Glaube
Wem gehört die Bibel?
- Der „Prediger“ James Talarico will im konservativen US-Bundesstaat Texas Senator werden. Der 37-jährige Hoffnungsträger der Demokraten beruft sich auf die Botschaft Jesu, um sein eher links-progressives Programm zu untermauern – und punktet damit auch bei Trump-Wählern.
- Foto: jamestalarico.com
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Texas gilt als Bastion der Republikanischen Partei. Nun wirbt dort ein links-progressiver Demokrat mit der Botschaft Jesu.
Was würde Jesus tun?“ Mit diesem Stehsatz will James Talarico auch gemäßigt konservative Wählerinnen und Wähler erreichen. Dabei stehen eigentlich linke Themen in seinem Programm: „Was würde Jesus angesichts eines Steuersystems tun, das die Reichen gegenüber den Armen begünstigt?“, fragte der ehemalige Mittelschullehrer bei einer Rede im texanischen Repräsentantenhaus, dem er seit 2018 angehört. Bei den Zwischenwahlen Anfang November will Talarico Senator des US-Bundesstaates Texas werden. Eine aktuelle Umfrage räumt ihm durchaus realistische Chancen auf den Sieg ein.
Die Strategie, politische Argumente mit biblisch-moralischen Aussagen zu verknüpfen, blieb bisher vor allem den Republikanern vorbehalten. „Können die Demokraten die moralische Vorherrschaft in christlichen Kreisen zurückgewinnen?“, fragte deswegen die New York Times. Durch „moralische Verfehlungen“ wie die Streichung von Lebensmittelhilfen, Abschieberazzien und den Krieg im Iran seien der US-Zeitung zufolge jedenfalls Millionen von gläubigen US-Bürgerinnen und -Bürgern von Präsident Donald Trump enttäuscht. Diese Menschen will der 37-jährige Talarico erreichen, um als erster Demokrat seit 1988 einen der beiden texanischen Senatssitze zu gewinnen.
Seine politischen Gegner beschuldigen ihn der Blasphemie: Seinen Glauben täusche er nur vor. Die „MAGA“-Christen („Make America great again“) seien verärgert, weil Talarico anders als die meisten demokratischen Politikerinnen und Politiker „seine progressive Agenda ausdrücklich auf die Bibel stützt, die die MAGA-Christen als ihre eigene beanspruchen“, schrieb das Nachrichtenmagazin Texas Observer.
Große nationale Bekanntheit erlangte der Demokrat mit einem Auftritt in der „Late Show“ von Starmoderator Stephen Colbert im Februar dieses Jahres. Das Gespräch wurde nur auf YouTube veröffentlicht, nachdem der Sender CBS von einer Ausstrahlung abgesehen hatte. In nur wenigen Tagen erreichte es über zehn Millionen Aufrufe. Dennoch bleibt die Frage, ob Talarico seine Beliebtheit im traditionell republikanischen Texas in Stimmen ummünzen kann.
Bei der Wahl am 3. November könnte Talarico auch von der geringen Beliebtheit seines republikanischen Gegenkandidaten, dem Generalstaatsanwalt Ken Paxton, profitieren, dem Korruption und Machtmissbrauch vorgeworfen werden. Für die Demokraten wäre der Gewinn eines texanischen Senatssitzes zwar beachtlich, vor allem hätte er aber Symbolkraft. Talarico wird als Hoffnungsträger der Partei gesehen, die aktuell einen Wandel durchmacht. Denn seine religiöse Botschaft von links könnte als Antithese zu Trumps „MAGA“-Bewegung auch in anderen US-Bundesstaaten und vor allem abseits von progressiv geprägten Metropolen Wirkung zeigen.
Quelle: ORF.at
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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