Berufung
Bin ich innen morsch?

Der Kroneggerhof – im Joglland zwischen Vorau, Wenigzell und Miesenbach gelegen – ist das Geburtshaus von Barbara Sicharter. Ein Pilgerweg, der den Spuren der Ordensgründerin und den Themen ihres Lebens folgt, führt daran vorbei. | Foto: Archiv Marienschwestern
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  • Der Kroneggerhof – im Joglland zwischen Vorau, Wenigzell und Miesenbach gelegen – ist das Geburtshaus von Barbara Sicharter. Ein Pilgerweg, der den Spuren der Ordensgründerin und den Themen ihres Lebens folgt, führt daran vorbei.
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Mutter Barbara Sicharter hat die Not ihrer Zeit und die Sehnsucht nach Heil wahrgenommen.

Von ihnen hat es viele gegeben: junge mutige Frauen, die im 19. Jahrhundert eine Gemeinschaft im Dienst der Armen gegründet haben. Könnte dieses Phänomen nicht eine Aussage über die Not der Zeit sein? Heute würde man sagen, dass Menschen, die zur selben Zeit dieselben Werte vertreten oder ähnliche Ziele verfolgen, sich weltweit über die „Sozialen Medien“ „angesteckt“ hätten. Damals nutzte der Heilige Geist andere Kanäle, um die Herzen so vieler Frauen zu berühren, stellvertretend für Christus die Notleidenden zu lieben.

Eine unter ihnen ist Barbara Sicharter. Sie wird am 4. Dezember 1829 in Vorau geboren. Auf einem Bauernhof im Joglland wächst sie behütetet in einer liebevollen Familie auf und besucht vom 9. bis zum 12. Lebensjahr die Volksschule. Die kurze Schulbildung wird durch das religiöse Leben in der Familie, vor allem durch die Frömmigkeit der Mutter, ergänzt. Barbara wird als aufgewecktes und lebhaftes Kind beschrieben und wächst schnell in das Leben der Pfarrei hinein. Als drittes von sieben Kindern war sie gefordert, sich einen Platz zu erkämpfen, und entwickelte jene Ausdauer, die sie später gezeigt hat.

Barbara ist Mitte zwanzig, ihre Gestalt wird als groß und schlank, ihre Seele als feinfühlig, empfänglich und besinnlich beschrieben, als ein äußerlich ganz banales Ereignis ihr Leben für immer verändern sollte. Sie geht durch einen Wald und sieht, dass ein junger Baum umgestürzt ist, der innen hohl und bis zu den Wurzeln morsch ist. Selbst wenn er äußerlich so frisch und stark wie die anderen aussah, musste er beim ersten starken Wind umstürzen. Dieser Baum wird für sie zum Mahnzeichen: „Was wäre, wenn es mir so erginge? Wenn ich trotz meines jungen Alters und meiner äußeren Schönheit in mir drin hohl und morsch wäre?“ Äußerlich ändert sich noch nichts, aber dieses Erlebnis bewirkt, dass sie ihren Alltag anders lebt. Sie versucht, alles, was sie tut, zum Gottesdienst werden zu lassen, und achtet aufmerksam auf das, was in ihrer Seele vorgeht.

Barbara erlebt mit, wie 1854 Papst Pius IX. das Dogma der Unbefleckten Empfängnis verkündet. Vier Jahre später beginnen die Erscheinungen in Lourdes, die dieses auf erstaunliche Weise bestätigen. Im selben Jahr stirbt ihre Mutter. Barbara bleibt auf dem Hof und unterstützt den Vater. Sie bekommt mit, dass immer mehr Menschen, vor allem Kranke, nach Lourdes pilgern in der Hoffnung auf Heil. Am 8. Dezember 1861, dem Jahrestag der Verkündung des Dogmas, erkrankt Barbara selbst schwer. Fünf Monate lang wird sie bettlägrig sein. Diese schwere Zeit soll sich aber im Nachhinein als das zweite Schlüsselerlebnis in ihrem Leben herauskristallisieren. Die äußere Hilflosigkeit und Ohnmacht lässt immer mehr den Wunsch in ihr wachsen, sich Jesus ganz auszuliefern.

Sr. Luzia Bodewig

Seligsprechung
Im Ruf der Heiligkeit

Eine Seligsprechung – oder Beatifikation – ist ein feierlicher kirchlicher Akt, bei dem der Papst erklärt, dass eine verstorbene Person als Seliger bzw. Selige bezeichnet und in der Kirche öffentlich verehrt werden darf. Im Unterschied zur Heiligsprechung, die eine Verehrung in der gesamten römisch-katholischen Kirche gestattet, beschränkt sich die Verehrung hier auf die Ortskirche, also auf eine Diözese.

Dem Akt der Seligsprechung geht ein kirchenrechtliches Verfahren voraus, in dem eingehend geprüft wird, ob die Kriterien dafür erfüllt sind. Ein solcher Prozess kann frühestens fünf Jahre nach dem Tod der betreffenden Person eröffnet werden. Voraussetzung dafür ist, dass sie im „Ruf der Heiligkeit“ oder im „Ruf der Wundertätigkeit“ steht, wenn sie entweder den Märtyrertod erlitten hat oder ihr ein „heroischer Tugendgrad“, eine besonders von Glaube, Hoffnung und Liebe geprägte Lebensweise, attestiert werden kann.
Dazu wird ein Promotor ernannt, der Material über das Leben dieses Menschen sowie über etwaige Wunder, die auf dessen Anrufung zurückzuführen sind, sammelt. Ein Kirchenanwalt hat die Aufgabe, die Akten kritisch zu prüfen und zu klären, ob es Gründe gibt, die einer Seligsprechung entgegenstehen.

Der Kroneggerhof – im Joglland zwischen Vorau, Wenigzell und Miesenbach gelegen – ist das Geburtshaus von Barbara Sicharter. Ein Pilgerweg, der den Spuren der Ordensgründerin und den Themen ihres Lebens folgt, führt daran vorbei. | Foto: Archiv Marienschwestern
Mutter Barbara Sicharter
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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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