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Gut für sich sorgen

Übergänge als Chance: Die zweite Lebenshälfte bewusst und aktiv gestalten – dafür plädiert Maria Moitz, die Frauen in den Wechseljahren begleitet. Robert Mandl weiß, dass auch Männer mit fort-schreitendem Lebensalter Wandel erleben.  | Foto: iStock
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  • Übergänge als Chance: Die zweite Lebenshälfte bewusst und aktiv gestalten – dafür plädiert Maria Moitz, die Frauen in den Wechseljahren begleitet. Robert Mandl weiß, dass auch Männer mit fort-schreitendem Lebensalter Wandel erleben.
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Zum Welttag der Wechseljahre schauen wir auf Frau und Mann. Maria Moitz und Robert Mandl teilen ihre Erfahrungen aus der Begleitung von Menschen.

Wechseljahre bewusst gestalten

Über die Wechseljahre wurde lange geschwiegen. Höchste Zeit, das zu ändern! Der Welt-Menopause-Tag am 18. Oktober erinnert daran, wie wichtig Wissen und ein offener Umgang mit dieser Lebensphase sind. Hormonelle Veränderungen treffen Frauen mitten im Berufs- und Familienleben. Heute wissen wir mehr über die Prozesse, die diese Veränderungen steuern. Nutzen wir dieses Wissen, um die Weichen für eine gesunde, gestärkte zweite Lebenshälfte zu stellen!
Auch ich glaubte, gut vorbereitet zu sein. Ich beschäftigte mich mit Frauengesundheit, achtete auf Ernährung und Bewegung. Dennoch überraschten mich Gelenksbeschwerden, innere Unruhe und Herzrasen. Dass auch das zu den Wechseljahren gehören kann? Davon hatte ich keine Ahnung! Ich suchte Unterstützung, hörte aber oft: „Das ist psychisch“ oder „Da müssen Sie durch“.

Müssen nicht alles aushalten. Doch wir müssen nicht alles durch- und aushalten! Wir können unseren Körper in diesem Veränderungsprozess gezielt unterstützen. Wichtig ist zunächst eine medizinische Abklärung, um andere Ursachen auszuschließen. Die Unterstützungsmöglichkeiten sind vielfältig – von Heilkräutern über Phytoöstrogene (pflanzliche Stoffe, die Östrogen ähneln) bis hin zu einer individuell abgestimmten Hormontherapie, auch mit bioidenten Hormonen. Fachkundige Beratung ist dabei entscheidend. Darüber hinaus können wir selbst viel für unsere Gesundheit tun.
Über die Jahre in meiner Begleitung von Frauen in den Wechseljahren habe ich sieben Schlüsselstrategien für bewusst gestaltete Wechseljahre gesammelt:

  1. Hormone verstehen: Wissen hilft, Veränderungen einzuordnen, Beschwerden ernst zu nehmen und informiert zu entscheiden.

  2. Stresskompetenz stärken: Belastungen erkennen, Grenzen setzen und Kraftquellen schaffen.
  3. Gut genährt sein: Pflanzenbetonte Kost mit ausreichend Eiweiß stärkt den Körper. Essen in Ruhe und mit Genuss braucht die Seele.
  4. Bewegen und ruhen: Kraft- und Ausdauertraining fördern die Gesundheit. Ruhe und Regeneration sind ebenso wichtig.
  5. Erholsamer Schlaf: Weniger Handyzeit am Abend, Einschlafrituale und Entspannung können helfen.
  6. Wechseljahre als Wandeljahre begreifen: Innehalten und fragen: Wofür stelle ich mich zur Verfügung – und wofür nicht mehr? War das schon alles?
  7. Sich selbst in den Mittelpunkt stellen: Die eigene Gesundheit zur Priorität machen. Denn wer gut für sich sorgt, hat Kraft, für andere da zu sein und die Gemeinschaft mitzugestalten.

Es geht nicht mehr darum, nur zu funktionieren, sondern es geht um einen sorgsamen Umgang mit den eigenen Kräften. Und dafür ist es nie zu spät – egal, ob die Wechseljahre noch bevorstehen, Sie mittendrin sind oder die Zeit schon hinter Ihnen liegt.
Gut für sich selbst zu sorgen, ist keine Frage des Alters. Die Wechseljahre können ein Anstoß sein, die eigene Gesundheit bewusst in die Hand zu nehmen – für ein Leben voll innerer Kraft, Eigen-Sinn und Lebendigkeit.

