Jenseits des Machu Picchu. So vielfältig wie seine Menschen, Pflanzen und Tiere, sind auch die Herausforderungen Perus.
Vor kurzem haben wir an dieser Stelle den peruanischen Priester Luis Zambrano und seinen Einsatz für Menschenrechte vorgestellt (Nr. 47, 23. 11.). Heute richten wir den Blick auf das Land selbst – und darauf, warum dieser Einsatz in Peru so dringend gebraucht wird.
Denn abseits der touristischen Pfade zeigt sich Peru von einer ganz anderen Seite. Armut, Ausgrenzung und mangelnde staatliche Hilfe prägen den Alltag vieler Menschen, besonders in ländlichen Regionen und in den Andenstädten Puno und Juliaca. „Wer die typischen Reiseführer verlässt, trifft auf eine Realität, die erschreckend ist“, berichtet Alexander Auer von Sei So Frei, der das Land letztes Jahr bereiste. Zugang zu Bildung, medizinischer Versorgung und sicheren Arbeitsplätzen ist für viele Menschen in Peru alles andere als selbstverständlich. Patriarchale Strukturen verstärken die Benachteiligung, insbesondere für Frauen und Kinder.
Anwalt Carlos Aliaga (r.) berät eine indigene Familie vor dem Gericht in Juliaca und klärt sie über ihre Recht auf.
Die Ursachen der Misstände sind vielfältig. Historische Ungleichheiten, Landkonflikte und jahrzehntelange politische Instabilität haben tiefe Spuren in Peru hinterlassen. Viele ländliche Regionen sind von der Regierung vernachlässigt, Infrastruktur, Schulen und Krankenhäuser fehlen oder sind unzureichend. Armut wird von Generation zu Generation weitergegeben. Lokale Bevölkerungsgruppen, insbesondere indigene Völker, sind oft von grundlegenden Rechten ausgeschlossen. Dazu kommen wirtschaftliche Interessen, wie illegaler Bergbau oder der Drogenhandel, die ganze Gemeinden destabilisieren und die ohnehin fragile soziale Struktur weiter belasten.
Luis Zambrano (kl. Bild oben, links) isst mit den Menschen im von ihm gegründeten „Armenhaus“ in Puno.
Mitten in dieser herausfordernden Realität arbeitet Luis Zambrano mit seiner Organisation FEDERH – „Fe y Derechos Humanos“ (auf Deutsch: Glaube und Menschenrechte). Nur fünf Personen arbeiten dort, aber sie erreichen viel: Über 10.000 Menschen wurden allein in den letzten zwei Jahren informiert, beraten und begleitet. „Viele wissen nicht einmal, dass sie Rechte haben“, sagt Edwin Poire, Direktor von FEDERH. Genau hier setzt die Aufklärungsarbeit an: Maritza, zuständig für Bildung, und Mariely, verantwortlich für Öffentlichkeitsarbeit, gestalten Radiosendungen, geben Workshops und organisieren Fortbildungen.
In Schulen, Gemeinden und über soziale Medien – oft auf Quechua, der Sprache, die viele Indigene sprechen – informieren sie über Gewalt, Menschenhandel, politische Teilhabe, Arbeitsrecht, Alimente, Frauenrechte, Umweltschutz und Armut. Besonders gefragt ist rechtliche Unterstützung, denn wer im Hochland arm ist, hat kaum Chancen auf Gerechtigkeit. Anwalt Carlos (siehe kl. Bild links) begleitet zum Beispiel Delia, eine vierfache Mutter, die nach der Trennung von ihrem gewalttätigen Mann ums Sorgerecht kämpft. Dabei beschränkt sich die Hilfe nicht auf Praktisches: „Die Menschen brauchen mehr als nur Suppe“, sagt Zambrano, „sie brauchen Würde, Respekt und eine echte Perspektive.“
Die Arbeit von FEDERH wäre ohne Unterstützung von außen nur schwer möglich. Seit 2012 übernimmt die Hilfsorganisation Sei So Frei die Personalkosten – ohne Bedingungen. Auf diese Weise kann das Team in Puno und Juliaca unabhängig arbeiten und sich voll auf die wichtige Menschenrechtsarbeit konzentrieren. Lokale Spenden – wie Kartoffeln, Mehl oder Kleidung – tragen zusätzlich zum Fortbestand des „Armenhauses“ bei. Die Pfarre von Luis Zambrano in Juliaca setzt mit der Haltung von eigenen Schafen im Pfarrhof auf Selbstversorgung, um damit die Ärmsten der Pfarre zu unterstützen.
Maria Wilbrink
Helfen Sie helfen: So können Sie die Projekte von Sei So Frei, der entwicklungspolitischen Organisation der Katholischen Männerbewegung, und die Arbeit von Luis Zambrano und seinem Team unterstützen:
Sei So Frei-Spendenkonto IBAN: AT65 2081 5000 0095 4222
Wüste, Regenwald, Hochgebirge – und alles oft nur wenige Stunden voneinander entfernt. Peru erstreckt sich über 1.285.216 Quadratkilometer und ist damit rund 15 mal so groß wie Österreich. Auf dieser riesigen Fläche wechseln sich Temperaturzonen ab, wie man sie sonst nur auf ganzen Kontinenten findet. Hier wachsen über 3000 Kartoffel-sorten in Höhen, in denen andernorts kaum noch Pflanzen gedeihen. Und tief im Amazonas-Regenwald, der rund 60 Prozent des Landes bedeckt, leben Tiere und Pflanzen, die ForscherInnen bis heute überraschen.
Obwohl Peru für viele weit entfernt wirkt, kennen wir es viel besser, als wir denken: Die Kartoffel, die heute weltweit auf den Tellern liegt, stammt aus den Anden. Quinoa, einst heiliges Inka-Korn, ist längst globaler Trend. Die mystische Inka-Stadt Machu Picchu, die geheimnisvollen Nazca-Linien, die edlen Alpakas und die farbenprächtige Textilkunst haben das Land international bekannt gemacht. In der peruanischen Hauptstadt Lima, einer vibrierenden Küstenmetropole, treffen sich die Amtssprachen Spanisch, Quechua und Aymara.
Genauso vielfältig sind die über 34 Millionen EinwohnerInnen Perus. Mehr als 50 indigene Völker bewahren eigene Sprachen, Geschichten und uralte Handwerkskünste – trotz Herausforderungen. Ein Land voller Kontraste – und voller Geschichten.
Peru in Zahlen & Fakten
Fläche: 1.285.216 km²
Bevölkerung: ca. 34 Millionen
Hauptstadt: Lima
Amtssprachen: Spanisch, Quechua, Aymara
Natur: Wüste, Hochgebirge, Regenwald (60 % Amazonas)
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