Ostern 2021
Das österliche Trotzdem

Licht am Ende des Tunnels? Eine Hoffnung, deren Erfüllung sich in der Corona-Pandemie immer mehr hinauszuzögern scheint. – Symbolischer Blick in den Gang des ehemaligen Franziskanerklosters in Graz-Mariatrost.
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  • Licht am Ende des Tunnels? Eine Hoffnung, deren Erfüllung sich in der Corona-Pandemie immer mehr hinauszuzögern scheint. – Symbolischer Blick in den Gang des ehemaligen Franziskanerklosters in Graz-Mariatrost.
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Als Haltungen für Ostern empfiehlt der steirische Theologe Johann Pock, Dekan der Wiener Theologischen Fakultät, Prophetisches und Hoffnungsvolles.

Wenn alles zerbricht und das Licht am Ende des Tunnels nicht kommt. Wenn Hoffnungen zerstört sind und kein Trostwort mehr das Herz erreicht. Wenn die Luft ausgeht, kein langer Atem mehr das Durchhalten ermöglicht. Und wenn der Karsamstag unendlich lang erscheint und die schreiende Grabesruhe nicht Entspannung, sondern Enttäuschung bietet: Dann wird das Trotzdem der Auferstehung zu einem Kraftakt Gottes, immer neu, in jedem Menschen. Dann wird das Trotzdem der Liebe Gottes gegen die Abkehr und die Sünde des Menschen zum lebensspendenden Geist.

Hilfreich in der Krise. Zu Ostern feiern Christen das „Trotzdem“ einer Liebe, die stärker ist als der Tod. Wie der Dekan der Wiener Theologischen Fakultät, Prof. Johann Pock, hinweist, kämen im Ostergeschehen biblische „Trotzdem-Haltungen“ zum Ausdruck, die auch in der gegenwärtigen Krisensituation hilfreich sein können. Nicht im Sinn eines rechthaberischen Trotzes, sondern als eine von Liebe geprägte „prophetische und hoffnungsvolle Haltung“ von „Trotzdem-Personen“, die sich auch gegen Missstände in Gesellschaft und Kirche wendet.

Dem Tod zum Trotz. „Trotzdem“ könne geradezu als „Leitwort der österlichen Dramaturgie“ gesehen werden, schrieb der Pastoraltheologe in einem Blog-Beitrag für den theologischen Blog „theocare“. Jesus halte trotz der Bedenken seiner Jünger an seinem Weg fest. Jesus werde geschlagen, gefoltert und verhöhnt. Trotzdem verkünde er die Feindesliebe und halte an der Gewaltlosigkeit fest. „Das größte Trotzdem ist dann das Sterben, der Gang in den Tod“, das keinen „Sieger am Kreuz“ zeige, aber: „Jesus trotzt dem Tod – nicht, indem er vor ihm flieht, sondern indem er sich ihm überlässt.“

Trotzdem-Gestalten. „Zentrale Trotzdem-Gestalten“ sind für den Theologen dann die Auferstehungszeuginnen – zu einer Zeit, in der die Männer öffentlich das Sagen hatten. Die junge Kirche habe das Zeugnis der Frauen nicht einem patriarchalen Muster geopfert. Auch die Apostel hätten später zu einer selbstbewussten Trotzdem-Haltung gefunden, so Pock, wie viele Märtyrer bis heute, „die lieber Folter oder Tod auf sich nehmen, als ihren Glauben zu verraten“. Petrus sei alles andere als fehlerlos gewesen. Dennoch baue Jesus seine Kirche auf ihm auf, „der suchend und lernend ist“.

Wenn viele sagen: „Es reicht.“ „Gott gibt in seiner Liebe nicht auf.“ Auf diese „zentrale Trotzdem-Botschaft von Ostern“ gelte es auch heute zurückzugreifen, wo viele sagen: „Es reicht.“ Pock meint damit, wie er schrieb, nicht nur die Pandemie mit ihren Einschränkungen, sondern auch die Missachtung der Menschenrechte im Umgang mit Heimatvertriebenen, den Umgang der katholischen Kirche mit Frauen und mit gleichgeschlechtlich Liebenden. Er selbst gebe dennoch nicht auf, halte „trotzdem zu meiner Kirche“.
Bei all diesen Problemstellungen stelle er so manchen „Trotz“ fest, erklärte Pock: „den rechthaberischen Trotz von Personen, die sich auf ‚Tradition‘ berufen, „den kindischen Trotz, der austestet, wie weit man gehen kann“, auch den politischen Trotz, „wo wider besseres Wissen um der eigenen Klientelpolitik willen Haltungen eingenommen werden, die einem Realitäts-Check nicht standhalten“.
Trotz sei nicht automatisch positiv oder negativ. Er verstelle aber leicht den Blick auf die Inhalte und verhindere Veränderungen. Etwa: „Es war schon immer so …“

Wenn unsere Kraft nicht reicht
Auferstehung ist Gottes Trotzdem gegenüber Tod, Dunkelheit und Verzweiflung,
weil unsere Kraft oft nicht einmal für diesen Trotz reicht.
(Johann Pock)

Kathpress

Licht am Ende des Tunnels? Eine Hoffnung, deren Erfüllung sich in der Corona-Pandemie immer mehr hinauszuzögern scheint. – Symbolischer Blick in den Gang des ehemaligen Franziskanerklosters in Graz-Mariatrost.
Einsetzen und Aufleben. Dieses Motto begleitet die steirische Kirche durch die heurige Fasten- und Osterzeit.
Autor:

SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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