Seelsorge
Ein Leben im Dienst der Kirche

Der Beruf der Seelsorgehelferin geht in Österreich auf eine 
Initiative von Dr. Hildegard Holzer zurück. Sie forderte volle Anerkennung für den eigenständigen weiblichen Beitrag in der Seelsorge und errichtete 1945 mit Erlaubnis des Wiener Erzbischofs Kardinal Dr. Theodor Innitzer eine Ausbildungsstätte für Frauen
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  • Der Beruf der Seelsorgehelferin geht in Österreich auf eine
    Initiative von Dr. Hildegard Holzer zurück. Sie forderte volle Anerkennung für den eigenständigen weiblichen Beitrag in der Seelsorge und errichtete 1945 mit Erlaubnis des Wiener Erzbischofs Kardinal Dr. Theodor Innitzer eine Ausbildungsstätte für Frauen
  • Foto: Archiv der Diözese Feldkirch
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Von der Seelsorgehelferin zur Pastoralreferentin. Drei Frauen erzählen von ihrem Weg in die Seelsorge und ihrer Arbeit in den Pfarrgemeinden.

Ein moderner Beruf – Seelsorgehelferin“ steht auf der vergilbten Informationsbroschüre aus den 1960er Jahren vom Seminar für kirchliche Frauenberufe in Wien. Manche Formulierungen lesen sich etwas verstaubt, andere dagegen klingen topaktuell: „Modern, weil sie mitten im Fluss der Zeit steht, offen für die Aufgaben der Kirche“ lautet die Beschreibung des ältesten Berufes für Laien, also Nicht-Geweihte, in der Seelsorge.

Das Frauenseminar
Da der Beruf hierzulande anfangs nur für Frauen vorgesehen war, wurde die Ausbildungsstätte umgangssprachlich auch Frauen-seminar genannt. Ganz selbstverständlich verwenden Absolventinnen die Formulierung, die heute eher ans Priesterseminar denken lässt, wie die inzwischen pensionierte einstige Seelsorgehelferin Adelheid Duschek, wenn sie erklärt: „Ich war bereits 29, als ich ins Seminar gegangen bin.“
Das Mindestalter für den Eintritt ins Frauenseminar war 18 Jahre. Als weitere Voraussetzung nennt die Broschüre einen Pflichtschulabschluss, besser noch eine abgeschlossene Berufsausbildung. Heidi Duschek war kaufmännische Angestellte in Fohnsdorf, bevor sie den Weg in die Seelsorge einschlug. Die Entscheidung zwischen der Arbeit mit Geld oder mit Menschen fiel ihr schlussendlich leicht. Ihre Begeisterung für Jesus weiterzugeben war ein großer Antrieb.

Viele Tätigkeiten, die Frauen ehrenamtlich in Pfarren leisteten, wurden in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nach und nach in dem professionalisierten kirchlichen Beruf der Seelsorgehelferin zur Unterstützung der Priester gebündelt. Das Ehrenamt von Frauen und Männern in Pfarrgemeinden war und ist weiterhin nicht wegzudenken. In allen ihren Pfarren war die Suche nach freiwilligen MitarbeiterInnen eine vorrangige Aufgabe, erinnert sich Heidi Duschek: „Ich war immer in Pfarren, die sich gerade im Aufbau befanden: zuerst in Leoben-Lerchenfeld, dann in Graz-St. Johannes und bis zu meiner Pensionierung in Mitterdorf im Mürztal, wo gerade die Kirche gebaut wurde.“

