Weltkirche
Mehr als Nothilfe

Materiell bescheiden ist das Leben vieler Menschen in Bosnien-Herzegowina – vor allem in kleinen Dörfern (hier nahe Bihać). Seit 16 Jahren sammelt der Grazer Pfarrer Johann Schrei auf der Priesterwoche unter seinen steirischen Kollegen, um bosnische Priester in Not mit Brennholz, Treibstoff oder notwendigen Medikamenten zu versorgen und ihnen Krankenversicherungen zu ermöglichen. | Foto: iStock/AGaeta
  • Materiell bescheiden ist das Leben vieler Menschen in Bosnien-Herzegowina – vor allem in kleinen Dörfern (hier nahe Bihać). Seit 16 Jahren sammelt der Grazer Pfarrer Johann Schrei auf der Priesterwoche unter seinen steirischen Kollegen, um bosnische Priester in Not mit Brennholz, Treibstoff oder notwendigen Medikamenten zu versorgen und ihnen Krankenversicherungen zu ermöglichen.
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Steirische Priester sammeln auf der Priesterwoche für ihre bosnischen Kollegen in Not.

Kaum Mitarbeiter, kein regelmäßiges Gehalt und ohne Krankenversicherung: Die oft schlimme Versorgungslage von Priestern in Bosnien-Herzegowina hat mehrerlei Ursachen. Da wäre einerseits die schwierige wirtschaftliche Situation im Drei-Millionen-Menschen-Land, das auch nach dem Friedensschluss im Dezember 1995 noch immer mit Kriegsfolgen kämpft.

„Unser Land ist geteilt in zwei politische Entitäten: in die Republika Srpska und in die Föderation Bosnien und Herzegowina“, erklärt Don Pero Ivan Grgić. Als Rektor der Bischofskirche in Banja Luka und als Kanzler im Ordinariat der gleichnamigen Diözese kennt er die Situation der 23.346 ständig im Bistum lebenden KatholikInnen. Ebenso weiß er um die Lage der 38 Ordens- und 31 Diözesanpriester, von denen 17 pastoral tätig und 14 im Ausland bzw. im Ruhestand sind. In 35 der insgesamt 48 Pfarreien gäbe es weniger als 200 KatholikInnen, erzählt Grgić. Die Situation der Menschen in diesen kleinen Dörfern sei nicht nur finanziell prekär. Dort, wo Telefongesellschaften sich gegen das Legen von Leitungen entscheiden würden, vereinsamten vor allem alte und kranke Menschen.

Brennholz, Benzin, Medikamente. In einigen Dörfern würden die Spenden aus der Steiermark dem „Hirten“ gleichermaßen zugute-kommen wie seiner „Herde“. „Der 74-jährige Pfarrer bekommt Benzingeld und kann Pastoralarbeit in den Dörfern machen. Im Winter bekommt er zusätzlich Geld zum Beheizen seines Pfarrhofs.“ Die Vorjahres-Spendensumme in der Höhe von 3375 Euro sei außerdem dafür verwendet worden, um die Krankenversicherung für drei weitere Priester zu begleichen. Mit dem Rest wurden dringend benötigte Medikamente für zwei psychisch erkrankte Priester bezahlt.

Bistum ohne Eigenmittel. Nicht überall in Bosnien-Herzegowina müssten Geweihte dermaßen unterstützt werden, sagt Grgić. Das Bistum Banja Luka habe einfach keine finanziellen Mittel. „Lediglich aus Einnahmen aus den Pfarreien“, so der Kanzler, doch die seien bekanntermaßen rar. Statt einem monatlichen Gehalt würden die Priester von Messstipendien leben und dürfen lediglich die finanzielle Abgeltung für eine gehaltene Messe pro Tag behalten. Wer, wie im Fall des oben erwähnten depressiven und kriegstraumatisierten Pfarrers, nicht zelebrieren kann, bleibt ohne Geld.

Wohl aus diesem Grund betont Don Pero Grgić, der selbst aus bescheidenen Verhältnissen stammt und dem sein Theologiestudium in Sarajevo und in Innsbruck durch Hilfe ermöglicht wurde, die doppelte Freude für die Unterstützung aus der Steiermark. „Eure Hilfe ist mehr als finanzielle Unterstützung. Mindestens genauso wichtig wie das Geld ist die Tatsache, dass jemand an uns denkt.“

Anna Maria Steiner

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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