Ökumenisches Seelsorgeteam
Ohnmacht aushalten, Kraft geben

Monika Zwiesele koordiniert das Seelsorgeteam in der Privatklinik Hochrum. Künftig sollen mehr Ehrenamtliche das Team bereichern.

Jedes Mal, wenn Monika Zwiesele ein Krankenzimmer betritt, wird das Öffnen der Tür zum Symbol: Offenheit ist eine Grundtugend ihrer Arbeit als Seelsorgerin. „Ich betrete einen Raum und weiß nicht, was mich erwartet. Die Patientin kennt mich nicht, ich weiß nichts von ihr. Im Alltagsleben wären wir uns wohl nicht begegnet. Es ist ein Moment, in dem alles offen ist, in dem alles entstehen kann“, erzählt Zwiesele im Tiroler Sonntag-Interview. „Entscheidend ist, sich wirklich für einen Menschen zu interessieren. Wenn jemand spürt, dass meine Frage „wie geht es Ihnen?“ ernst gemeint ist, kommt in Bewegung, was ihn bewegt, belastet, aber auch freut“, erzählt Zwiesele aus ihrem Arbeitsalltag. Ist der Bann einmal gebrochen, landen die Gespräche sehr schnell beim Wesentlichen: Die PatientInnen erzählen von ihren Gebrechen, von Grenzen, die ihnen die Krankheit setzt, von Fähigkeiten, die verloren gehen. Oder sie fragen sich, wie das Leben nach dem Aufenthalt im Krankenhaus weitergeht, welche Umstellungen notwendig sein werden. „Manche sind auch so geplagt von Schmerzen, dass sie nicht mehr unter Menschen gehen und immer einsamer werden. So kann oft nichts Heilsames mehr in ihr Leben einfließen“, sagt die Seelsorgerin.

Sich getragen wissen. Was hilft in solchen Situationen? „Verzweiflung und Ohnmacht anerkennen und aushalten. Das schafft einen Raum, in dem der Mensch so sein darf, wie er ist und wie er sich gerade fühlt.“ Einfache Antworten gebe es nicht, meint Zwiesele, Ratschläge helfen selten weiter. Der Impuls, eine schwierige Situation oder ein Leid möglichst rasch beenden zu wollen, sei verständlich, aber er werde dem Patienten nicht gerecht. Als Seelsorgerin müsse sie zulassen, manchmal selbst nicht weiter zu wissen. „Was ich weiß ist, dass wir alle getragen sind von der Liebe Gottes und dass sich von einem Moment auf den anderen alles ändern kann, auch wenn ich nicht weiß, wie.“ Wenn Menschen merken, dass sie sich mit ihrem Leid jemandem zumuten dürfen, öffnen sich Türen, die einen neuen, veränderten Blick auf das Leben zulassen. „Die PatientInnen fühlen, dass sie nicht nur aus Verzweiflung und Schmerzen bestehen, sondern sich in ihnen neue Kraft regt, Erinnerungen an Kraftquellen und Hoffnung aufkommen“. Ihre Erfahrung, dass Gott „für uns wirkt, auch wenn wir das nicht immer erkennen können“, ist der Boden, auf dem die Theologin mit den Menschen spricht. „Wenn ein Patient an tragende Erfahrungen anknüpfen kann, kommt er vom Gefühl des Ausgeliefertseins in seine Kraft und spürt wieder Boden unter den Füßen."

Für die Patienten da sein. Die Theologinnen Mag. Monika Zwiesele und Dr. Waltraud Juranek bilden mit Sr. Dora Wibmer, drei ehrenamtlichen MitarbeiterInnen und dem evang. Pfarrer Klaus Niederwimmer das ökumenische Seelsorgeteam. Um das Angebot auszuweiten, sollen künftig weitere ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das Team ergänzen: „Wir wünschen uns Frauen und Männer, die ihre Zeit und ihr Mitgefühl zur Verfügung stellen, die zuhören und offen sind für Anliegen und Sorgen der PatientInnen.“ Die ehrenamtlichen SeelsogerInnen müssen keinen Rat wissen, sie müssen vor allem da sein, meint Zwiesele. „Das ist das Kostbarste für die Patientinnen und Patienten. Dann fühlen sie sich angenommen, können sich selbst wieder annehmen und finden Trost und neuen Mut.“ Auf alle, die im Team mitarbeiten, warte ein Haus, das geprägt ist vom Geist der Kreuzschwestern und in dem es neben den medizinischen Leistungen ein Bewusstsein für die Bedeutung der menschlichen Zuwendung, des Zuhörens und des Gesprächs gibt.

Dieser Beitrag erschien im Tiroler Sonntag, Nr. 40 vom 3. Oktober 2019

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