„Wir“ statt globaler Egoismus

In Amazonien zeigt sich die Lage in der Corona-Pandemie besonders dramatisch. Die indigenen Völker scheinen unerwünscht. Die Fachtagung Weltkirche orientierte sich am Papstschreiben „Fratelli tutti“ und am Schlussdokument der Amazonien-Synode.
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Für ein neues WIR – Auf dem Sprung zu einer neuen Lebensweise. Weltkirche-Tagung blickt auf die weltweiten Auswirkungen der Corona-Pandemie.

Die Bedeutung von Gemeinschaft unterstrich Militärbischof Werner Freistetter, Weltkirche-Referent der Bischofskonferenz, bei der Eröffnung der Online-Tagung am 3. Juli. So wunderbar der Technologieschub durch die Corona-Pandemie sei, weil virtuelles Zueinanderfinden ermöglicht wurde, so sehr sei die Pandemie auch Brennglas für die globalen Herausforderungen. Die weltweite Erkrankung an Corona oder auch der Tod von etwa vier Millionen Menschen hätten zu viel Leid und zu gesellschaftlichen Zerwürfnissen geführt. „Die Krise hat uns gezeigt, wo unsere Gesellschaften und Kulturen und die internationale Staatengemeinschaft brüchig oder schwach sind.“

Schwächen wurden sichtbar. Was seit Jahrzehnten beklagt wird, etwa schlechte Gesundheitsversorgung in vielen Ländern, habe sich während der Pandemie verschlimmert und sei sichtbarer geworden, analysierte Stefan Silber. Der Professor für Systematische Theologie an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen in Paderborn stellte fest, dass die Pandemie deutlicher gemacht habe, welche aktuellen Herausforderungen es weltweit gibt. Ein „globaler Egoismus“ stehe im Gegensatz zu einem „Wir“, in dem die Herausforderungen im Sinne des Gemeinwohls angegangen werden. Silber kritisierte ausbeutende Wirtschaftsstrategien und zitierte Papst Franziskus, der seit Jahren illegale Waffentransporte und Waffenhandel anprangert.

Elend bekämpfen. Wer in einer Gemeinschaft lebt, erfahre Solidarität, teilte Sr. Anne Beatrice Faye ihre Erfahrung aus dem Senegal. Die Unterscheidung zwischen Armut und Elend sei wesentlich. „Versuchen wir nicht Armut, sondern Elend zu bekämpfen“, schlug Faye vor. Sie plädierte für einen möglichst einfachen Lebensstil zum Wohle aller und aus Respekt vor der Natur. Man könne sich als Mensch nicht als von der Natur getrennt betrachten, sondern solle auch auf das Wasser, den Wind und die Verstorbenen hören. Die Landwirtschaft solle in Verbindung mit der Natur betrieben werden, wodurch eine Nutzung der trockenen Gebiete ermöglicht werde. Zudem sollen Frauen gestärkt und in Umweltschulen investiert werden.

Aktiv werden. Für einen verstärkten weltweiten Wandel, der bei jedem einzelnen Menschen beginnt, macht sich die „Laudato Si`Action Platform“ stark. Chiara Martinelli von CIDSE, einem internationalen Zusammenschluss katholischer Organisationen, die sich für Gerechtigkeit einsetzen, ermutigte dazu, selbst aktiv zu werden. Laut Untersuchungen hätte es etwa bereits revolutionäre Auswirkungen, wenn ein Viertel der Menschheit weniger Fleisch essen würde.

Krisengebiet Amazonien. Birgit Weiler von der Ordensgemeinschaft der Missionsärztlichen Schwestern zog eine ernüchternde Bilanz im Blick auf Amazonien. Die Abholzung habe in der Zeit der Gesundheitskrise aufgrund von Raubbau zugenommen. Brasilien, Ecuador und Peru gehörten in den Jahren 2018 und 2019 zu den fünf Ländern weltweit, die am meisten Urwald verloren haben. Es gebe klare Signale seitens der für diese Wirtschaftssysteme Verantwortlichen, dass die indigenen Völker unerwünscht seien. Mehr als 3,3 Millionen bestätigte Infektionen mit dem Coronavirus, mehr als 95.000 bestätigte Todesfälle stehen in Zusammenhang mit Covid-19. Der Ruf Gottes bedarf „eines aufmerksamen Hörens auf den Schrei der Armen und zugleich der Erde“, zitierte Weiler aus dem Synoden-Schlussdokument.

Kathpress

In Amazonien zeigt sich die Lage in der Corona-Pandemie besonders dramatisch. Die indigenen Völker scheinen unerwünscht. Die Fachtagung Weltkirche orientierte sich am Papstschreiben „Fratelli tutti“ und am Schlussdokument der Amazonien-Synode.
Die Menschheitsfamilie und das Gemeinwohl standen im Mittelpunkt der Weltkirche-Tagung.
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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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