner, Redakteurin
anna.steiner@sonntagsblatt.at
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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