Vielseitige Ausbildung
Gleichzeitig mit Heidi Duschek war auch Irmgard Keil aus Pöls ob Judenburg in Wien im sogenannten Frauenseminar, heute besser bekannt als „Seminar für kirchliche Berufe“. An die Ausbildungszeit denkt Keil noch gerne zurück: „Wir haben alle vor Ort gewohnt, es war eine schöne Gemeinschaft.“ Auch Sr. Magda Wiesenhofer von den Salvatorianer-innen war mit von der Partie. Ihre Gemeinschaft gewährte ihr den Wunsch, diesen Beruf zu erlernen, und so besuchte sie als externe Schülerin das Frauenseminar. „Die theologischen Fächer waren mir besonders wertvoll, aber ebenso Geschichte, Literatur, Skikurs, Gesang, Schaukastengestaltung, Didaktik oder Besuche kultureller Natur“, beschreibt Sr. Magda die vielseitige Ausbildung. 1971 wurden die drei von Bischof Johann Weber unter dem Leitspruch „Der Inhalt meines Lebens ist die Frohbotschaft des Herrn“ in ihren Dienst gesendet. Seelsorgehelferinnen legten bei ihrer Sendung ein Berufsversprechen ab (siehe Bild oben). Dazu zählte auch, dass sie unverheiratet blieben.

Ein Meilenstein und ein neuer Name
Das Zweite Vatikanische Konzil (1962–65) stellte eine historische Zäsur für den Beruf der Seelsorgehelferinnen dar. Der Konzilstext „Lumen Gentium“ bildet die theologische Grundlage für kirchliche Laienberufe. Nachdem inzwischen auch Männer die Ausbildung absolvieren konnten, entstand in den 80er-Jahren die Berufsbezeichnung Pastoral-assistent/in. Nicht alle freundeten sich mit dem neuen Namen gleich an. Nach vielen Jahren mit den unterschiedlichsten Aufgaben in verschiedenen Pfarren erzählt Sr. Magda schmunzelnd: „Jetzt in der Pension bin ich wieder Seelsorge-helferin“ – denn sie hilft „als Mädchen für alles“ weiterhin in der Pfarre Kalwang mit.

Viele schöne Momente und Erinnerungen kann Sr. Magda aus ihrer Zeit als Seelsorgehelferin und später Pastoralassistentin aufzählen: „Die Erstkommunionfeiern, Geburtstagsbesuche und auch eine neuntägige Buswallfahrt nach Lourdes mit Toni Gölles, oder Fahrten nach Rom, Tschenstochau und in andere Länder.“ Die Tätigkeiten von Seelsorgehelferinnen waren anfangs vor allem auf Kinder- und Jugendarbeit konzentriert. Auch Religionsunterricht, besonders in den Erstkommunionklassen, gehörte dazu. Irmgard Keil erinnert sich gut an die vielen Feste, die sie jährlich vorbereitet hat: „das Martinsfest, die Kinderkrippenfeier, Kleinkinder-Gottesdienste“ und viele mehr. „Durch den Religionsunterricht kannte ich viele Kinder und ihre Familien. Die Kinderpastoral hat mir wirklich Freude gemacht“, erzählt Irmgard Keil, „aber dann trat eine Kollegin der Krankenhausseelsorge an mich heran“, und so entschied Keil, ihre letzten Dienstjahre dieser „schönen und herausfordernden Aufgabe“ zu widmen.

„Ich habe so viel von der Steiermark gesehen und viele verschiedene Menschen kennen gelernt“, beschreibt Heidi Duschek als besonders schön an ihrem Lebensweg mit diesem Beruf, auch wenn es nicht immer einfach war. Erwartungshaltungen und die Vielfalt der Aufgaben waren unter einen Hut zu bekommen. „Büroarbeit, Pfarrblatt, Ma-trikenführung, Friedhofsverwaltung, Taufgespräche, Trauerbegleitung, Finanzverwaltung, Liturgiegestaltung und Wortgottesdienste“ nennt Sr. Magda „alle pfarrlichen Aufgaben“, die von ihr in einer Pfarre ohne Priester am Ort abzudecken waren. Vieles davon kann man in keiner Ausbildung lernen, sondern erst im Tun. „Ein verwaister Pfarrhof war ein Problem“, erinnert sich Prälat Leopold Städtler, damals geistlicher Begleiter der Seelsorgehelferinnen. Zuerst Ordensfrauen, dann Seelsorgehelferinnen und heute Pastoral-
referentInnen halfen und helfen mit, Leben in den Pfarren zu ermöglichen.

Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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