Aus meiner Sicht - Katharina Grager
Ich wachse noch
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Wenn wir uns viel bewegen und unseren Körper stark beanspruchen, entstehen in unseren Muskeln ganz feine Risse. Wir spüren sie später schmerzhaft als Muskelkater. Doch diese Risse braucht es, damit Muskeln wachsen.
Die Gemeinschaft der katholischen Kirche lässt sich auch mit einem Körper vergleichen. In den Worten des Paulus: ein Leib mit vielen Gliedern (vgl. 1 Kor 12). Der „Körper“ Kirche wächst mit jedem Menschen, der getauft wird, mit jeder Idee, die Gestalt annimmt (siehe S. 4).
Gleichzeitig wirken in der katholischen Kirche unterschiedliche Kräfte. Bewegungen ziehen in verschiedene Richtungen, Spannung baut sich auf, feine bis grobe Risse entstehen. Wie gehen wir damit um? Ein Pflaster drauf und weitermachen?
Wer wachsen will, muss Risiken eingehen und Neues ausprobieren – und Fehler gehören dazu. Sie tun weh: weil sie andere verletzen oder mein Ego treffen. Mein Umgang mit Fehlern entscheidet, ob ich Wachstum ermögliche oder mich und andere für Falschgemachtes schmerzhaft „zurückstutze“.
Ein Blick in die Natur zeigt: Auch ein radikal zurückgeschnittener Baum kann sich erholen und unter immenser Kraftanstrengung wieder austreiben. Ich vermute daher: Wer behutsam die richtigen Schnitte setzt, trägt eher zu reicher Frucht bei.
Katharina Grager, Chefredakteurin
katharina.grager@sonntagsblatt.at
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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