Caritas Aktuell
Beratungen werden intensiver

Für viele Familien, vor allem für Alleinerziehende sowie Familien mit mehreren Kindern, wird der Alltag immer mehr zur finanziellen Belastung. Öfter als bisher werden Beratungen auch von im Arbeitsleben stehenden Menschen in Anspruch genommen. | Foto: Caritas
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  • Für viele Familien, vor allem für Alleinerziehende sowie Familien mit mehreren Kindern, wird der Alltag immer mehr zur finanziellen Belastung. Öfter als bisher werden Beratungen auch von im Arbeitsleben stehenden Menschen in Anspruch genommen.
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Im Rahmen von Sparmaßnahmen hat die steirische Landesregierung ein neues Sozialunterstützungsgesetz verabschiedet. Seit Februar gelten neue Richtsätze und Berechnungsgrundlagen, die für viele Betroffene mit strengeren Voraussetzungen verbunden sind.

Lukas Theiler, Leiter der Caritas-Beratungsstelle zur Existenzsicherung, spricht über die ersten Erfahrungen mit dem neuen Gesetz.

Wie spüren Empfänger*innen der Sozialunterstützung die Gesetzesänderungen? Das Gesetz bringt mehrere zentrale Veränderungen. Die Berechnungsgrundlage für Leistungen wurde um fünf Prozent reduziert, das heißt, dass insgesamt weniger Menschen überhaupt anspruchsberechtigt sind. Außerdem gibt es Kürzungen bei der Wohnkostenpauschale. Auch Leistungen für minderjährige Kinder wurden reduziert – und zwar gestaffelt: Je mehr Kinder in einem Haushalt leben, desto stärker fallen im Verhältnis die Kürzungen aus. Mit einem Wort: Die finanziellen Möglichkeiten werden knapper. Einige Haushalte müssen sich neu organisieren und Abstriche machen, um weiterhin über die Runden zu kommen.

Wen treffen die Kürzungen besonders hart? Besonders betroffen sind Alleinerzieher*innen sowie Familien mit mehreren Kindern. In diesen Haushalten sind die Fixkosten ohnehin hoch. Wenn Unterstützungsleistungen sinken, bleibt oft sehr wenig Spielraum – und meine größte Sorge gilt tatsächlich den Kindern, die solche Einsparungen am unmittelbarsten zu spüren bekommen.

Ein Argument für die Kürzungen ist, dass der Anreiz zu arbeiten stärker werden soll. Ist das realistisch? Die Zahlen belegen, dass ein großer Teil der Unterstützungsempfänger*innen, nämlich 58 Prozent, gar nicht arbeiten kann. Ein Teil sind Kinder und Pensionist*innen, aber auch viele Menschen mit Betreuungspflichten: etwa die alleinerziehende Mutter, die für ihr Kleinkind keine Betreuung findet, oder pflegende Angehörige. Andere sind gesundheitlich eingeschränkt.

Ist mit langfristigen Folgen zu rechnen?
Es wird sich erst in den kommenden Monaten zeigen, welche langfristigen Entwicklungen auftreten. Klar ist jedoch, dass finanzielle Einschränkungen oft direkte Auswirkungen auf Lebensqualität, Teilhabe und Chancen von Familien haben. Da reden wir nicht von Luxus. Lebensqualität heißt zum Beispiel: angemessen heizen oder eine ausreichend große Wohnung. Teilhabe heißt: an Festen teilnehmen können, auch wenn Geschenke erwartet werden, im Musikverein oder in der Sportgruppe bleiben können, auch wenn Beiträge fällig werden, bei Kindern Aktivitäten mit Freunden. Da geht es nicht um kostspielige Hobbys, sondern um Alltagsgestaltung. Chancen heißt, dass für ein begabtes Kind ein höherer Schulabschluss möglich sein soll, und es nicht nach der Pflichtschule abgehen muss, um mit zum Haushaltseinkommen beizutragen. Erfahrungsgemäß beeinflussen Zwänge auch die Gesundheit negativ: Wenn man bei der Ernährung sparen muss oder sich keine Ausgaben für Sport leisten kann, dann schlägt sich das natürlich auf die Gesundheit nieder. Auf all diese Effekte müssen wir aufmerksam machen.

Wie gehen die Berater*innen mit der Situation um? Unsere Aufgabe ist es, die betroffenen Menschen bestmöglich zu begleiten. Das bedeutet: ihre Anliegen ernst zu nehmen, sie zu beraten, mit den verfügbaren Mitteln zu unterstützen und sie durch diese schwierigen Veränderungen zu führen. Wir sehen bereits, dass die Fälle komplexer werden: Mit einer ausführlichen Beratung und einer einmaligen finanziellen Hilfe ist es längst nicht mehr getan. Öfter als bisher haben wir auch mit Menschen zu tun, die im Arbeitsleben stehen, und wo trotzdem das Geld nicht zum Leben reicht. Die Klient*innen brauchen uns über einen längeren Zeitraum und es wird schwieriger, noch Punkte zu erkennen, wo sie einsparen können. Die Beratungen werden intensiver.

Es hat mir so viel bedeutet, dass jemand zuhört und hilft!

Frau M. lebt mit ihren Kindern in einer kleinen Wohnung. Seit der Trennung von ihrem Partner trägt sie die volle Verantwortung alleine und arbeitet Teilzeit im Einzelhandel. Doch die steigende Miete, hohe Energiekosten und teure Lebensmittel bringen sie an ihre finanziellen Grenzen. Als auch noch die Waschmaschine kaputt ging, wusste sie nicht mehr weiter. „Ich möchte meinen Kindern einfach ein normales Leben ermöglichen“, erzählt sie beim ersten Gespräch bei der Beratungs- und Existenzsicherung. Hier fand Frau M. Unterstützung: Ein Zuschuss für die neue Waschmaschine und finanzielle Hilfe in Form von Lebensmittelgutscheinen verschafften ihr spürbare Entlastung. „Es hat mir so viel bedeutet, dass jemand zuhört und hilft“, erzählt sie. Die Sorgen sind noch da, aber auch Hoffnung für sie und vor allem für ihre Kinder.

ARMUT IN ZAHLEN

  • Fast die Hälfte der Alleinrziehenden in der Steiermark sind armutsgefährdet.
  • 31.000 Kinder und Jugendliche sind akut von Armut betroffen.
  • 18 % der steirischen Kinder und Jugendlichen erhalten nicht regelmäßig eine ausgewogene oder warme Mahlzeit.

Ihre Spende verändert Leben!
Jeder Beitrag hilft!


Foto: Caritas

Kennwort: Familienhilfesammlung 2026
Caritas der Diözese Graz-Seckau
IBAN: AT08 2081 5000 0169 1187

www.caritas-steiermark.at

Für viele Familien, vor allem für Alleinerziehende sowie Familien mit mehreren Kindern, wird der Alltag immer mehr zur finanziellen Belastung. Öfter als bisher werden Beratungen auch von im Arbeitsleben stehenden Menschen in Anspruch genommen. | Foto: Caritas
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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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