Ordensleben in der Steiermark - Teil 32
Wo sich keiner zuständig fühlt …

Auf Christus hin. Der schwebende Leidensmann rückt das Ordensziel in den MitFotos: Neuhold
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Wo sich keiner zuständig fühlt, da sehen sie ihren Platz: Lazaristen versuchen nach Fähigkeiten und Möglichkeiten, die Werke im Sinn von Vinzenz von Paul weiterzuführen und auszubauen.

Schon 1841 wurde in Graz die Niederlassung der Barmherzigen Schwestern gegründet. Bedarf bestand dann in der Zeit nach der Revolution 1848 an Volksmissionaren für Österreich. Zuerst wurden die Redemptoristen gefragt, die jedoch ablehnten. Der spätere erste Lazarist Johann Klaischer schlug die Lazaristen vor, die auch als Seelsorger für die Schwestern gebraucht wurden. Nach verschiedenen Schwierigkeiten wurden einheimische Priester ins Noviziat nach Paris geschickt. Der zurückgetretene Kaiser Ferdinand befürwortete das Projekt, und so entwickelte sich ab 1853 die österreichische Lazaristenprovinz mit Missionshäusern in Cilli (Slowenien), Graz und Krakau (Polen). In der Grazer Mariengasse entstand das Provinzhaus in einem Viertel, das nicht zu den feinsten gehörte. Eggenberg war eine Arbeitergegend.

„Wenn Not da ist, wird gehandelt“, fasst Pater Alexander Jernej, Leiter des Sankt- Georgs-Kollegs in Istanbul, das Prinzip des heiligen Vinzenz von Paul kurz zusammen. 1889 wurde das Kolleg von österreichischen Lazaristen und Barmherzigen Schwestern übernommen und als katholische Schule und Waisenhaus für deutschsprachige Kinder genutzt. Im Laufe der Jahre wuchs die Schule und wurde ausgebaut, so dass 1913 der erste Schüler die Matura ablegen konnte. Heute ist es eine moderne Schule, wegen der Qualität der Ausbildung sehr angesehen und eine der sechs österreichischen Auslandsschulen.

Zwischen Sorge für die Seele auf der einen und Sorge für die Not der Menschen auf der anderen Seiten spannt sich die Arbeit der Lazaristen. Hier hat vieles Platz. Das bekannteste Werk heute sind wohl die VinziWerke von Pfarrer Wolfgang Pucher, die viele gar nicht in Verbindung mit dem Orden bringen. Diese erhalten mittlerweile österreichweit „Filialen“, und Pucher gilt als der „Armenpfarrer“ schlechthin.

Der Seelsorge verpflichtet sieht sich Karl Kröll, ehemaliger Pfarrer von Altenmarkt. Mit 77 eigentlich in Pension, lebt er in Altenmarkt und sieht dort seinen Platz. „Hier werde ich gebraucht. Ich bin gern bei den Leuten und kann Pfarrer Schlemmer im Pfarrverband unterstützen.“ Lange Zeit war er Provinzökonom, der Orden werde zwar kleiner, aber: „Wir halten uns.“

Für die Gemeinschaft sieht Superior Bernhard Pesendorfer, Kaplan in der Grazer Marienpfarre und Mitarbeiter im Stadtjugendteam, Veränderungsmöglichkeiten: „Wir sollen kreativ mit den Herausforderungen der Zeit umgehen. Das kann auch unser Zusammenleben betreffen. Ich kann mir eine offene vinzentinische Wohngemeinschaft vorstellen, wo religiös geprägte Studenten mitleben. Da wir keine Klausur haben, wäre das durchaus möglich.“ Die Provinz insgesamt ist kleiner geworden, und man ist auf der Suche nach einer strafferen Organisation. An einer intensiveren Zusammenarbeit mit der deutschen Provinz wird gerade gearbeitet. Internationalität ist selbstverständlich. Im Zentralhaus in der Grazer Mariengasse leben heute sechs Lazaristen, unter ihnen ein Kandidat aus Sri Lanka, der gerade den ersten Abschnitt des Theologiestudiums beendet.

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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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