Offen gesagt - Nicole Bauer
Licht der Welt
- Foto: M. Wedermann, Innsbruck
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Stichwort Sonnenfinsternis: Was haben Sonnenkulte mit dem Christentum zu tun?
Im Alten Ägypten wurde die Sonne als Gott Re verehrt, in Griechenland als Helios und im Römischen Reich als Sol. Besondere Bedeutung erlangte dort der Kult des Sol Invictus, der „unbesiegten Sonne“, den Kaiser Aurelian seit 274 n. Chr. reichsweit förderte. Münzen zeigen ihn mit Strahlenkrone.
Das frühe Christentum entwickelte sich inmitten dieser religiösen Bilderwelt und deutete die Sonnensymbolik auf Christus hin um. Er erschien als „Licht der Welt“ und Sieger über Tod und Finsternis, der Strahlenkranz wurde zum Zeichen der Heiligkeit. Der Sonnenaufgang stand für Christus und seine Wiederkunft; deshalb wurden viele Kirchen nach Osten ausgerichtet. Auch der Sonntag bewahrt mit dem römischen „dies solis“, dem „Tag der Sonne“, eine solare Spur, christlich wird er als Tag der Auferstehung gefeiert. Besonders deutlich zeigt sich die Umdeutung an Weihnachten. Nahe der Wintersonnenwende, wenn die Tage wieder länger werden, wird Christus als Licht in der Dunkelheit geboren.
Die christliche Lichtsymbolik hat auch biblische Wurzeln: Obwohl die Sonne Geschöpf ist und nicht Gottheit (Gen 1,14-18) und das Christentum daher kein Sonnenkult ist, wird Jesus Christus bis heute als „Licht der Welt“ (Joh 8,12) verehrt.
Nicole Bauer ist Universitätsassistentin am Institut für Religionswissenschaft der Universität Graz.
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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