Mutworte - Ruth Zenkert
Himmelschreiend
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Elena war nicht zur Arbeit gekommen. Oft kam sie spät, weil es zuhause Probleme gab. Diesmal brachte sie ein Papier von der Polizei. Ihre Chefin Antoaneta las: Elena habe das Auto eines Nachbarn gestohlen und erheblichen Schaden angerichtet. Elenas Blick sagte alles: Ihr Freund war betrunken gewesen. Nun hatte er sie gezwungen, „sich zu stellen“, damit er keine Probleme bekam. Elena brach in Tränen aus.
Antoaneta rief einen Polizisten an. Er kam, ging mit Elena zu seinem Auto und bat sie, eine Runde zu fahren. Elena starrte ihn nur an; sie wusste nicht einmal, wo sie den Schlüssel hineinstecken sollte. Der Polizist strich quer über das Dokument. „Annulliert. Du bist noch nie Auto gefahren.“ Dann ging er wahrscheinlich direkt zu ihrem Freund. Am nächsten Tag kam Elena zur Arbeit, mit blauen Flecken am ganzen Körper.
Wochen vergingen. Elenas Freund war im Ausland. Eines Morgens verteilte sie strahlend Hochzeits-Einladungen. „Er kommt heim und hat versprochen, dass er sich ändert.“ Tage später kam sie wieder verspätet – mit blauen Flecken und geschwollenem Gesicht.
Himmelschreiendes Unrecht geschieht in unseren Dörfern, vor allem an den Frauen. Es ist unsere Aufgabe, uns einzumischen.
Ruth Zenkert ist Leiterin des Sozialprojektes ELIJAH in Rumänien. Aus: elijah.at/bimail
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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