Corona: Solidarität, Achtung und unaufgeregte Religiosität
Mit dem Glauben an das Gute

Der Auferstandene holt die Menschen (dargestellt durch Adam und Eva) aus ihren Gräbern. So stellen es die Ikonen der Ostkirchen dar, auch hier bei einer Feier im Stift St. Lambrecht. Im Glauben, dass wir mit Gottes Hilfe auch aus der Bedrohung durch das Coronavirus herausfinden, gehen wir den Weg durch die Krise mit Solidarität, Achtung vor jedem Menschen und österlicher Zuversicht.
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  • Der Auferstandene holt die Menschen (dargestellt durch Adam und Eva) aus ihren Gräbern. So stellen es die Ikonen der Ostkirchen dar, auch hier bei einer Feier im Stift St. Lambrecht. Im Glauben, dass wir mit Gottes Hilfe auch aus der Bedrohung durch das Coronavirus herausfinden, gehen wir den Weg durch die Krise mit Solidarität, Achtung vor jedem Menschen und österlicher Zuversicht.
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Reinhold Esterbauer, Univ.-Prof. für Philosophie an der Theologischen Fakultät Graz, nimmt zum Umgang mit „Corona“ Stellung.

So sehr wir Menschen gewöhnlich darauf vertrauen, dass wissenschaftlicher Fortschritt in der Lage ist, ernste Probleme zu lösen, müssen wir doch immer wieder zur Kenntnis nehmen, dass Medizin und Technik Grenzen gesetzt sind. Darüber hinaus erweisen wir uns selbst immer wieder als fehlbar und unzuverlässig. So scheinen politische und gesellschaftliche Differenzen die Beseitigung unmenschlicher Flüchtlingslager an den Grenzen Europas zu verhindern. Nicht nur in Österreich, sondern in vielen europäischen Staaten fehlt der politische und individuelle Wille, sich dieser humanitären Katastrophe mit Nachdruck zu stellen. Auch die Klimakrise führt vor allem der „Ersten Welt“ vor Augen, dass neben ökologischen auch ethische Standards notwendig wären, die eingehalten werden müssten, um die Situation zu verbessern. Die menschliche Beschränktheit zeigt sich nun angesichts des Ernstes der Lage, die das Coronavirus herbeigeführt hat, in noch einmal intensiverer Weise.

Mensch oder Produktion? Es gibt mehrere Szenarien, wie dem Sars-CoV-2 zu begegnen sei. Die Regierung appelliert an die Bürgerinnen und Bürger, alles zu unternehmen, was eine schnelle Ausbreitung des Virus verhindert, damit die medizinische Versorgung gewährleistet ist und vor allem ältere Menschen und solche, die durch eine Vorerkrankung besonders gefährdet sind, optimal betreut werden können. Man möchte damit die Sterblichkeitsrate möglichst gering halten.
Leider ist in Gesprächen über die Bekämpfung des Virus auch bereits zu hören, dass es zielführender wäre, die Infektionsgeschwindigkeit nicht zu drosseln, damit die Pandemie schnell viele Menschen erreiche und bald wieder vorüber sei. So würden zwar viele sterben, aber die Wirtschaft würde weniger Verluste erleiden und die Produktion könne schneller wieder den Normalpegel erreichen. Offenbar möchten einige Menschen Tote mit geringeren wirtschaftlichen Verlusten gegenrechnen. Auf erschreckende Weise wird oft zusätzlich ins Feld geführt, dass es sich bei den Opfern ohnehin „nur“ um Alte und Schwache handelte.

Menschenwürde für alle. Eine solche Ansicht, die den Menschen verrechenbar macht, widerspricht dem humanitären Grundsatz, dass die Menschenwürde uneingeschränkt für alle gilt. Wenn die Bibel von der Gottebenbildlichkeit spricht, meint sie nicht nur, dass diese für alle Menschen, sondern auch, dass der Bezug des Menschen zu Gott für alle in gleicher Weise gilt.
Gefährdete alte Menschen, Schwache und Kranke bedürfen deshalb besonderer Aufmerksamkeit und dürfen nicht zum Inhalt wirtschaftlicher Spekulationen degradiert werden. Umgekehrt ist Solidarität mit jenen geboten, die große Verluste hinnehmen werden müssen oder sogar in ihrer wirtschaftlichen Existenz gefährdet sind.

Keine Strafe Gottes. Krisen erzeugen oft Angst, die sich mitunter in apokalyptischen oder verschwörungstheoretischen Vorstellungen Bahn bricht. Zu meinen, Gott hätte das Coronavirus geschickt, um die Menschen wieder zum Glauben zu führen oder gar unmoralisches Leben zu bestrafen, ist haltlos und widerspricht der christlichen Vorstellung, dass Gott nicht das Leid, sondern das Heil der Menschen im Blick hat. Darüber hinaus trüben Untergangsstimmungen oft den klaren Blick darauf, was nottut, und lösen panische Reaktionen aus.
Demgegenüber verhilft der Glaube an das Gute Menschen zur Hoffnung, dass diese Krise durch gemeinsame Anstrengung und die Hilfe Gottes überwunden werden kann.
In der gegenwärtigen Krise zu leben heißt also, solidarisch zu sein mit den Erkrankten und Infizierten, aber auch mit allen, die sich bemühen, das Gebotene zu tun, und weder nur den eigenen Vorteil zu suchen noch politisches oder sonstiges Kapital aus der labilen Situation zu schlagen. Besondere Aufmerksamkeit brauchen alte, gebrechliche und gefährdete Menschen. Religionskritik ist vor allem dann gefordert, wenn Ängste falsche Gottesbilder entstehen lassen. Im Blick auf Ostern vertrauen Christinnen und Christen zudem auf Gottes Hilfe, wenn es darum geht, Krisen möglichst gut zu bewältigen.
Reinhold Esterbauer (gekürzt)

Der Auferstandene holt die Menschen (dargestellt durch Adam und Eva) aus ihren Gräbern. So stellen es die Ikonen der Ostkirchen dar, auch hier bei einer Feier im Stift St. Lambrecht. Im Glauben, dass wir mit Gottes Hilfe auch aus der Bedrohung durch das Coronavirus herausfinden, gehen wir den Weg durch die Krise mit Solidarität, Achtung vor jedem Menschen und österlicher Zuversicht.
Reinhold Esterbauer, Univ.-Prof. für Philosophie an der Theologischen Fakultät Graz, nimmt zum Umgang mit „Corona“ Stellung.
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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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