Kirche und Gesellschaft
Gegen geistigen Missbrauch

Kommission und Buch stellen sich einem oft unbeachteten Thema in Kirche und Gesellschaft.

Wenn von Missbrauch die Rede ist, denken viele an sexuellen Missbrauch oder an körperliche Gewalt. Bisher fast unbeachtet blieb der geistige Missbrauch – der Missbrauch von Macht, ausgeübt auf emotionaler, psychischer, eben geistiger Ebene; und das nicht nur von Geistlichen, sondern in der gesamten Gesellschaft. Entgegen der Annahme, dass geistiger Missbrauch primär ein Thema der Kirche sei, stellte sich heraus, dass dieses weit in die Gesellschaft hineinreicht. Medizin, Pflege oder Erziehung sind nur einige Bereiche, in denen Macht leicht zu Missbrauch führen kann, in denen Machtverhältnisse zum Nachteil anderer ausgenutzt werden.
Um das Thema auszuleuchten, veranstaltete die Diözese Graz-Seckau im Winter 2019 das Symposium „Grauzonen: Geistiger Missbrauch“. Ein Jahr später folgte das Symposium „Gefährliche Seelenführer? Geistiger und geistlicher Missbrauch“ in Leipzig. Die Kernaussagen beider Veranstaltungen sind nun in einem Buch gesammelt: „Grauzonen in Kirche und Gesellschaft. Geistiger Missbrauch“, herausgegeben von Gerhard Hörting (unser „Buchtipp“ in Nr. 41 vom 17. Oktober). Der Herausgeber ist stellvertretender Generalvikar und Gerichtsvikar der Diözese Graz-Seckau.

Das im LIT Verlag erschienene Werk enthält Gedanken zum geistigen Missbrauch aus medizinischer, psychologischer, ethischer, rechtlicher und theologischer Sicht. Es behandelt Machtgefälle und deren Auswirkungen, psychologische Perspektiven, Hilfen zum Erkennen von Mustern bei Tätern und Opfern, psychologische Aspekte der Täter, eine ethische Analyse und kirchenrechtliche Möglichkeiten der Prävention.
In der Katholischen Kirche Steiermark geht man weiter gegen diese „dunkle Seite der Macht“ vor. Seit kurzem gibt es eine unabhängige Kommission, die sich mit Fällen geistigen Missbrauchs im Einflussbereich der Diözese Graz-Seckau beschäftigen wird. „In der Kirche fasst das Thema Fuß. Nun ist zu hoffen, dass die anderen Bereiche der Gesellschaft nicht außen vor bleiben“, so Hörting.

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SONNTAGSBLATT Redaktion aus Steiermark | SONNTAGSBLATT

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