Gelebte Demokratie | Teil 1
gemma! gelebte Demokratie
- gemma! – Im Verein GEMEINSAM MACHEN engagieren sich seit 2016 ÖsterreicherInnen für Menschen, die ihr Heimatland aufgrund von Krieg und Gewalt verlassen mussten. Die gemeinsamen Aktivitäten verbessern das gesellschaftliche Zusammenleben für alle.
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Sie sollte mehr sein, als nur ein „Kreuzerl“ am Stimmzettel bei einer Wahl: Demokratie. Das aus dem Altgriechischen stammende Wort meint „Volksherrschaft“ und bedeutet neben einer Regierungsform auch die Teilhabe aller an der politischen Willensbildung.
Am gesellschaftlichen Leben teilnehmen und teilhaben, einander zuhören, miteinander reden, und vor allem eines: das gemeinsame Tun – mit diesen Worten lädt die Initiative Bündnis 2025 von 19. bis 25. Oktober zur „Demokratiewoche 2026“ ein. Film- und Theatervorführungen, Diskussionen und Mitmachprojekte in ganz Österreich möchten Menschen ermutigen, sich aktiv am gesellschaftlichen Geschehen zu beteiligen. Wie das gehen kann, weiß Stefanie Stadlober vom Verein gemma!.
Wir schreiben das Jahr 2015. Das Phänomen, das medial als „Flüchtlingskrise 2015“ bezeichnet wird, hat im Herbst des Jahres auch die Steiermark erreicht: Menschen, die ihre Heimat in Syrien, Afghanistan oder dem Iran wegen Gewalt und Krieg verlassen müssen, kommen zu Tausenden in Österreich an. Unter den Schutzsuchenden sind viele sogenannte UmF – „unbegleitete minderjährige Flüchtlinge“, die ohne Familienangehörige geflohen sind. Oft erst zwischen zehn und 18 Jahre alt, wurden sie auf einen ungewissen Weg geschickt – von Eltern, die hoffen, dass ihre Kinder anderswo in Frieden aufwachsen können.
Als im Herbst 2015 Geflüchtete über den Grenzübergang Spielfeld in die Steiermark kommen, beobachtet auch Stefanie Stadlober die Situation gespannt. Was ihr auffällt: Die geflohenen Kinder und Jugendlichen werden in erster Linie von ÖsterreicherInnen betreut, die deutlich älter sind als sie. „Das war natürlich notwendig“, sagt sie und weiß zugleich: Heranwachsende brauchen auch Gleichaltrige – Menschen, die ähnliche Fragen und Interessen haben wie sie selbst. Vor diesem Hintergrund rief Stefanie Stadlober mit FreundInnen Ende 2015 ein Projekt ins Leben, das aufgrund der großen Nachfrage im Herbst 2016 schließlich in die Gründung des Vereins gemma! mündete.
Einfach „gemeinsam machen“
Seitdem schafft die Organisation, deren Name sich aus „gemeinsam“ und „machen“ zusammensetzt, niederschwellige Begegnungsangebote für Menschen mit und ohne Migrationsbiografie: Deutsch-Lernen, gemeinsam Kochen, Sport betreiben, Kulturveranstaltungen besuchen, musizieren oder im „Erzählcafé“ über das Leben reden – gemma! hält Menschen dazu an, sich auszutauschen, einander näherzukommen und letztendlich an einer Gesellschaft mitzubauen, in der Zusammenhalt und Miteinander im Vordergrund stehen, statt Misstrauen und Angst. „Wir haben Jugendliche in Asyl-unterkünften und in Schulen eingeladen, mitzumachen“, erzählt Stefanie Stadlober von den Anfängen. Schon von Beginn an sei das Interesse groß gewesen, die erste Veranstaltung im Frühjahr 2016 ein Erfolg.
Ausgezeichnet
Seitdem ist viel gewachsen. Was Stefanie Stadlober nach zehn Jahren Vereinsarbeit auch freut, ist, dass einige der damals als UmF nach Österreich Gekommenen inzwischen ehrenamtlich aktiv sind, so wie sie.
Und noch etwas macht die Sozialarbeiterin und Dolmetscherin mit Hang zum gesellschaftlichem Miteinander stolz: Die Verleihung des ersten Steiermärkischen Toleranzpreises (siehe Kasten) an ihren Verein am 13. November in der Aula der Karl-Franzens-Universität in Graz.
Das ausgeschüttete Preisgeld werde zur Aufrechterhaltung der Vereinsaktivitäten im kommenden Jahr eingesetzt werden, erklärt die Vereinsobfrau. „Die 7500 Euro ermöglichen es uns zum Beispiel, einen unserer beiden wöchentlichen Termine des „Erzählcafé & Infobüro“ für ein ganzes Jahr aufrechtzuerhalten und damit einen regelmäßigen, kostenlosen Raum für Begegnung, Austausch und Unterstützung zu sichern“, sagt Stefanie Stadlober. Auch das ist Demokratie.
Anna Maria Steiner
Toleranzpreis
Der Steiermärkische Toleranzpreis wird am 13. November 2026 erstmals vergeben und unterstützt Projekte und Organisationen, die gesellschaftlichen Zusammenhalt, Menschenwürde und Demokratie stärken. Als eine von drei prämierten Organisationen wurde der Verein gemma! – Gemeinsam machen u. a. aufgrund seines niederschwelligen Zugangs und des hohen ehrenamtlichen Engagements ausgezeichnet.
Autor:SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT |
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