Offen gesagt - Sr. Franziska Madl
Keine Massenbewegung
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Sind Ordensgelübde noch zeitgemäß?
Wir versprechen in unseren Gelübden, nach den evangelischen Räten zu leben. Dazu gehören Armut, Ehelosigkeit und Gehorsam. Sie leiten sich aus den Schriften des heiligen Paulus ab und nennen sich bewusst „Räte“, denn es sind keine Anweisungen oder Befehle. Sondern es ist ein Rat, an den man sich halten kann – und Ordensleute entscheiden sich nach eingehender Vorbereitungszeit bewusst, sich daran zu halten.
Diese Gelübde waren nie zeitgemäß und müssen es nicht sein. Kirche nennt z. B. unsere Ehelosigkeit ein prophetisches Zeichen. Ein Zeichen kann nur etwas sein, das sich abhebt, unpopulär und gegenläufig zum Trend ist. Schon in urchristlichen Zeiten war es nach jüdischem Verständnis vorgesehen, dass wir Menschen die Erde bevölkern und die Menschheit vermehren. Ordensleben war nie als Massenbewegung gedacht. Wir haben heute dieses Bild von großen Ordensgemeinschaften. Diese Zeit war geschichtlich gesehen aber eher Ausnahme als Regel.
Ich werde immer wieder gefragt, wie ich auf Ehe, Familie oder eigenen Besitz verzichten kann. Denn das würde doch das Leben erst lebenswert machen. Es wäre gelogen, dass der Verzicht immer leicht fällt. Aber ich empfinde mein Leben als lebenswert. Im Großen und Ganzen fehlt mir nichts. Ich habe z. B. den Luxus, genug Zeit für Gebet zu haben.
Aus: Orden on Air – der Podcast der Ordengemeinschaften Österreich, Folge 71.
Sr. Franziska Madl spricht als neue Vorsitzende der Österr. Ordenskonferenz im Podcast „Orden on air“ über ihre Lebensform.
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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