Meine Lieblings-BIBELSTELLE
Est 4,14 | Manuela Grubelnig

„Mordechai ließ Ester erwidern: Glaub ja nicht, weil du im Königspalast lebst, könntest du dich als Einzige von allen Juden retten. […] Du aber und das Haus deines Vaters werden untergehen. Wer weiß, ob du nicht gerade dafür in dieser Zeit Königin geworden bist? (Est 4,14)
Es beginnt dieses Buch, wie sonst ein typisches Märchen der Gebrüder Grimm endet: Ein großer Herrscher verliebt sich in ein junges, schönes und kluges Mädchen „aus dem Volk“ und heiratet sie. Sie ist nun die Frau an der Seite eines Königs und lebt ein völlig anderes Leben als zuvor; in einem Palast, umgeben von Prunk, Bediensteten und Luxus.
Dass mit ihrer Stellung bei Hofe einerseits viele Privilegien, andererseits eine immense Verantwortung für andere einhergeht, ist für mich die Schlüsselstelle dieses Buches aus dem Ersten Testament. Esters Onkel Mordechai tritt an die junge Königin heran und warnt sie vor der Ausrottung, die ihrem Volk droht, sollte die Intrige des Beraters Haman aufgehen. Vor allem aber erinnert Mordechai seine Nichte an ihre Herkunft. Sie ist Jüdin und sollte sich bewusst sein, dass sie wohl die Einzige wäre, die diesen Pogrom überleben werde aufgrund ihrer königlichen Stellung. Er erkennt den „höheren“ Sinn, den diese Eheschließung für Ester und das jüdische Volk bringt. Nachdem sie drei Tage gefastet und gebetet hat, wird Ester ihrer Verantwortung als Königin gewahr und tritt selbstbewusst vor den König; wohl wissend, dass ein Fehler in ihrem Plan den sicheren Tod bedeuten könnte. Ihr Mut, der bestimmt aus dem Zorn auf Haman erwachsen ist, gepaart mit ihrer Angst zu versagen, ergibt für mich eine spannende Mischung. Ester ist für mich das Paradebeispiel einer Frau, die mit ihren Aufgaben gewachsen ist.

Manuela Grubelnig
Lehrerin für Katholische Religion und Ethik an der HTL Mistelbach/Niederösterreich

Sonntagsblatt, 30. August 2020

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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