Maria Moitz MAS bietet Zertifizierte Wechseljahrberatung, Vorträge, Workshops und führt die Praxis „... mitten im Leben“ in Leibnitz. Mehr auf moitz.at

Auch Männer erleben Übergänge

Kommen Männer auch in die Wechseljahre?
Robert Mandl: Nicht im gleichen Sinne wie Frauen, doch mit fortschreitendem Lebensalter kommt es auch beim Mann zu hormonellen Umstellungen, die sich auf das Befinden und damit auf das Leben auswirken können. So sinkt etwa der Testosteronspiegel mit zunehmendem Alter allmählich. Manche Männer entwickeln einen behandlungsbedürftigen Testosteronmangel, der ärztlich abgeklärt werden sollte. Müdigkeit, Schlafprobleme, weniger sexuelles Verlangen oder Erektionsprobleme können aber auch andere Ursachen haben, die es ärztlich abzuklären gilt.

Was ist dann die viel zitierte „Midlifecrisis“?
Mandl: Eine medizinische Diagnose jedenfalls nicht. Gemeint ist häufig eine Phase, in der Männer eine Lebensbilanz ziehen: Was wollte ich in meinem Leben erreichen, und was habe ich erreicht? Wie geht es beruflich und in der Partnerschaft weiter? Die Kinder sind aus dem Haus, die eigenen Eltern werden älter (oder sterben) und auch der Körper ist Veränderungen unterworfen. Solche Gedanken können verunsichern und lösen bei vielen Männern den Wunsch nach Veränderung aus.

Welche Anzeichen können auftreten?
Mandl: Symptome wie Niedergeschlagenheit, Gereiztheit oder innere Unruhe. Viele Männer beschreiben in Beratungsgesprächen ein Gefühl des Sinn- oder Perspektivenverlusts sowie ein starkes Bedürfnis nach Veränderung. Körperlich können Erschöpfung, Schlafstörungen, schwindende Leistungsfähigkeit oder sexuelle Probleme auftreten.

Warum kann diese Lebensphase für Männer besonders herausfordernd sein?
Mandl: Gerade ältere Männer haben als Kind noch gelernt, dass man(n) Probleme selbst lösen muss. Gleichzeitig verändert sich in der Lebensmitte manches, das bisher Sicherheit gegeben hat, zum Beispiel die Rolle im Beruf, die körperliche Leistungsfähigkeit, aber auch Sexualität und familiäre Aufgaben. All das kann die persönlichen Vorstellungen von Männlichkeit in Frage stellen, gerade in einer Zeit, in der diese Vorstellungen – gottlob! – gesellschaftlich im Wandel begriffen sind.

Kann eine solche Krise auch eine Chance sein?
Mandl: Oh ja. Eine Lebensphase, in der bisherige Vorstellungen nicht mehr selbstverständlich funktionieren, kann auch dazu führen, Prioritäten neu zu definieren. Es geht nicht darum, krampfhaft wieder 30 sein zu wollen. Es geht darum, herauszufinden: Wie möchte ich als Mann in der zweiten Lebenshälfte leben? Welche Beziehungen, Aufgaben und Werte sind mir dabei wirklich wichtig?

Was kann helfen?
Mandl: Zunächst einmal die Situation ernst zu nehmen und genau hinzuschauen, was sich wirklich verändert hat. Geht es um den Körper, die Partnerschaft, die Arbeit – oder um die Frage, wie ich mein Leben eigentlich weiterführen möchte? Bewegung, Schlaf und eine medizinische Abklärung bei anhaltenden Beschwerden sind sinnvoll.
Ganz wichtig sind Gespräche, sei es mit der Partnerin, dem Partner oder mit Freunden, oder – nicht zuletzt – ein Termin bei der Männerberatung.
Unser Verein für Männer- und Geschlechterthemen betreibt Beratungsstellen in allen steirischen Bezirken (Nähere Infos unter vmg-steiermark.at). In akuten Krisensituationen steht unsere Helpline, die Männerberatung 24/7, unter der Nummer 0800/400 777 rund um die Uhr kostenlos zur Verfügung.

Robert Mandl ist Sozial- und Berufspädagoge und Berater beim Verein für Männer- und Geschlechterthemen in Graz.

Übergänge als Chance: Die zweite Lebenshälfte bewusst und aktiv gestalten – dafür plädiert Maria Moitz, die Frauen in den Wechseljahren begleitet. Robert Mandl weiß, dass auch Männer mit fort-schreitendem Lebensalter Wandel erleben.  | Foto: iStock
Maria Moitz MAS | Foto: Josy Jelic
Robert Mandl | Foto: privat
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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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